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Baubiologische Beratungsstelle IBN:
Ralf Borrmann, HBH Baubiologie GmbH
Pfinztalstraße 79, 76227 Karlsruhe
Tel. 0721-9416146, info@hbh-baubiologie.de
hbh-baubiologie.de

Ralf Borrmann hat Erfahrungen als Bauhandwerker, ein Herz für Denkmale und ist Experte für Feuchte- und Schimmelschäden. Mit seinem Schimmelspürhund Lotte findet er auch unsichtbaren Befall sicher.

Herr Borrmann, wann und warum wurden Sie Baubiologe?

Seit meiner Lehre bin ich dem Handwerk verbunden. 1989 habe ich im Maurerhandwerk die Meisterprüfung abgelegt. Danach konnte ich als Bauleiter mit Betonfertigteilen für Wohn- und Industriebauten arbeiten. Das war ganz gut, um Erfahrungen zu sammeln. Mein Leben lang wollte ich das aber nicht machen. So kam ich zur Sanierung von Gebäuden – teilweise historische, denkmalgeschützte Häuser. Das ist genau meins: aus der alten Schale etwas Neues schaffen.

Bewohnen Sie auch selbst einen Altbau?

Unser Büro in der Altstadt von Durlach ist das ehemalige kaiserliche Postamt, ein Gebäude Baujahr 1890. Unsere 118 Jahre alte Eiche im Hof ist einst von einem Postlehrling gepflanzt worden. Der Baumstamm hat heute einen gewaltigen Umfang von 3,30 m. Das Kultur-Denkmal wurde 1997 von uns saniert. Als in der Nachbarschaft ein Funktions-Gebäude Baujahr 1900 frei wurde, entschieden wir uns 2003, es als privates Wohnhaus zu nutzen. Im Erdgeschoss ist es aus Ziegelmauerwerk, darüber ein Fachwerk, mit leicht geneigtem Dach. Damals habe ich die ersten Vorstöße in Richtung Baubiologie gemacht. Ich habe nicht gewusst, worauf ich mich da alles einlasse (lacht). Damals habe ich auch einen Bauern kennen gelernt, der ganz in der Nähe Hanf angebaut hat. Ebenfalls in der Nähe ist der Hanf zu Dämmmaterial verarbeitet worden. Und so habe ich die Gebäudehülle komplett mit Hanf gedämmt, der angenehm zu verarbeiten ist, im Gegensatz zu Mineralfaserplatten. Die Fassade ist mit Lärchenholz ohne jegliche Behandlung verschalt. Heute ist sie schön ergraut. Das Gebäude wird mit Holzpellets beheizt.

Wie sind sie in diesem Rahmen auf die Baubiologie gestoßen?

Im Internet bin ich auf das IBN und den Fernlehrgang gestoßen. Die Unterlagen habe ich sukzessive durchgearbeitet und dann nach etwas längerer Zeit auch die Prüfung gemacht – das war 2015. 2016 habe ich eine Baubiologische Beratungsstelle IBN eröffnet.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit dem IBN?

Die Treffen mit den anderen Beratungsstellen sind eine große Bereicherung. Oft gibt es dort neue Erkenntnisse. Besonders toll finde ich, dass ich als Beratungsstelle online Zugang habe zu den Schulungsunterlagen. Da kann ich mir immer wieder wertvolle Informationen rausziehen.

Gibt es für Sie weitere wichtige Kooperationspartner?

Ja, und zwar arbeite ich mit dem Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB, mit dem GIH – dem Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker Bundesverband – und dem BSS – Bundesverband Schimmelpilzsanierung – eng zusammen.

Wie bilden Sie sich weiter?

Ich habe 2000 die Weiterbildung zum Gebäudeenergieberater Handwerkskammer gemacht und bin mittlerweile auch für denkmalgeschützte Gebäude zugelassen. Zudem besuche ich viele Fortbildungsveranstaltungen im Bereich Mikrobiologie und Schimmelpilz-Sanierungstechnik, Feuchtemess- und Sanierungstechnik, baubiologische und ökologische Bau- und Sanierungstechnik.

Was für Projekte bearbeiten Sie heute?

Wir haben drei Standbeine. Das ist einmal die sachverständige Tätigkeit für Feuchte- und Schimmelschäden. Als Sachverständiger mache ich Sanierungsvorschläge für Projekte aller Größenordnungen. Dann die baubiologische/energetische Begleitung von Sanierungen. Zudem haben wir einen Mietpark für Trocknungs- und Luftreinigungsgeräte. Erst vor kurzem haben wir alle Trocknungsgeräte auf moderne Geräte umgestellt. Die Geräte von Corroventa benötigen zum einen weniger Energie, sind leiser und können vor allem online gesteuert werden, so dass man den Trocknungserfolg ohne Baubegehungen überwachen kann.

