Zum fünfjährigen Jubiläum stellten wir VIAL-Präsident Stefan Kessler einige Fragen:

Herr Kessler, was hat Sie zur Gründung des „Vereins Integrale Architektur und Lebensraumentwicklung“ motiviert?

Als Mitherausgeber der Zeitschrift „Raum & Mensch“ befasse ich mich seit vielen Jahren mit der integralen Philosophie. Nachdem ich 2010 vergeblich einen Architekten gesucht hatte, der einen Artikel über “integrale Architektur” schreiben könnte, startete ich selbst eine Initiative zu diesem Thema. Architektur geht uns alle an, da sie uns ständig umgibt – ob Zuhause oder am Arbeitsplatz, in der Schule oder der Freizeit. Daher fanden sich schnell Interessierte, die mit mir den ganzheitlichen Ansatz auf die Architektur und Lebensraumentwicklung übertragen wollten. Nach einigen erfolgreichen Workshops gründeten wir dann Ende 2014 unseren Verein.

Was versprechen Sie sich von dem integralen Ansatz? 

kessler
VIAL-Präsident Stefan Kessler

In unserer modernen Zeit wurden menschliche Grundbedürfnisse lange den wirtschaftlichen Forderungen untergeordnet. Nun hat ein gesellschaftlicher und politischer, ein ökonomischer und ökologischer Wandel begonnen, was auch dringend notwendig ist. Unser Anliegen ist es, diesen Wandel auch in der Architektur zu erreichen: von der fortschreitenden Spezialisierung im Bauwesen hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung, zu mehr Sinnhaftigkeit.

Wie können Bauwillige oder Planer davon profitieren?

Auf vielerlei Ebenen – denn der Ort, an dem wir uns aufhalten, prägt unser Dasein. Integrales Bauen beachtet interdisziplinär möglichst vielfältige Aspekte, es setzt sich für ein glückliches, gesundes Leben und Arbeiten im Einklang mit unserer Umwelt ein und schont die natürlichen Ressourcen. Das gilt für einzelne Gebäude ebenso wie für Gärten, Firmenkomplexe oder ganze Stadtteile.Integrales Bauen muss im Übrigen nicht zwangsläufig teuer sein.

Wer kann im VIAL Mitglied werden?

Wir sind offen für alle, die sich für unser Thema interessieren: Laien wie Experten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum sind willkommen. UnserZiel ist es, eine starke Vision von der Zukunft zu entwickeln – und das gelingt im Gespräch, im Austausch, besonders gut.

Was wünschen Sie sich für die nächsten fünf Jahre?

Ich wünsche mir, dass mehr Bauten inter- und auch transdisziplinär realisiert werden, dass sie aus verschiedenen Blickwinkeln entwickelt werden und nicht nur eindimensional, etwa aus der ökonomischen Perspektive. Schulräume sollten so gestaltet werden, dass sie ein ideales Lernklima schaffen, Spitäler den Genesungsprozess unterstützen und Bürobauten wie Wohnräume eine Wohlfühlatmosphäre bieten. Städte könnten viel mehr mit Grünflachen und Bäumen gestaltet werden. Zudem: Wohnen ist ein Menschenrecht. Deshalb sollte auch genügend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehen, vor allem in den Städten. 

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