Um zu verstehen, dass die Holzbauweise klimafreundlicher ist als die anderen gängigen Bauweisen, braucht es eigentlich keine wissenschaftlichen Analysen, sondern nur gesunden Menschenverstand. Denn Holz wird nicht unter hohen Temperaturen künstlich hergestellt, sondern entsteht durch Photosynthese. Bei seinem Wachstum setzt Holz keine großen Mengen Kohlendioxid (CO2) frei, sondern bindet große Mengen CO2. Es entzieht der Atmosphäre CO2, bindet den Kohlenstoff (C) dauerhaft in seine Zellstruktur ein und gibt Sauerstoff (O2) an die Atmosphäre ab. Holz besitzt also eine gänzlich andere CO2-Bilanz als viele andere Baustoffe.

Dass die CO2-Bilanzen verschiedener Bauweisen miteinander verglichen werden, liegt daran, dass Holzgebäude nie ausschließlich aus Holz bestehen, sondern meist auch aus Beton und Glas und anderen nicht-hölzernen Baustoffen. Die gute CO2-Bilanz des Baustoffs Holz wird in der Baupraxis durch die anderen Baustoffe mehr oder weniger stark verringert. Die Unterschiede in den CO2-Bilanzen zwischen Holzgebäuden und in konventioneller Bauweise errichteten Gebäuden differieren stark. Sie lassen sich nicht mit pauschalen Faktoren ausdrücken, sondern müssen immer wieder aufs Neue errechnet werden. Wie diese Berechnungen zu erfolgen haben, ist in einer Norm exakt vorgeschrieben.

König und Haffner errechneten in ihren Lebenszyklusanalysen die CO2-Bilanzen der Herstellungs- und Errichtungsphase, der Nutzungsphase und der Entsorgungsphase – jeweils von den realisierten „Originalen“ und von fiktiven „Duplikaten“ in mineralischer Bauweise. Und zudem dann auch noch mit einer gängigen Software für Kostenkalkulationen jeweils die „aktuellen“ Baukosten.
Anhand der Ergebnisse ließen sich dann drei wichtige Fragen beantworten:

  1. Was bewirkt mehr: CO2-armes Heizen oder CO2-armes Bauen? 
  2. Wie wirtschaftlich ist CO2-Reduzierung durch Bauen mit Holz? 
  3. Wie zielführend ist CO2-Reduzierung durch Bauen mit Holz? 

Tabelle: Seiten 6 und 7 aus der Informationsbroschüre „Klimagerechtes Bauen“

Bei allen drei Fragen fielen die Antworten überraschend deutlich aus: Die großen CO2-Einsparpotenziale liegen in den ersten 50 Jahren im Baumaterial und in der Bauweise – nicht im Heizsystem. Vergleiche mit den CO2-Vermeidungskosten bei der Stromerzeugung zeigen: Bauen mit Holz ist eine sehr wirtschaftliche CO2-Vermeidungsmaßnahme, d.h. pro investiertem Euro spart man relativ viel CO2 ein. Und Vergleiche mit den CO2-Emissionen von Fliegen, Autofahren und Fleischessen machen deutlich, dass sich durch Bauen mit Holz kurz- und mittelfristig eine vielfach höhere CO2-Menge einsparen lässt als durch Verzicht in diesen Konsumbereichen.

Setzt man die deutsche Durchschnittswohnfläche an, so wird durch die Holzbauweise pro Bewohner so viel CO2 vermieden, wie 30 bis 60 Hin- und Rückflüge nach Mallorca pro Passagier freisetzen. Solche Vergleiche machen die Bedeutung, die Bauen mit Holz für den Klimaschutz hat – und noch haben könnte! – deutlich. Bei Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern in Holzbauweise würden die Ergebnisse sogar noch deutlicher ausfallen, denn hier kann der Holzanteil in der Regel viel höher liegen, weil Statik, Schallschutz und Brandschutz keine Probleme aufwerfen, die mit nicht-hölzernen Materialien gelöst werden müssen.

Bauen mit Holz in Kombination mit anderen Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen ist also eine der wirkungsvollsten, wirtschaftlichsten und zielführendsten Klimaschutzmaßnahmen überhaupt. Vor allem aber wirkt Bauen mit Holz als Klimaschutzmaßnahme sofort und nicht erst über einen langen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Das „sofort“ ist ein entscheidendes Kriterium, das oft übersehen wird. Denn bei der Klimaerwärmung ist das größte Problem die Geschwindigkeit, mit der sie geschieht. Wir müssen die Klimaerwärmung so schnell wie möglich so stark wie möglich bremsen, damit die Ökosysteme genügend Zeit haben, sich anzupassen – ansonsten kollabieren sie mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur. „Bauen mit Holz bedeutet: Klimaschutz jetzt!“ lautet deshalb die zentrale Botschaft.

Klimagerechtes Bauen

Die Ergebnisse Lebenszyklus-Analysen für drei Geschosswohnungsbauten sind in Informationsbroschüre „Klimagerechtes Bauen“zusammengestellt. Diese steht zusammen mit anderen Klimaschutzbroschüren auf der Internetseite www.stopco2.jetzt zum kostenfreien Download. Gedruckte Exemplare sind ebenfalls kostenfrei und können per E-Mail bestellt werden.

Quelle: Fördergesellschaft des Zimmerer- und Holzbaugewerbes mbH

Literaturtipp

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  1. Habe vor 5 1/2 Jahren ein Vollholzhaus gebaut. Dabei habe ich einen Holzvergaserofen mit Pufferspeicher und Solartherme eingebaut. Ferner habe ich Lehmwände mit Wandheizung installiert. Der gesamte Ausbau erfolgte mit Holz. Vor ca. 3 Jahren habe ich mich dann noch für eine Photovoltaikanlage mit Speicher entschieden.
    Meine Erfahrungen bisher sind nur ausgezeichnet. Ich bin sehr begeistert vom Gesamtkonzept. Ich benötige als Nebenkosten (Heizung, Warmwasser, Strom, Wasser und Kanal) ca. 50,—€. Kann alle meine Aussagen belegen.

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