Thomas, wann und warum wurdest du Baubiologe IBN?

Ich habe mich schon immer für nachhaltige und ökologische Bauweisen interessiert. Den Fernlehrgang zum Baubiologen IBN habe ich 2018 begonnen und abgeschlossen. Am interessantesten fand ich alles rund um das Thema Schadstoffe. 

Ich hatte zuvor schon einen Sanierungsbetrieb. Da bin ich immer wieder auf Schimmelpilze gestoßen. Ich habe damals unterschiedliche Fachseminare besucht und wurde später durch die DEKRA als Schimmel-Sachverständiger zertifiziert. Im Anschluss habe ich gezielt einen Fernlehrgang zur Baubiologie gesucht.

Warum hast du das Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN als Ausbilder gewählt?

Während meiner Sanierungsarbeiten bin ich einigen Baubiolog*innen begegnet. Die waren immer sehr kompetent. Und als ich im Netz recherchiert habe, war das IBN am fundiertesten.

Was sind deine häufigsten Arbeiten?

Bei mir geht es immer um Schimmelpilze, Feuchtigkeits- oder Wasserschäden. Ich untersuche die Ursachen und erstelle Gutachten für Gerichte, Anwälte und natürlich auch für Privatpersonen, Kindergärten, Schulen oder Firmen.

Auf der anderen Seite sanierst du Schäden auch selbst …

… genau, Keller dichte ich selbst ab. Sonst mache ich keine Schadenssanierungen mehr. Ich empfehle verschiedene Firmen, die ich persönlich ausgebildet habe und regelmäßig weiterbilde. Die machen perfekte Feinreinigungen, die sogar das Fachlabor lobt.

Wie häufig wirst du zu Kellerabdichtungen gerufen?

Ich habe jede Woche mehrere Ersttermine zu feuchten Kellern oder Wasserschäden. Oft braucht man noch einen zweiten Termin für technische Untersuchungen.

Sind Gutachten und Sanierungen getrennt?

Die sind ganz streng getrennt. Ich komme zum Begutachten und zeige in meinem Bericht die Ursachen und die Sanierungsmöglichkeiten auf. Mit meinem Sanierungsplan können die Kunden dann zu jeder Firma gehen. In 90 % der Fälle bekommen wir den Auftrag, weil sie Vertrauen in uns gewonnen haben. Es sei denn, sie haben das Haus gerade erst gekauft und ich kann bestätigen, dass die Durchfeuchtungen schon älter sind als der Kauf. Dann kann ich ihnen auch einen Anwalt empfehlen, der sich um etwaige Ansprüche gegen den Verkäufer oder auch Rückabwicklung kümmert.

Wie stellst du den Zeitverlauf eines Schadens fest?

Ich setze verschiedene Messtechnik-Verfahren ein. Mit Forensik-Lampen etwa kann ich auch verdeckte Schäden unter Putzen, Tapeten oder Anstrichen sichtbar machen.

(1) Unter dem Licht der Forensik-Lampe zeigte sich, dass der Wasserschaden schon länger bestand und nur überstrichen worden war
(2) Eine Einhausung mit Unterdruckhaltung schützt bei einer Schimmelsanierung die Nutzer der übrigen Räume und die Sanierer
(3) Mit der Kugelkopfsonde lässt sich Oberflächenfeuchtigkeit nachweisen
(4) Feuchtemessung in Holz

Wie hilfst du deinen Kund*innen bei Auseinandersetzungen mit den ehemaligen Hausbesitzern oder mit Versicherungen?

Der häufigste Fall ist folgender: Ein normaler Eigentümer ruft mich an und sagt, er hat einen großen Wasserschaden. Vielleicht ist Fäkalwasser ausgetreten, es schimmelt und es stinkt. Dann fahre ich hin, mache eine Beweissicherung und erstelle einen Bericht. Ab einer bestimmten Höhe des Schadens sollte der Geschädigte bei der Versicherung nach einer/einem Sachverständigen fragen. Mit ihr oder ihm mache ich einen Termin und bespreche den Schaden. Denn oftmals werden Schäden von den Versicherungen kleingeredet, entweder aus Unwissenheit oder um Kosten zu sparen. Ich erkläre ihr/ihm anhand von Verordnungen und Leitfäden, wie der Schaden fachgerecht zu sanieren ist, damit am Ende ein hygienischer Zustand erreicht wird. Damit das nicht auf Kosten der Versicherungsnehmer geht, setze ich mich ein.

Wer zahlt deinen anfänglichen Einsatz?

Den zahlen zuerst einmal die Auftraggeber. Aus Kulanz übernimmt die Versicherung in manchen Fällen auch das. Bei manchen Versicherungen steht in der Police sogar ‚Gutachterkosten zur Schadensermittlung‘. Da falle ich dann rein. Das kläre ich direkt nach dem ersten Termin mit der Versicherung. Manchmal kann man solche Kosten auch als Regiekosten abrechnen.

Was sind Regiekosten?

Zum Beispiel Kosten für die allgemeine Abwicklung, Beauftragung und Kontrolle der handwerklichen Leistungen sowie Durchführung von Schadenverhütungsmaßnahmen.

Was war deine interessanteste Kellerabdichtung?

