Der Haken mit der Batterie

Anhand eines Beispiel-Einfamilienhauses mit Wärmepumpe mit einer angeblich hochwertigen Markenbatterie der Firma Tesla mit „wenig“ Verlusten kann man in Abb. 2 gut die realen Verhältnisse erkennen. Der PV-Stromertrag ändert sich durch die Batterie nicht, der Netzbezug sinkt. Soweit wird das Versprechen der Batterie-Verkäufer erfüllt.

Was keiner sagt: Der Stromverbrauch steigt um die nicht unerheblichen Batterieverluste, die eingespeiste und verkaufte Strommenge sinkt. Beide Werte haben nichts mit dem beliebten Kennwert „Eigenversorgungsanteil“ zu tun, fallen also bei dem üblichen Vergleich dieser Zahl unter den Tisch. Kosten aber ziemlich viel Geld und wiegen die Reduktion des zugekauften Stroms großteils wieder auf. Dazu kommen die Investitionskosten.

Geschäft ohne Risiko – aber nicht für den Investor

Strom ist teuer und damit eine gute Basis für eine Geschäftsidee. Alle Investoren versuchen, das Risiko für ihre Geschäfte in ein angemessenes Verhältnis zum möglichen Gewinn zu halten. Unbestritten ist auch, dass die erneuerbaren Stromgeneratoren eine hohe Schwankungsbreite der Stromerzeugung haben, die nicht mit dem Verbrauch übereinstimmen. Also braucht es in gewissem Maße Speicher. Doch Stromspeicher sind zwar schnell, aber oft teuer.

Es ist daher verständlich, dass die Anbieter von „Strom-Teil-Angeboten“ (wie z.B. „Sonnen“) als Vertragspartner eines PV-Anlagenbesitzers diejenigen Kunden bevorzugen, die schon diese teure Speichertechnik mitbringen und auch das Risiko dafür übernehmen. Im Gegenzug bekommt der Investor für den eingespeisten Strom nichts, bezahlt im besten Fall wie bei einer Flatrate auch nichts für den bezogenen Strom. Das Risiko der Speicherlebensdauer bleibt beim Endkunden, auch wenn das für die ersten zehn Jahre eine Versicherung übernimmt. Doch übernehmen diese Versicherungen nur den Zeitwert eines Batterie­speichers.

Ob das ein fairer Deal ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, das Unternehmen hat jedenfalls wenig Kosten, wenig Risiko und profitiert vom Weiterverkauf des überschüssigen Stroms oder dem Verkauf der teuren Regelleistung. Es scheint ein lohnendes Modell zu sein. Hat aber mit Autarkie immer noch nichts zu tun, denn der Energieversorger heißt nun nicht Eon oder EnBW, sondern eben anders.

Lohnend sind dezentrale, private Batteriespeicher vor allem für diese Anbieter oder Netzbetreiber, die trotzdem hohe Gebühren für die Durchleitung des Stroms kassieren und einen Teil ihrer Aufgabe der Netzstabilisierung gratis bekommen. Und damit kommen Zweifel nicht nur hinsichtlich der ökologischen, sondern auch der finanziellen Seite von Batteriespeichern (s. auch Teil III).

Die Alternative: Zentrale Batteriespeicher im Quartier

Statt in jedem Haus sollte in jedem sinnvollen Netzbereich (z.B. an den Umspannwerken auf Niederspannung) ein zentraler Batteriespeicher stehen. Dies könnten auch ausgediente Batteriespeicher aus Mobilitätsanwendungen sein, also bereits genutzte Ressourcen, die man so weiter sinnvoll nutzen kann. Der Vorteil dieser Speicher ist, so sie denn überhaupt nötig sind, dass sich innerhalb des Niederspannungsnetzes alle Verbraucher und Erzeuger ausgleichen und damit die Spitzen weitgehend reduziert sind.

Für den Speicher bleiben nur die großen, geglätteten Schwankungen übrig, die sich wirklich zu speichern lohnen. Der Speicher kann also im Verhältnis zur Summe vieler kleiner, dezentraler Speicher im Endeffekt wesentlich kleiner dimensioniert werden – ganz abgesehen von all den unnötigen Wechselrichtern, Gehäusen, Regelungen und dem Datenverkehr. Auch die Steuerung ist zentral wesentlich einfacher und effektiver. Das müsste der Netzbetreiber organisieren. Und dafür könnten, falls überhaupt erforderlich, für den Risikoausgleich die Netzbetreiber statt der Verbraucher bei der Installation von Batteriespeichern gefördert werden.

Abb. 2: Strombilanz eines Einfamilienwohnhauses mit Wärmepumpe. Links ohne Batteriespeicher, rechts mit Batteriespeicher | Quelle: erstellt mit Polysun (= Simulationssoftware für Haustechniksysteme, www.velasolaris.com) und überarbeitet von www.energiebuendel.com

Das Problem: Das Marktmodell

Das EEG ist das Problem. Es behindert einen freien Markt für Strom, der es jedem leicht ermöglicht, Strom an Mieter, Nachbarn oder einen Stromhändler zu liefern. Wichtig wäre nur ein Grünstromprivileg, dass wirklich der grüne Strom und nicht der kaum regelbare Atom- und Kohlestrom im Netz ist. Und Datenschutzregeln.

Weil der Markt Gewinne abzuwerfen scheint, wird häufig das Mantra wiederholt, es sei das Ziel, möglichst viel Strom selbst zu erzeugen und auch selbst zu verbrauchen. Das mag unter den gegebenen Umständen ökonomisch noch halbwegs sinnvoll erscheinen, ist es aber nicht grundsätzlich. Sinnvoll ist vor allem, möglichst viel solar erzeugten Strom möglichst direkt ohne Verluste zu nutzen – und das geht am besten in größeren Einheiten als im kleinen privaten Bilanzraum.

Ein Traum der Zukunft

Weiter sollte das EEG für Kleinanlagen neben dem Grünstromprivileg eine Mindestquote von beispielsweise 60 % festschreiben, die ein Energieversorger für den eingespeisten Strom wieder kostenlos zurück liefern muss, ähnlich wie das oben erwähnte Modell von „Sonnen“ – nur ohne Batteriespeicher. Keine Vergütung für den eingespeisten Strom, sondern Vergütung über den Anteil an kostenlos zurückgelieferten Stroms. Dadurch könnte ein Markt entstehen, in dem die Energieversorger über den Anteil an kostenlos zurückgeliefertem Strom konkurrieren. Und je effizienter ein Energieversorger Erzeugung und Verbrauch zum Ausgleich bringen kann, desto mehr kann er verdienen.

Wenn man dann noch unbürokratisch den Strom mit Nachbarn und Mietern teilen könnte, würde es sich lohnen weiter zu träumen.

In Teil 1 geht es um die Illusion und Ökobilanz.
In Teil 3 folgen die Kosten des Stroms aus Batteriespeichern

Literaturtipps

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