Trocknen Sie auch Lehmbaustellen?

Ich habe die Geräte schon auf einer Lehmbaustelle einsetzen müssen, weil es dort oberflächlichen Schimmelpilzbefall gegeben hatte.

Auf Ihrer Internetseite werben Sie auch mit dem Schimmelpilzspürhund Lotte. Wie oft kommt er zum Einsatz?

Lotte hat im Monat drei bis vier Sucheinsätze.

Ralf Borrmann und Lotte

Gibt es Schimmelpilzspürhunde häufig?

In der Nähe gibt es noch die Schimmelpilzspürhündin Naila, mit der wir kooperieren. Lotte ist für uns ein tolles Aushängeschild. Mich kennen nicht so viele, sie schon.

Wie ist sie ausgebildet worden?

Lotte wurde von dem Hundetrainer Kai Müller ausgebildet, der auch für die Polizei Sprengstoff- und Drogensuchhunde trainiert. Wir haben mit dem Programm begonnen, als sie zehn Wochen alt war. Das war ein richtiger Stundenplan, über das Futter suchen bis zum Lokalisieren von Geruchsstoffen, die ein Schimmelpilz beim Wachstum abgibt.

Wie lange dauert so eine Ausbildung?

Wir haben uns im ersten halben Jahr ein bis zweimal in der Woche mit Kai Müller getroffen. Danach hat er einmal im Monat die Fortschritte überprüft. Nach einem knappen Jahr gab es eine Prüfung. Lotte ist ein Labradoodle.

Wonach haben Sie die Rasse ausgesucht?

Uns war wichtig, dass es ein toller Familienhund ist, der auch ausgebildet werden kann. Sie ist eine Mischung aus Labrador und Großpudel. Der Pudel ist ein sehr gelehriger Hund, der Labrador ein guter Familienhund.

Was war ein interessantes Projekt mit Lotte?

Interessant war erst vor kurzem der Einsatz in einem Kindergarten. Nach der Sanierung eines Wasserschadens sollten die Räume wieder bezogen werden. Die Kindergartenleitung wollte eine abschließende Untersuchung, und der Sachverständige hatte Lotte ins Spiel gebracht. Bei der Begehung hat Lotte an zwei Stellen angeschlagen. Daraufhin haben wir die Bauteile geöffnet, und beim Estrich kam uns ein muffiger Geruch entgegen. Die Mineralfaser war verschimmelt, eine Trockenbauwand war rückseitig tief schwarz. 80 Prozent der von Schimmelpilz befallenen Flächen liegen im Verborgenen. Genau da ist der richtige Einsatzbereich für unsere Lotte.

Gab es Anzeichen für einen Befall? Oder hat die Leitung auf Verdacht gehandelt?

Die Bauleitung vor Ort war überzeugt, dass alles in Ordnung ist. Auch die Versicherung, die aus Interesse bei der Begehung mit dabei war, war überzeugt, dass weder eine Begehung mit dem Schimmelpilzspürhund, noch eine Freimessung erforderlich waren. Dabei gehört eine Freimessung zu einer fachgerechten Sanierungskontrolle. Nach dem im Dezember 2017 veröffentlichten Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts entspricht die Untersuchung mit dem Schimmelpilzsuchhund dem Stand von Wissenschaft und Technik.

In der Regel ist der Schaden nicht so deutlich sichtbar, wie in der Kita; deshalb ist es immer sinnvoll, den Befall von einem geeigneten Labor bestätigen zu lassen.

Sie sagen „Untersuchungen mit dem Schimmelpilzsuchhund entsprechen dem Stand von Wissenschaft und Technik.“ Hat sich das in den letzten Jahren verändert?

Schimmelpilzspürhunde wurden immer kritisch gesehen. Es ist wichtig, dass Hund und Hundeführer gut ausgebildet sind und dass der Hund ständig im Training ist. Ich bin immer wieder begeistert, mit welcher Sicherheit Lotte anzeigt.

Toleriert sie kleine Schäden wie eine verschimmelte Silikonfuge?

Es ist die Aufgabe des Hundeführers, das genau zu beobachten. Sie hat auch schon einmal an einer Silikon-Fuge angezeigt, und beim Öffnen der Badewannenverkleidung hat sich das Problem darunter gezeigt. Sie hat also weniger die Fuge, sondern den Befall unter der Badewanne angezeigt.

Vielen Dank für das Interview!

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