Die Einseitigkeit der ge­planten Maßnahmen könnte sich auf die Dauer bitter rächen. Das versetzt unsere Lebenswelt im Namen des soge­nann­ten Fort­schritts und im Zeichen des Kli­ma­wandels mit Vehemenz immer mehr unter den Einfluss elektro­magnetischer Emissionen, ohne kritische Rückfragen angemessen zu berücksichtigen, ob all dies für Mensch und Natur ver­träglich sein kann. Weg von fossilen Brennstoffen, weg von all dem üblen CO2-Ausstoß – das sind gewiss löb­liche Ziel­vor­gaben. Doch darf ihre Durchsetzung so radikal erfolgen wie vorgesehen? Kann man einfach „den Hebel umlegen“, ohne die Folgen differenziert zu betrachten?

Schon mit Blick auf den heutigen Zustand warnt Wilfried Kühling, seines Zeichens Professor für Raum- und Umweltplanung: „In der Summe ist die eklatante Störung der natürlichen Elektromagnetosphäre, die das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen­welt geprägt hat und prägt, ein wirklich riesengroßes Problem, dem sich offensichtlich nie­mand wirklich nähern will. Die Differenz zwischen dem heutigen Ist-Zustand und dem natür­lichen Soll-Zu­stand ist erschreckend groß.“ Und diese Differenz dürfte sich in der Zukunft noch enorm ver­größern.

Technikneutralität als Forderung auch in baubiologischem Interesse

Die schwierige Frage, wie realistisch und praktikabel die vorgesehenen Maßnahmen der Regierung in Sachen Energiewende auf dem Gebäudesektor sind, wird immerhin einigerma­ßen öffentlich diskutiert und kann hier nur angedeutet werden. Wie sinnvoll ist es beispielsweise, das Heizen mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz für Neubauten einzuschränken oder gar zu verbieten, anstatt für umweltgerechte Rahmenbedingungen wie automatische Abbrand-Regelungen und Feinstaubfilter zu sorgen? Wie steht es um den erhöhten Strombedarf für die massenhaft angepeilten Wärmepumpen und E-Autos? Wie soll der dafür erforderliche Ausbau des Strom­netzes mit der Installation von Solarfarmen Schritt halten können? Warnen nicht Fach­leute vor großen Klemmen bei der Stromverteilung? Allein in Deutschland umfasst das Stromnetz rund 1,8 Millionen Kilometer: Wie sollen da in den nächsten Jahren über mehrere Hundertausende Kilometer neue Leitungen verbaut wer­den? Welche ernsthafte Berücksichtigung erfährt dabei das Dilemma der hiermit einhergehenden elek­tro­magnetischen Emissionen?

Die betreffende Gesetzgebung beansprucht zwar, „technikneutral“ vorzugehen. Doch in Wirk­lichkeit läuft fast alles auf eine ziemlich radikale Elektrifizierung und auf entsprechende Techno­lo­gien hinaus. Jedenfalls wirkt die geradezu revolutionäre Transfor­ma­tion in eine regelrechte E-Gesellschaft überzogen, ja in befremdendem Maße ideologiegesteuert.

Ein ganzes Land immer mehr unter Strom zu setzen, ist eine gesellschaftspolitische Zumu­tung, auch wenn viele Bürgerinnen und Bürger wohl kaum ahnen, was das im Endeffekt bedeutet. Unser Planet ist von Natur aus umgeben von einer elektromagnetischen Hülle, ja von einem Ozean elektro­mag­netischer Strahlung. In den letzten Jahrzehnten ist diese Hülle bereits zu­nehmend durch künstliche Strahlung „bereichert“ und gestört worden – und es ist ein äußerst bedenklicher Anstieg dieser Immissionen in der Zukunft zu erwarten. Die Auswir­kungen entspre­chender Techno­lo­gien auf die Gesundheit des Menschen werden zwar von Wirtschaft und Industrie ungern zugegeben, lassen sich aber immer weniger leugnen. Man lese dazu Arthur Firstenbergs Buch „Die Welt unter Strom. Eine Geschichte der Elektrizität und ihrer überse­henen Ge­sund­heits­gefährdung“ (2021), um genauere Eindrücke von der brei­ten Streu­ung der Risi­ken zu bekommen.

Elektrosensible Menschen berücksichtigen

Der 2022 verstorbene Berliner Medizinprofessor und Arzt Karl Hecht hat mit dem Verweis auf den Umstand, dass sich die Bioelektrizität des Menschen bekanntlich messen lässt, und auf dem Hintergrund zahlreicher wissenschaftlicher Studien erklärt: „Die Verschmutzung des lebens­wich­tigen natürlichen elektromag­netischen Ozeans mit elektrischer Energie (Elek­tro­smog) ist heute ein gravierender Eingriff ungeahnten Ausmaßes in die Natur und in das Leben der Men­schen, der leider generell ignoriert, bagatellisiert und sogar an Hypochondrie leidend abgestempelt wird, wenn Be­troffene Hilfe für ihr Leiden suchen.“ Betroffen sind in der Tat besonders Elektrosensible, deren Empfindlichkeit auf die Strah­lung sowie deren psychische Situation meist mit der einen oder anderen Vorerkrankung zu tun haben dürfte. Hierzu sei auf die Bücher „Ständig unter Strom“ von Silvio Hellemann (2010), „Elektrosen­sibel. Strahlenflüchtlinge in der funk­ver­netzten Gesellschaft“ (2018) von den Ärztinnen Christine Ascher­mann und Cornelia Waldmann-Selsam sowie „Die unerlaubte Krankheit“ von Renate Haidlauf (2022) hingewiesen – und nicht zuletzt auf mein nach wie vor im Handel erhältliches Buch „Mythos Mobilfunk. Kritik der strahlenden Vernunft“ (2012).

