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Immer mehr Menschen werden in ihrem schutzbedürftigen Wohnumfeld mit tieffrequenten Geräuschemissionen konfrontiert. Besonders in ruhigen Gebieten werden diese Geräusche bereits auf sehr geringem Niveau als störend wahrgenommen. Betroffene fühlen sich auch bei Einhaltung der gesetzlichen Lärmrichtwerte belästigt und beschreiben z. T. eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes. Derartige Situationen können zu langjährigen Nachbarstreitigkeiten und zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen.

Verursacht wird die Lärmbelastung zum einen durch die steigende Siedlungs- und Verkehrsdichte und zum anderen durch den Einsatz von immer mehr häufig dezentral eingesetzten Geräten wie z. B. Luftwärmepumpen, Lüftungsanlagen, Klein-Windkraftanlagen, Mini-Blockheizkraftwerke oder Rasenmähroboter. Dem steigenden Geräuschpegel steht eine Bevölkerung gegenüber, die in den letzten Jahren eine zunehmende Sensibilität gegenüber Umwelteinflüssen entwickelt hat. Speziell Lärmbelastungen werden verstärkt wahrgenommen.

Der Wahrnehmungsbereich des Menschen – die „Hörfläche“ | Grafik: Leitfaden „Tieffrequente Geräusche im Wohnumfeld“

Menschen hören Geräusche mit Tonhöhen zwischen etwa 20 Hertz (Hz) und 20.000 Hz. Tiefere Geräusche unter 20 Hz (sogenannter Infraschall) nehmen wir erst bei sehr viel höherer Lautstärke wahr, als zum Beispiel Gesang oder Sprache. Gleichzeitig kann der Mensch den Klang verschiedener tiefer Geräusche nicht genau unterscheiden, deshalb nimmt er tieffrequente Geräusche allgemein als „Brummen“ oder Vibrationen wahr.

Um brummende Anlagen zu vermeiden, sollte man sich schon frühzeitig, also am besten bereits in der Planungsphase, mit dem Thema befassen. Für die meisten Geräte besteht in der Europäischen Union eine Pflicht zur Kennzeichnung der Geräuschemissionen. So können diese bereits vor dem Kauf miteinander verglichen werden. Neben der Wahl der richtigen Geräte muss zudem die Wahl des Standorts kritisch geprüft werden. Während des Betriebs sollten sich so wenig Menschen wie möglich belästigt fühlen.

Typisches Wohngebiet, in welchem schrittweise tieffrequente Geräuschquellen installiert wurden – gekennzeichnet als graue Kreise. Die farbigen Flächen verdeutlichen die tieffrequenten Geräusche, die zur Lärmbelastung werden können.

Bei bereits installierten Anlagen können die örtlichen Behörden im Einzelfall Anordnungen zur Nachbesserung festlegen, z. B. bei Geräten, die nicht dem Stand der Technik entsprechen oder bei einer ungünstigen Aufstellung der Anlage. Technisch lassen sich jedoch die tieffrequenten Geräusche nachträglich nur noch aufwändig und sehr kostenintensiv mindern, etwa durch einen anderen Standort oder komplizierte Einhausungen der kompletten Anlage. Maßnahmen wie Schallschutzfenster helfen gegen „normalen“ Lärm, sind bei tieffrequentem Brummen aber meist nutzlos.

Welche technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen es gibt und welche weiteren Handlungsoptionen bestehen, untersucht derzeit das Umweltbundesamt im Forschungsprojekt „Ermittlung und Bewertung tieffrequenter Geräusche in der Umgebung von Wohnbebauung“. Zwischenergebnisse des laufenden Projektes wurden in einem Leitfaden zusammengestellt: Ein erster Ansatz, um ein Bewusstsein für die wachsende Problematik zu schaffen und Konfliktlösungen aufzuzeigen.

Leitfaden für die Praxis:
Kostenloser Download beim Umweltbundesamt: „Tieffrequente Geräusche im Wohnfeld“

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Aus Fachzeitschrift WOHNUNG+GESUNDHEIT Nr. 166 – mehr erfahren
Quelle: Umweltbundesamt

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