Während sich baubiologische Maßnahmen in Neubauten längst etabliert haben, besteht bei Bestandsimmobilien und Mietobjekten meist Nachholbedarf. Dabei können sie maßgeblich dazu beitragen, dass das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden steigt. Denn im schlimmsten Fall können Störfaktoren einzeln oder in Kombination sogar zu gesundheitlichen Einschränkungen bis hin zu Hautekzemen, Infektionen, Kopfschmerzen und Depressionen führen. Mit nachfolgenden Tipps können Mieter die Wohngesundheit in ihrem Zuhause spürbar steigern. Eine baubiologische Analyse durch ausgebildeten Baubiolog*innen hilft darüber hinaus, Störfaktoren zu identifizieren und durch geeignete Gegenmaßnahmen schnell zu beseitigen.

Tipp 1: Regelmäßig lüften

Ein häufig auftretendes Problemin modernen oder modernisierten Gebäudenist eine zu hohe Luftfeuchte und ein fehlender Luftaustausch in den Räumen. Idealerweise beträgt die Raumtemperatur im Wohnbereich zwischen 20 und 23 Grad – die relative Luftfeuchte sollte zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Regelmäßiges Lüften senkt die Luftfeuchte und sorgt für einen natürlichen Luftaustausch. Mieter sind übrigens dazu verpflichtet, durch regelmäiges Lüften und gewissenhaftes Heizen Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung zu vermeiden. Verletzen Mieter ihre Sorgfalts- und Obhutspflicht durch ungenügendes Lüften oder Heizen, kann das im Einzelfall sogar als Kündigungsgrund ausreichen.

Tipp 2: Feinstaub aus der Raumluft reduzieren

In Wohnräumen kann zu viel Feinstaub den Körper belasten – Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, Depressionen, Migräne, Lungenkrebs und Diabetes können schwere Folgen einer Feinstaubbelastung sein. Daher ist es ratsam, Staubsauger mit sogenannten HEPA-Filtern zu verwenden. Sie wirbeln die angesaugte Luft nicht nur auf, sondern reinigen sie auch vom Feinstaub. Daher sind diese Sauger besonders für Hausstauballergiker geeignet. Oberflächen und vor allem Heizkörper sollten regelmäßig mit feuchten Tüchern von Staub befreit werden. Auf stark stauberzeugende Materialien wie z.B. fuselnde Teppiche sollte verzichtet werden. Ein Luftreiniger mit HEPA- oder Aktivkohlefilter in Wohn- und Schlafräumen befreit die Luft zusätzlich von Feinstaub und sorgt für ein sauberes Raumklima, ist allerdings i.d.R. nur für Menschen mit Allergien oder anderen Atemwegserkrankungen sinnvoll.

Tipp 3: Schimmel vorbeugen

Schimmel in der Wohnung und an den Wänden ist nicht nur ein optisches Problem, sondern kann auch die Gesundheit belasten. Baubiolog*innen können Schimmel schon nachweisen, bevor er überhaupt sichtbar wird – ein deutlicher Zeitvorteil. Wenn der Schimmel durch äußere Einflüsse – wie zum Beispiel bauliche Mängel – entstanden ist, sind Vermieter dazu verpflichtet, den Schimmel zu beseitigen. Sie müssen dann auch die Kosten für die Beseitigung tragen. Mieter können Schimmel von innen auch mit der Verwendung von schimmelhemmenden Wandfarben auf Kalk- oder Silikatbasis vorbeugen. Wandbeschichtungen aus natürlichen Materialien wie Kalk und Lehm wirken feuchtigkeitsregulierend, indem sie Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und bei trockener Luft wieder abgeben. Heutzutage gibt es bereits einige Hersteller, die moderne und schöne Farben auf Basis natürlicher Rohstoffe herstellen, sodass keine Kompromisse zwischen Gesundheit und Design eingegangen werden müssen. Um Schimmelbefall zusätzlich vorzubeugen, sollten feuchte Räume wie das Badezimmer oder die Küche gut gelüftet werden, denn durch Duschen, Baden und Kochen entsteht in der Regel die meisteFeuchtigkeit.

Tipp 4: Elektrosmog minimieren

Elektrosmog wird zu einem immer größeren Problem, denn die Anzahl an Elektrogeräten und funkbasierten Anwendungen nimmt exponentiell zu. Um den Elektrosmog zu reduzieren, können technische Geräte bei Nichtgebrauch automatisch abgeschaltet und/oder durch strahlungsärmere Modelle ersetzt werden. Abgeschirmte Leitungen, Kabel, Lampen und PC-Anschlüsse können zudem elektrische Felder gezielt reduzieren. Was vielfach auch schon helfen kann, ist eine neue Ausrichtung einiger Möbel, wenn etwa in einem Teil des Raumes die Strahlenbelastung besonders hoch ist. Besonders wichtig ist der Schlafplatz.

Tipp 5: Auf schadstofffreie Materialien achten

Viele Möbelstücke, vor allem, wenn sie neu angeschafft wurden, dünsten noch lange gesundheitsschädliche Stoffe aus. Am besten wird schon vor dem Kauf auf schadstofffreie Materialien bei Bett, Schrank, Sofa und Co. geachtet. Generell gilt bei der Einrichtung, dass natürliche Materialien synthetischen Stoffen vorzuziehen sind. Auch der Bodenbelag hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wohngesundheit. PVC enthält beispielsweise gesundheitsschädliche Weichmacher und viele vor allem kostengünstige Teppiche können mit einer Schadstoffbelastung zum Problem werden. Schöne Teppiche gibt es heutzutage auch aus Naturfasern wie Baumwolle, Bambus, Mais und Hanf. 

Autor
Christian Schaar erlangte seine Kenntnisse durch Mitarbeit in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros, dessen Schwerpunkt ebenfalls der ökologische Holzbau ist, beschäftigt er sich bei Neubauprojekten und Sanierungen regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen.

Literaturtipps

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