Doch es sind auch Menschen, die elektromagnetische Strahlung nicht bewusst oder schmerz­haft wahr­zu­nehmen vermögen, gesundheitlich durch immer mehr Strom um sie herum ge­fähr­det. Für nähere Darle­gun­gen hierzu sei an das Buch „Stress durch Strom und Strahlung“ von dem verstorbenen Baubio­logen Wolfgang Maes erinnert – und an eine Aussage des bekannten Kulturanthropologen  und Ethnobotanikers Wolf-Dieter Storl: „Elektrosmog, elektrische Felder, insbesondere gepulste Mikrowellen, wie sie von Handys, schnurlosen Telefonen, Mikrowellenöfen, Funktürmen und dergleichen ausgehen, stören die natürlichen Regelkreise der Organismen, auch die des Menschen. Strahlencocktails stören die Befindlichkeit, beeinträchtigen das Immunsystem und führen dazu, dass vermehrt Stresshormone ausgeschüttet werden. Auch so etwas geht aufs Herz – Herzt gegen Herz sozusagen.“

Ein aktuelles Beispiel für die Gefahren der zunehmenden Elektrifizierung unserer Lebens­welt mag hier genügen – aus dem Bereich der Photovoltaik-Techno­lo­gie. Wahr­schein­lich wird Photovoltaik auf die Dauer zur ge­setzlichen Pflicht auch für private Dächer wer­den, damit der Strombedarf der E-Gesellschaft einigermaßen gedeckt werden kann. Bedenklich sind da nun laut Experten­auskunft nament­lich jene Emis­sionen, die von den soge­nann­ten Wechselrichtern ausgehen, welche Gleichstrom und Gleich­spannung der Solarge­neratoren in Wech­selstrom und Wechselspannung um­wandeln. Sie erzeu­gen eben­so wie die wechsel­strom­füh­renden Lei­tun­gen selbst magnetische, kaum abschirmbare Wechsel­felder. Be­sänf­tigend wird hierzu erstens ange­führt, dass ja die Wechsel­richter meist im Keller in­stal­liert sind und daher die Schlaf­zimmer nicht tangieren würden. Was aber, wenn manche Menschen ihren Schlafraum im Keller ha­ben? Und zweitens wird gern gesagt, die Wechselrichter seien ja lediglich bei Son­nen­schein, also nicht zur Nachtzeit aktiv, würden also die vegetativ emp­findlichere Schlaf­situation nicht stören. Doch lässt sich die Minderheit all jener, deren Schlaf­stunden sich aus wel­chen Gründen auch immer in die helle Tageszeit hinein ver­schieben, einfach ausblenden? Unter Umständen reicht das Prob­lem der Wechselrichter deutlich über die Kellerräume hinaus: Entweder handelt es sich um billigere Wechselrichter ohne Tra­fo – von denen trennen manche nicht sauber zwischen der Wechselspan­nungs- und der Gleich­strom­seite, was ein selbst durch Erdung des Rahmens nicht ganz zu beseiti­gendes elektrisches Wechselfeld auf den Solarmodulen zur Folge haben kann. Oder aber die Wech­selrich­ter sind mit einem Hochfrequenz-Trafo versehen: Dann erzeugen sie zwar geringere mag­neti­sche Wech­selfelder, dafür jedoch hochfrequente Felder, wie man sie ähnlich vom Mobil­funk kennt. Die lassen sich zwar relativ leicht abschirmen, doch solche Abschirmung sollte nur unter Exper­ten-Anleitung erfolgen und kostet entsprechend Geld. Reflektierendes Mate­rial kann nämlich Probleme mitunter sogar verstärken, wenn es ungünstig angebracht wird oder andere Strah­len­­quellen hin­zukommen. Die Gesetz­gebung sollte aus all diesen Gründen Photovoltaik nicht einfach pau­schal verpflichtend machen.

