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Bei diesem öko-sozialen Projekt werden Dämmplatten aus Napiergras hergestellt. Hierbei geht es nicht nur um einen zukunftsorientierten Dämmstoff, sondern auch um berufliche Perspektiven für junge Gambianer im eigenen Land.

In den ersten Tagen des Jahres 2018 erhielten wir ein kleines Paket per Post. Ohne eine Ahnung zu haben, was der Inhalt sein könnte, öffneten wir dieses und hielten ein Stück „Dämmplatte“ in unseren Händen, das an eine Schilfrohrmatte erinnerte. Doch die Zusammensetzung war eine ganz andere und ließ uns staunen. Obgleich es sich ebenfalls um ein hochwachsendes Gras handelt, konnten wir sofort erkennen, dass es sehr viel filigraner war als das uns bekannte Schilfrohr und somit als gebundene Matte eine andere Konsistenz aufweist. Als nächstes untersuchten wir die Art der Bindung genauer, die nicht aus Edelstahldraht bestand, sondern aus einer Jute-Schnur, was uns begeisterte. Somit ist diese Dämmplatte vollständig recyclebar. Erst in den Beipackzetteln erfuhren wir, um was für ein Gras es sich handelte und dass ein öko-soziales Projekt dahintersteckt, in dem Jugendlichen in Gambia eine berufliche Perspektive erschlossen wird.

Ein Abfallprodukt aus der Landwirtschaft

Bei dem verwendeten Rohstoff handelt es sich um Napiergras, was dem Elefantengras ähnlich ist und wild auf den Äckern der Bauern in Gambia wächst. Während der Erdnussernte wird dieses Gras herausgerissen und verrottet am Wegesrand. Im Rahmen einer Studienreise kam dem Unternehmer i.R. und Maschinenbauingenieur Karl Schock die Idee einer Veredelung dieses biogenen Abfalls. Zudem wollte der Unternehmer, der sich bereits seit Jahrzehnten in der afrikanischen Entwicklungshilfe engagiert, Arbeitsplätze schaffen.

Die Idee zur Herstellung von Wärmedämmplatten in verschiedenen Stärken wurde geboren (50, 75, 100 und 130 mm). Es folgte eine Entwicklungsphase und erste Versuche zur Herstellung, insbesondere zur Bindekonstruktion. Hier zahlte sich der Lehrberuf des Ingenieurs als Werkzeugmacher aus. Produziert wird mit viel Arbeitskraft von Menschen, die gemeinsam in einer Manufaktur arbeiten. Die Herstellung erfolgt vom Sammeln bis zur Verpackung komplett in Gambia als eigenständiges Unternehmen in gambischer Verantwortung. Für den Vertrieb in Deutschland wurde das Vertriebsunternehmen „Isocalm“ in Schondorf gegründet.

(1) Der Eselkarren wird zum Abtransport des Napiergrases von dem Feld beladen.
(2) Manufaktur in Gambia
(3) Das Absteppen der Dämmplatte in der Manufaktur
(4) Diese Abbildung zeigt die mechanischen Produktionsmaschinen, die keine Hilfsenergie benötigen. Nach dem Vernähen werden die Dämmplatten in verschiedenen Größen eingeordnet

Fazit

Ich persönlich bewundere an Herrn Schock, dass er trotz seines Alters noch etwas Neues und Zukunftsweisendes initiieren will. Sein Projekt finde ich sehr wichtig und ich sehe ihn ganz klar als ein gutes Vorbild für die Jugend. Der Baustoff ist ein vielversprechendes Produkt und den Produktionsort wie auch die Art und Weise der Herstellung empfinde ich sehr schön und hoffe deshalb, dass sich dieses Projekt weiter so gut entwickelt.

Die Chance für die Jugendlichen in Gambia, eine Arbeits- und somit Ernährungsperspektive zu erhalten, ist schlicht nichts anderes als ein Menschenrecht. Außerdem ist es sehr sinnvoll, aus einem landwirtschaftlichen Abfallprodukt so etwas herzustellen, da es sonst nur verbrannt werden würde. Wenn mehr Menschen in solchen Ländern Arbeit finden würden, müssten viele Menschen auch nicht flüchten. Wir hätten früher mit solchen Projekten anfangen sollen, dann wäre es vielleicht gar nicht zu der heutigen Flüchtlingskrise gekommen.

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Workshop
Aktuell ist es für die Firma Isocalm am wichtigsten, ein Vertriebsnetz im deutschsprachigen Raum aufzubauen. Dazu laden sie auch gerne zu Workshops auch auf Baustellen ein. Wir waren auch auf einem dieser Workshop in einem Altbau, der modernisiert wird. Es waren Architekten, Lehmbauer und Baustoffhändler anwesend.

Mein Fazit dieses Workshops ist, dass der Tag sehr produktiv war und uns allen weitergeholfen hat, nicht nur einen neuen Baustoff mit öko-sozialem Hintergrund kennenzulernen, sondern ihn auch zu verarbeiten und die besonderen Eigenschaften eigenhändig wahrzunehmen, die da sind: Im Gegensatz zu der herkömmlichen Schilfrohr-Dämmplatte wird die Isocalm-Dämmplatte nicht von Draht zusammengehalten, sondern von einer gewobenen Juteschnur. Auch auffällig war, dass wir die Isocalm-Dämmplatte sehr gut zuschneiden konnten, so z.B für Dachschrägen.

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