Immer häufiger kommt es zu Lieferschwierigkeiten und/oder ungewohnt hohen Preisen mit Holz und Holzwerkstoffen. Der nachhaltige und in der Baubiologie beliebte Baustoff scheint knapp geworden zu sein.

Die Ursachen dieser Entwicklung sind komplex und global. Eine einfache Antwort gibt es nicht. Hier eine kurze Zusammenstellung der Situation: 

  • Die vermutlich mit dem Klimawandel erklärbare ungewöhnliche Trockenheit in Kanada, einem der wichtigsten Holzlieferanten für den nordamerikanischen Markt, führte wegen des sich ausbreitenden Bergkieferkäfers zu einer Zerstörung von 180.000 Quadratkilometer Wald. Das entspricht der halben Fläche Deutschlands. Auch in Europa und Russland kommt es durch Trockenheit und in der Folge dem Befall von Holzschädlingen wie dem Borkenkäfer sowie Feuer zu Zerstörung von Wald. 
  • Die letzte US-Regierung unter Präsident Trump führte 2017 einen Strafzoll von 20 % auf kanadische Weichholzimporte ein.
  • Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie befürchteten kanadische Sägewerke eine erheblich geringere Nachfrage aus den USA und stellten zum Teil ihren Betrieb ein. Eingetreten ist allerdings das Gegenteil: Amerikaner*innen hatten in der Pandemie Zeit zum Sanieren und Bauen; die Nachfrage nach Holz stieg deshalb sogar. Sägewerke in Kanada öffneten wieder, hatten aber große Probleme mit Corona-Infektionen in ihrer Belegschaft oder ehemalige Mitarbeiter*innen hatten sich zwischenzeitlich andere Jobs gesucht. Sie mussten deshalb z.T. zwangsweise vorübergehend wieder schließen oder ihre Kapazitäten herunterfahren. Ein ewiges Hin und Her.
  • Die unsicheren Lieferungen aus Kanada, der fehlende Nachschub aus kanadischen Wäldern sowie die Strafzölle ließen die Preise für Bauholz explodieren.
  • US-Firmen orientierten sich nach Europa und kauften – insbesondere in Deutschland – Bauholz in erheblichen Mengen ein. Alleine im ersten Halbjahr 2020 stieg der deutsche Holzexport in die USA um 55,4 %. Im Jahresdurchschnitt 2020 lieferten deutsche Sägewerke bzw. Händler 40 % mehr Holz in die USA. Amerikanische Abnehmer zahlten für deutsches und österreichisches Holz zudem bis zu 300 % mehr als europäische Kunden.
  • Russland erließ einen Exportstopp für „Rundholz“, um durch die eigene Herstellung von Schnittholz mehr Wertschöpfung im eigenen Land zu generieren. Ein weiterer globaler Player und Großkunde für russisches Holz wich ebenfalls nach Deutschland aus: China. Die Chinesen kauften große Mengen an Holz, insbesondere auch das sog. Käferholz (Borkenkäfer), das sich im nicht sichtbaren Bereich durchaus als Bauholz eignet.
  • Auch in Europa, und insbesondere in Deutschland, ist die Nachfrage nach Holz stark gestiegen. Während des Lockdowns ging die inländische Nachfrage nach Terrassen- und Gartenholz durch die Decke. Und auch die Fertigbauquote, also der Anteil von Holzbauten unter den Neubauten von Ein- und Zweifamilienhäusern steigt stetig. Waren 2018 noch 19,6 % der privaten Neubauten aus Holz, so betrug der Anteil im Jahr 2020 bereits 22,5%. Wenn man bedenkt, dass die Quote im Jahre 2000 bei 13,5 % lag, kann eine deutlich wachsende Bedeutung des Holzbaus konstatiert werden.
  • Dass durch die geschilderten Ereignisse eine vorübergehende Verknappung und enorme Preissteigerung auf dem Markt für Bauholz eingetreten ist, ist aus ökonomischer Sicht nicht überraschend.
  • Deutsche Sägewerke verarbeiteten 2020 rund 25,2 Mio. Kubikmeter Nadelschnittholz. Der heimische Bedarf lag bei etwa 21 Mio. Kubikmeter. Aus der heimischen Forstwirtschaft sind Stimmen zu vernehmen, dass die Holzernte ohne Probleme wesentlich erweitert werden könne. Waldbesitzer seien aber zurückhaltend, da sie von den aktuellen Preissteigerungen am wenigsten profitierten. Sie wünschten sich einen deutlich höheren Kubikmeter-Preis für ihr geerntetes Holz und sehen die großen Profite ungleich verteilt: Sägewerke und Exporteure würden den großen Reibach machen.
  • Viele Baufachleute rechneten bisher mit einer deutlichen Marktberuhigung in den kommenden Monaten. Hoffentlich ist da nicht der Wunsch Vater des Gedankens. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Lieferengpässe und Preissteigerungen auch 2022 noch anhielten.

Kommentar des IBN

Die beschriebene Situation ist bedauerlich. Schließlich gehört Holz zu den nachhaltigsten Baustoffen überhaupt, auch weil es klimaschädliches CO2 bindet. Deshalb ist es wichtig, dass mehr statt weniger Holz verbaut wird.

Bauherren sollten wissen, dass sich der Holzpreis selbst bei einem Holzhaus nur geringfügig auf die Gesamtkosten auswirkt, die sich aus vielen Kosten z.B. auch für das Grundstück, Planung, weitere Baustoffe, Ausführung und Erschließung zusammensetzen. Viele Betriebe haben zudem langfristige Lieferverträge und gute Beziehungen mit Holzlieferanten und erhalten Holz nach wie vor zu moderaten Preisen. Zudem sind auch Preise für viele andere Baustoffe stark gestiegen.

Wir gehen davon aus, dass sich die Marktsituation wieder beruhigt. Allerdings wird sich u.E. der Holzpreis nicht mehr auf „Vorkrisenniveau“ reduzieren. Holz war viele Jahre sehr preiswert und besonders für Waldbesitzer ruinös. Vor diesem Hintergrund kann man die jetzige Situation auch als Marktbereinigung sehen.

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