Eine gesunde Durchmischung der Generationen ist die wichtigste Basis, um nachhaltig die kleinen Hilfen des Alltags sicherzustellen. So wird ein lebendiges, in die Gemeinde wirkendes Quartier geschaffen. Bewährte Familienstrukturen wachsen in diesem Umfeld in anderer Form neu zusammen. Statt einer Isolierung älterer Mitmenschen entstehen neue, sich gegenseitig stützende Gemeinschaften. Soweit die Theorie, in der Praxis sind solche Projekte leider noch selten zu finden. Unrentabel, schwer vermietbar und betreuungsintensiv heißt es häufig. Dass es auch anders geht, zeigt die Genossenschaft “MARO für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen eG” in 82441 Ohlstadt.

Soziales Wohnen in einem Mehrgenerationen-Projekt: Das wünschte sich die Gemeinde Buch am Erlbach im Landkreis Landshut und fand mit der MARO Genossenschaft einen Partner, der die Idee in die Tat umsetzte. In einem Neubaugebiet entstand ein außergewöhnliches Ensemble von drei zwei- und dreigeschossigen holzverkleideten Gebäuden, das im Sommer 2020 fertiggestellt und bezogen wurde. In 26 Wohnungen wohnen seither Singles, Paare, Alleinerziehende und Familien – Junge und Ältere. Entsprechend dem Genossenschaftskonzept sind alle Wohnungen gleich hochwertig ausgestattet, zudem wird auf möglichst kostengünstiges Bauen gesetzt. Denn das genossenschaftliche Konzept erlaubt ein lebenslanges Wohnen zum möglichst günstigen Mietpreis. Zudem sind mehr als die Hälfte der Wohnungen EOF-gefördert (einkommensorientierte Förderung) und somit einkommensschwachen Bewohner*innen vorbehalten. In Buch am Erlbach profitiert die Gemeinde von dem genossenschaftlichen Ansatz und kann so ein gut durchmischtes Viertel schaffen, ohne das Projekt selbst umsetzen zu müssen. Außerdem werden bei der Vergabe der Wohnungen ortsansässige Bewerber*innen gegenüber Auswärtigen bevorzugt.

Lebendige Hausgemeinschaft

Besonders wichtig ist es der Genossenschaft, dass sich in den Projekten eine echte lebendige Hausgemeinschaft zusammenfindet. Die Bewohner*innen sollten echtes Interesse an einem generationsübergreifenden Miteinander mitbringen und bereit sein, sich solidarisch für die Gemeinschaft einzusetzen. Das Genossenschaftskonzept sieht vor, dass die Hausgemeinschaft aktiv zusammenwirkt und das Projekt selbst bewirtschaftet.

Baulich wurde diesen Gedanken mit einem großzügigen Innenhof Rechnung getragen – zusätzlich zum Gemeinschaftsraum, der in allen Projekten der Genossenschaft obligatorisch ist. Der Platz mit dem „MAROnen-Baum“in der Mitte schafft Verbindung zwischen den drei Gebäuden und zur Nachbarschaft. Hier ist Platz für spontane Begegnungen und Veranstaltungen aller Art.

Carsharing

Auch bei der Mobilität setzt die Genossenschaft auf neue Wege. Da Tiefgaragen (TG) in der Herstellung sehr teuer sind und eine schlechte Ökobilanz aufweisen, ist der Anteil an TG-Stellplätzen so gering wie möglich. Nur 15 TG-Stellplätze wurden geschaffen, weitere 12 Stellplätze im Außenbereich. Damit die Mobilität und Flexibilität der Bewohner*innen dennoch nicht eingeschränkt ist, enthält das Mobilitätskonzept auch einen öffentlichen Carsharing-Standort.

Baudaten

BauherrMARO Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen eG, 82441 Ohlstadt, www.maro-genossenschaft.de
EinzugMai 2020
Grundstücksgrößeca. 3.130 Quadratmeter
Wohnungen26 von 35 bis 117 qm, davon 16 öffentlich gefördert / jede Wohnung mit Balkon oder Terrasse
Anzahl der Bewohner*innen55
Altersstruktur1 bis 76 Jahre, etwa je ein Drittel Familien, Paare, Alleinstehende
KonzeptGemeinschaftsraum, gemeinsamer Garten, Innenhof mit Spielbereich für Kinder

Bauteile/-elemente

BauweiseZiegelbauweise, Decken Stahlbeton
FassadeMassivholzschalung Lärche
DämmungHolzfaser
FensterMassivholz mit Fensterfalzlüfter
WärmeerzeugungPelletheizung mit Schichtspeicher
BodenbelagEiche Industrieparkett geölt

Zusammengestellt aus Projektinformationen der MARO Genossenschaft 

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  1. Genossenschaftlich zu Bauen, ist auf jeden Fall ein sehr guter Ansatz für die Zukunft. Ich sehe bei diesem Projekt zum einen Schwachstellen in der Bauweise. Mit Holz und Naturbaustoffen wie Stroh und Lehm zu Bauen halte ich für nachhaltiger.
    Im Energiekonzept vermisse ich eine Ergänzung zur Holz Verbrennung. Hier könnte Solarthermie gut integriert werden, so muss die Pellet Anlage gerade im Sommer nicht den kostbaren Rohstoffe Holz verbrauchen.

    • Vielen Dank für diese wertvollen Hinweise!
      Tatsächlich wurde dieses Projekt nicht nach streng baubiologischen Kriterien realisiert.
      Wir fanden aber einige Aspekte, vor allem den genossenschaftlichen Ansatz, dennoch gut gelungen und haben das Projekt deshalb unter dem Thema Gemeinschaftliches Wohnen (also nicht z.B. unter dem Thema “Baustoffe + Bauphysik” oder “Energie + Haustechnik”) vorgestellt.

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