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Problematischer Indoor-Mobilfunk

Politisch wird zudem der Ausbau flächendeckenden Mobilfunks weiter vorangetrieben. Des­sen hochfrequente, künstlich gepulsten elektro­magne­tischen Felder werden im Interesse von Industrie und Wirtschaft, aber auch zahllosen Verbrauchern offiziell für weitestgehend harm­los erklärt. Doch 2021 verpflichtete das US-Bundes­gericht die zuständige amerikanische Regulierungs­behör­de „Federal Com­mu­ni­cation Commis­sion“(FCC), endlich darzulegen, wa­rum sie wis­sen­schaft­li­che Nachweise für Schädi­gungen durch drahtlose Strahlung seit vielen Jahren igno­riert habe. Und in Großbritannien wurde eine Klage in Sachen 5G-Mobil­funk zu­gelas­sen: Sie richtete sich gegen die Re­gierung, weil die Öffentlichkeit nicht ange­messen über die Risi­ken gesundheits­schädlicher Auswir­kungen von 5G und über indi­viduelle Schutz­mög­lich­kei­ten in­formiert worden sei – und auch weil keine angemessenen und aus­reichenden Gründe für die unter­lassene Ermittlung ge­sund­heitsschäd­licher Risi­ken die­ser Techno­logie vorgebracht worden seien. Ein Abgeordneten-Briefing des „Wissen­schaft­lichen Diensts des Europäischen Parlaments“ hatte 2020 mit Blick auf 5G fest­gehalten: „Zusammen mit der Art und Dauer der Ex­posi­tion scheinen Eigen­schaften des 5G-Signals wie das Pul­sieren die biolo­gischen und ge­sund­heitlichen Auswir­kungen der Expo­sition zu verstärken, ein­schließlich der DNA-Schä­den, die als Ursache für Krebs ange­sehen wer­den.“ Mittlerweile belegen zahlreiche Studien im Mobil­funkbereich biolo­gische Wirkun­gen und Schädigungsef­fekte unterhalb der eigentlich längst veral­teten, in Deutschland besonders hoch festgesetzten Grenzwerte. Die Meinungen bleiben faktisch gespalten – was aber bedeutet, dass es jedenfalls nicht risikolos ist, die Bevölkerung flächendeckend einschließlich des Innen­be­reichs von Woh­nungen und Kellern mit künstlich gepulster elektromag­neti­scher Strah­lung zu belasten. Für weitere Infor­mationen zu diesem umstrittenen Gebiet sei die Lektüre des kürzlich er­schie­nenen Buches von Professor Kühling „Bewer­tungs­dilemma Mobilfunk“ empfohlen.

Umso bedenklicher ist es freilich, wenn die Politik unserer Tage sogar immer mehr Funk in den Wohnräumen erlaubt oder gar anordnet. Indoor-Mobilfunk wird von Industrie, Wirtschaft und vielen Verbrauchern gern gesehen, von manchen aber keineswegs – was das Recht auf Selbstbe­stimmung in den eigenen vier Wänden, sprich: auf die Unverletzlichkeit der Wohnung betrifft. Inzwischen ist das Gebäude­ener­gie-Gesetz (GEG) in Kraft, das Fern­ablesung vor­schreibt, wo es auf die Verteilung von Heizkosten ankommt, so dass in immer mehr Eigen­tums- und Mietwohnungen – bis Ende 2026 in allen solchen – praktischerweise Wär­mever­brauchs­zähler an ungefähr jedem Heizkörper funken. Das ergibt eine messbare Strahlenbe­lastung. Und hinzu kommen immer mehr Stromzähler mit funkendem Kommuni­kationsmodul. Denn die Bundesregierung treibt den verpflichtenden Einsatz der Smart-Meter voran – mittels des gerade dem Bundestag zum Beschluss vorliegenden „Gesetzes zum Neu­start der Digitalisierung der Energiewende“. Das Ganze wird faktisch in den allermeisten Fällen auf vermehrten Elektro-Smog entweder durch Funk oder aber durch Powerline-Technologie (PLC, auch D-Lan genannt) hinauslaufen – wobei Letztere bedeutet, dass die betreffende Datenübertragung mittels aufmodulierter Signale ins zumeist ungeschirmte Stromnetz des gesamten Wohnbereichs läuft.

Kurz und gar nicht gut: Die immer mehr unter Strom gesetzte Gesellschaft der Zukunft – etwa auch beim Autofahren – ist zwar ein ambitioniertes, aber zugleich ein hochproblematisches Ziel gegenwärtiger Politik. Wann werden die Verantwortungsträger beginnen, hier umzu­den­ken und um­zulenken? Und wann werden die Bürgerinnen und Bürger aufwachen, ja sich hör­bar gegen die Zumutung verwah­ren, dass all der Elektrosmog von heute und insbe­sondere von morgen über sie ausgebreitet wird, als wäre das baubiologisch völlig harmlos?

IBN-Kommentar

Herr Prof. Dr. Werner Thiede beschreibt sehr gut den Grundsatz der Baubiologie „Energie sparen ja, aber baubiologisch“, und hierzu gehört auch der Schutz unserer Gesundheit.

Hierzu gibt es leider keine einfachen Pauschalkonzepte, sondern es geht – wie so oft – um die Suche nach dem bestmöglichen Kompromiss im Großen wie im Kleinen unter Beachtung unseres Grundgesetzes Artikel 2(1): „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit…“.

Die Baubiologie bietet auf Basis jahrzehntelanger Erfahrung Lösungen zur Vermeidung oder zumindest bestmöglichen Reduzierung von Elektrosmog an. Wir appellieren an Politik und Wirtschaft, diese im Rahmen der Gesetzgebung und Ausführung zu nutzen!

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