Der Fachverband Strohballenbau (FASBA) ist ein gemeinnütziger Verein mit ca. 140 Mitgliedern und Sitz in Verden an der Aller. Er wird seit seiner Gründung im Jahr 2002 von einem ehrenamtlich tätigen Vorstand geleitet. Sein Ziel ist die deutschlandweite Förderung des Bauens mit Stroh. Er hat über die Jahre sehr viel Grundlagenarbeit geleistet und das Bauen mit Strohballen bis heute zur Anwendungsreife gebracht. Hier möchte ich nur die zwei wichtigsten Bereiche nennen: Die ETA (European Technical Assessment) und die Strohbaurichtlinie (SBR).

Im Jahr 2017 ging die bis dahin gültige Zulassung in die Europäische Technische Bewertung ETA-17/247 „Baustroh“ über. Das bedeutet, mit dieser ETA kann man europaweit bauen, solange es keinen Widerspruch zu nationalen Baugesetzen gibt. Dadurch sind strohgedämmte Gebäude heute so einfach genehmigungsfähig wie jedes andere Gebäude. Der Nennwert der Leitfähigkeit von Baustroh quer zur Halmrichtung beträgt laut ETA 0,048 W/(mK) bei einer Rohdichte von 100 ± 15 kg/m3. Das Brandverhalten entspricht der Klasse E, normalentflammbar, die Feuerwiderstandsklasse ist F30-B. 

Die Strohbaurichtlinie (SBR) aus dem Jahr 2014 dient allen am Bau Beteiligten als Regelwerk für die Qualitätssicherung und fachgerechte Ausführung der Strohbauweise. Sie wurde 2019 überarbeitet und neu aufgelegt.

Beide Regelwerke, die ETA sowie die SBR, können auf der Homepage des FASBA kostenfrei heruntergeladen werden. Durch sie sind die Planung und das Bauen eines Strohhauses in den letzten Jahren sehr viel einfacher geworden.

Neben den grundlegenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten ist vor allem aber auch die Qualifizierung von Planer*innen und Handwerker*innen notwendig geworden, um in Theorie und Praxis eine gute Umsetzung dieser Bauweise zu gewährleisten:

(1) Das 5-stöckige Kompetenzzentrum des Norddeutschen Zentrums für Nachhaltiges Bauen
(2) Nachträgliche Dämmung einer Außenwand mit Strohballen
(3) Verputzen der im Kurs angefertigten Strohmodule mit Lehm
(4) Aufspritzen von Lehmputz mit einer Mörtelpumpe
(5) Primärenergie von Dämmstoffen | Grafik: Dipl.-Ing. Dirk Scharmer, FASBA

Fachgerechte Strohbauplanung

Die Nachfrage nach Strohhäusern steigt stetig und mit ihr auch die Nachfrage nach entsprechend ausgebildeten Architekt*innen. Um diese Nachfrage zu stillen, bietet die Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung e.V. (BiWeNa) seit einigen Jahren das Kompaktseminar Fachgerechte Strohbauplanung unter der Leitung des Architekten Dirk Scharmer an. Er ist Mitbegründer des FASBA und ist seit 2002 ausschließlich in der Planung, Beratung, Begleitung von Strohballenbauvorhaben tätig.

fasba 1

Sehr kompakt werden tiefgreifend weiterführende Kenntnisse zur Architektur von strohgedämmten Häusern in der Theorie vermittelt:

  • Einführung
  • Grundlagen (Baustoffeigenschaften, Regeln (ETA, Leistungserklärung, …), System
  • Praxis (was ist zu beachten, Besonderheiten, HLSE, Befestigungen, Luft- und Winddichtigkeit)
  • Kosten im Strohbau
  • Baustroh und Strohbaurichtlinie (SBR)
  • Leistungsbeschreibung
  • Brand-, Wärme-, Schall- und Feuchteschutz
  • Planung: Bauteile und Anschlüsse
  • Details

Fachkraft Strohballenbau (FASBA)

Seit 2012 wird die deutschlandweit einmalige Weiterbildung zur „Fachkraft Strohballenbau (FASBA)“ angeboten. In ihr werden nicht nur die Faszination, sondern auch die grundlegenden Techniken des Bauens mit Strohballen vermittelt. In der Weiterbildung werden die verschiedenen Strohballenbauweisen bis hin zu den unterschiedlichsten Detaillösungen theoretisch und vor allem auch praktisch in einer Werkhalle vermittelt, so dass sich in der insgesamt 160-stündigen Weiterbildung Theorie und Praxis die Waage halten. Angeboten wird die Weiterbildung von der Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung e.V. (BiWeNa) in Kooperation mit den Fachverband Strohballenbau Deutschland e. V. (FASBA).