Die ganz interessanten sollen möglichst nur die Beteiligten mitkriegen (lacht). Wir haben historische Keller von 1700 wieder auf Vordermann gebracht. Die kriegt niemand ganz trocken, aber wir bekommen die so hin, dass sich keine Schimmelpilze mehr bilden und es keine unangenehmen Gerüche mehr gibt, dass man dort einfach wieder normal lagern kann. Dann habe ich die unterschiedlichsten Kindertagesstätten untersucht. Dieses Jahr mussten wir in einer auf zirka 500 Quadratmetern den Estrich zurückbauen. Bei einer anderen Kita aus den 1940er Jahren gab es Schimmelpilze im täglich genutzten Keller. Meine Raumluftmessungen bestätigten einen starken mikrobiellen Befall. Der Keller musste komplett geräumt werden. Es wurde dann während des Betriebs der ganze Fußbodenaufbau entnommen, um festzustellen, dass es gar keine Bodenplatte gibt. Im Anschluss musste der gesamten Keller um 70 Zentimeter ausgehoben und eine neue Betonplatte verbaut werden. Für die Kosten hätte man in bester Lage eine Einfamilienhaus bauen können.

Außensanierung:
(5) Keller und Erdgeschoss werden mit Hilfe einer neuen Sockelabdichtung entfeuchtet
(6) Unter dem Altputz zeigten sich großformatige Sandsteinblöcke, über denen Thomas Budde eine Horizontalsperre setzen ließ
(7) Nach dem Abdichten des Sockels schützt ein wasserabweisender Putz vor Schlagregen und Spritzwasser

Innensanierung:
(8) Keller mit Wasserschaden in der Raumecke
(9) Nach Freilegen der Wand zeigt sich der Feuchteeintritt in der Mörtelfuge bis zur horizontalen Sperrbahn
(10) Trocknung des eingetretenen Wassers
(11) Die zweilagige, mineralische Dichtungsschlämme geht über die Sperrbahn und den Rand des Estrichs
(12) Am Ende folgt das Sanierputzsystem und die Auffüllung des Estrich-Randstreifens

Was für Messgeräte verwendest du in feuchten Kellern?

Da gibt es ein festes Schema: Ich gehe mit offenen Augen und offener Nase in den Keller. Dann sehe oder rieche ich zuerst einmal Auffälligkeiten an den Bauteilen. Erst dann geht es mit oberflächlichen Orientierungsmessungen los. Mit einer Wärmebildkamera, die kalte Stellen zeigt, kann ich danach in die Tiefe gehen. Noch weiter in die Tiefe schaue ich mit einem Mikrowellenmessgerät. Das funktioniert auch bei versalzenem Mauerwerk. Das hat aber nicht jeder, weil es sehr teuer ist. Wenn ich dann Anhaltspunkte gefunden habe, bohre ich in unterschiedliche Tiefen und messe da noch einmal nach. Grundsätzlich benutze ich nie nur ein Messprinzip.

(13) Bei der Untersuchung eines Kriechkellers mit persönlicher Schutzausrüstung …
(14) … fand sich ein holzzerstörender Pilz an den Balken
(15) Im feuchten Keller wurde Holz gelagert, wodurch der ockerfarbene Sternsetenpilz, ein Holzzerstörer, beste Wachstumsbedingungen vorfand
(16) Der vom Hausverkäufer frisch sanierte Keller sah ordentlich aus, bis bei einem Starkregen Wasser aus dem Flansch der Gasuhr tropfte
(17) Mit Hilfe des biologisch abbaubaren Anfärbemittels Uranin (= fluoreszierender Farbstoff) lassen sich auch verdeckte Leckagen finden. Unter UV-Licht leuchtet es
(18) Mit einem Mikrowellen-Messgerät kann Baubiologe Paderborn Feuchtigkeit in unterschiedlichen Bauteiltiefen messen und ihre Quelle lokalisieren
(19) Eine Wärmebildkamera macht unterschiedliche Temperaturen sichtbar

Wie wichtig ist ein gutes Raumklima im Wohnraum?

Das werde ich oft gefragt. Für mich ist ein gutes Raumklima genauso wichtig, wie gesundes Essen oder sauberes Wasser. Und zum Raumklima gehören für mich weit mehr als Luftfeuchte, Temperatur und Beleuchtung.

Was machst du als Baubiologischer Schädlingsbekämpfer?

Wir sind ein Netzwerk von Baubiolog*innen in ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Gründerin Christine Ehm untersucht die Insekten und kann genau sagen, ob es ein Schädling oder ein Lästling ist und wie man sie auf natürliche Art und Weise loswird (Anmerkung der Redaktion: Siehe Beiträge von Christine Ehm hier im Baubiologie Magazin).

Auf deiner Internetseite empfiehlst du dich als Berater für baubiologische Baustoffe wie Strohbauplatten und Einblasstroh. Ist Stroh empfindlich gegenüber Schädlingen?

Ich finde Strohbaustoffe so toll. Sie sind sowieso da. Da möchte ich gerne Teil der Geschichte sein. Alles, was ich an Anfragen bekomme, gebe ich an den Hersteller Istraw weiter.

In qualifiziert hergestelltem und verbautem Stroh sind Schädlinge naturgemäß nicht anzufinden.

Was ist dein baubiologischer Traum?

Ich wünsche mir eine Welt ohne Kriege, weil ich in Zukunft keine Sanierungskonzepte für Bunker planen möchte. Ansonsten wünsche ich mir, dass mehr baubiologisch gebaut und saniert wird, dass auch städtische Fassaden begrünt werden und dass nicht immer nur nach dem gleichen Schema Betonklötze, die mit Polystyrol gedämmt sind, hingestellt werden. Es gibt so viele gute Alternativen – und Baubiolog*innen, die darauf brennen, die Verbraucher zu informieren.

Vielen Dank für das Interview.

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