Inhalte und Ziele der Weiterbildung:

  • Einführung in den Strohballenbau
  • Grundlagen zum Bauen mit Stroh
  • Ständerbauweise: Stroheinbau vor Ort und in der Vorfertigung
  • Bauphysik & Nachhaltigkeit
  • Putze und Bekleidungen
  • Selbstständigkeit und Wirtschaftlichkeit im Strohbau
  • Außendämmung mit Strohballen
  • Lasttragende Strohballenbauweise

Warum das Bauen mit Strohballen zukunftsträchtig ist

  • Zuerst zeichnet Strohballenhäuser ihre Qualität für Nutzer aus: Ausgeglichenes Raumklima bei Lehminnenputz, Verwendung natürlicher Baustoffe (Holz, Stroh, Lehm) sowie auch ein subjektiver Wohlfühlfaktor.
  • Ca. 20 % des in der Landwirtschaft jährlich anfallenden Strohs werden nicht benötigt – genug für die Wärmedämmung von bis zu 350.000 Einfamilienhäusern.
  • Stroh ist besonders nachhaltig (jährlich nachwachsend) und regional verfügbar.
  • Es besteht keine Flächenkonkurrenz zum Anbau von Nahrungsmittelpflanzen.
  • Bioqualität ist möglich.
  • Die Herstellung ist einfach.
  • Bauen mit Stroh schützt das Klima dreifach:
    • durch CO2-Speicherung beim Wachstum,
    • mit minimalen CO2-Emissionen bei der Herstellung von Strohballen,
    • dank Vermeidung von CO2-Emissionen durch Wärmedämmung im Gebäudebetrieb.
  • Energieeffizienz bei Herstellung und Betrieb: Der Herstellungsaufwand eines konventionellen Massivbaus wird bei einem Strohbau erst nach Herstellung und 69 Jahre Betrieb erreicht.
  • Praktisch jeder Wärmedämmstandard kann erreicht werden, z.B. ein U-Wert von 0,144 W/m²K bei einer strohgedämmten Außenwand mit 36 cm Dämmstärke und 6 cm breiten Holzständern; Wärmeleitfähigkeit quer zur Haupthalmrichtung: 0,048 W/m²K.
  • Stroh speichert Wärme und bewirkt so einen guten sommerlichen Wärmeschutz.
  • Sehr gute Brandschutzeigenschaften: Eine 36 cm dicke strohgedämmte Wand mit mindestens 8 mm Putzschicht erreicht F30 nach DIN 4102 und kann als schwer entflammbar (B nach DIN EN 13501) betrachtet werden.
  • Eigenleistung beim Stroheinbau schafft Identifikation und bietet Einsparpotenzial.
  • Nachnutzung: Holz, Stroh und Lehm sind weiterverwertbar.
  • Neben der Primärenergie wird zunehmend die CO2-Bilanz eines Baustoffes wichtig:
  • Während die Herstellung eines zweischaligen Mauerwerks (KS-Stein, Mineralwolle, Vormauerziegel) die Atmosphäre mit 40.033 kg CO2-Äquivalent verschmutzt, entlastet eine Strohballenwand hingegen die Atmosphäre mit ca. 3.353 kg CO2-Äquivalent. Dies entspricht 361.500 km mit einem sparsamen 5-Liter-Mittelklassewagen. Vergleicht man das ganze Gebäude so beträgt die Differenz sogar 97 t CO2-Äquivalent. Ein sparsamer Mittelklassewagen kann bis zu 811.000 km fahren, bis die gleiche Klimabelastung erreicht ist. Dies entspricht ca. einer 20-fachen Erdumrundung.
  • Mit Strohballen ist es nicht nur möglich neue Häuser zu bauen, sondern auch beste­hende Häuser von außen zu dämmen, um so einen Beitrag zur Senkung des Energieverbrauches zu leisten.
  • Mit dieser Bauweise kann man einerseits effizient vorfertigen, wie auch andererseits den Bauleuten eine Möglichkeit zur Selbsthilfe anbieten.

Quelle: Broschüre Strohgedämmte Gebäude der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. FNR

Literaturtipps:

Weitere Beiträge, die Sie interessieren könnten:


Webinar: Wie werde ich Baubiologe/in IBN
webinar.baubiologie.de
IBN-Zertifizierungen für Bauweisen, Gebäude und Räume
zertifizierung.baubiologie.de

Leser-Interaktionen

Ihre Meinung ist uns wichtig

Kommentarregeln: Wir freuen uns auf Ihre Meinung, Stellungnahme oder ergänzende Informationen.
Bitte platzieren Sie hier keine Werbung und keine Fragen. Falls Sie Fragen haben, können Sie diese direkt an die Autoren stellen - deren Kontaktdaten finden Sie im Autoren-Infokasten.
Bitte bleiben Sie konstruktiv und höflich! Alle Kommentare (max. 3.000 Zeichen) werden von der Redaktion geprüft und erscheinen nicht sofort. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.