Um ein Gebäude möglichst klimagerecht anzulegen, gilt es viele Aspekte zu beachten. Vorausgesetzt ist eine ganzheitliche Herangehensweise. Ein gelungenes Beispiel dafür findet sich im oberbayerischen Moosburg an der Isar. Hier hat ein ortsansässiger Solaranlagenhersteller mit seiner Bauträger-Gesellschaft und der Unterstützung eines Ingenieurbüros (siehe Bautafel) ein energetisch und nachhaltig optimiertes Gesamtkonzept realisiert. “Darüber hinaus wollten wir den künftigen Gebäudenutzern ein dauerhaft komfortables und familiengerechtes Wohnen in einem attraktiven Wohnumfeld bieten. Die Basis für den Wohnungsbau der Zukunft sehen wir in einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung bei geringen Nebenkosten”, betont Geschäftsführer Hanns Koller.

Zukunftsorientiert 

Mit der Planung beauftragt wurde ein Architekturbüro aus Moosburg. Es entwarf den Wünschen des Bauträgers entsprechend ein Wohnquartier, das die Themen Energie und Nachhaltigkeit mit hoher Flexibilität in der Gebäudenutzung verknüpfte. So verteilen sich die geplanten 34 Wohneinheiten mit ihren rund 4.000 m² Wohnfläche auf 6 Doppelhaushälften, 16 Reihenhäuser und 12 Wohnungen in 2 Mehrfamilienhäusern. Die verfügbaren Wohnflächen wurden mit diversen Wohnungsgrößen von 50 bis 160 m² für Singles ebenso ausgelegt wie für Paare und Familien mit bis zu vier Kindern.

Die angestrebte Flexibilität bezog sich aber nicht nur auf unterschiedliche Wohngrößen und individuelle Ausstattungen. “Wir mussten im Sinne der Bewohner auch deren zukünftiges Wohnen mit ihren familiären Veränderungen im Auge behalten”, erklärt Architekt Rudolf Heinz. “Außer einer zukunftsweisenden Energieversorgung wurde in der Planung insbesondere eine komfortable Umgestaltung der Wohnräume im Alter oder bei Krankheit berücksichtigt”. Deshalb war auch ein möglichst einfacher Umbau der Räumlichkeiten für zukünftige Veränderungen gefragt. So können bei den Doppel- und Reihenhäusern die Erd- und Obergeschosse jeweils problemlos in eigenständige Wohnungen umgewandelt werden. Es wurden zudem altersbedingte Bedürfnisse wie eine in den Erdgeschossen zügig umsetzbare Barrierefreiheit in die Planung einbezogen.

(1) Nachhaltigkeit und Energieeffizienz bilden den Grundstein für die “Sonnenhäuser” in Moosburg. Drei Doppel- und 16 Reihenhäuser sowie zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 12 Wohnungen bieten hier Platz für verschiedene Haushaltsgrößen und Wohnansprüche – abgerundet von einem fast autarken Energiekonzept.
(2) Alle Häuser der “CS-Sonnenhaussiedlung” in Moosburg wurden aus massivem Mauerwerk mit Silvacor-Ziegeln von Leipfinger-Bader errichtet. Aufgrund ihrer Dämmstoff-Füllung aus nachwachsenden Nadelholzfasern sind sie zugleich besonders nachhaltig, energieeffizient und wohngesund.
(3) Auf allen Dächern der “Sonnenhäuser” in Moosburg befinden sich Photovoltaik-Anlagen. Zusammen mit einer zentral installierten Solarthermieanlage und einer Holzhackschnitzelheizung decken Sie einen Großteil des Heizenergie- und Strombedarfs ab.
(4) Die verfügbaren Wohnflächen teilen sich in unterschiedliche Wohnungsgrößen auf, um sowohl Singles als auch Paaren oder Familien bis zu vier Kindern den jeweils benötigten Raum zu bieten.
Quellen Bildmaterial:
(1-3) Leipfinger-Bader / Christian Willner Photographie | (4) heinz pflüger partner architekten GmbH

Innovatives Energiekonzept 

Ein Hauptaugenmerk galt bei der Planung dem energetischen Gesamtkonzept. Neben dem hohen ökologischen Anspruch spielte der ökonomische Aspekt eine wichtige Rolle. Statt einer möglichst großen Energieeinsparung war deshalb eine überwiegend autarke Energieversorgung mit geringen Nebenkosten gefordert (Autarkiegrad 70 %). Eine zentral installierte Solarthermieanlage und eine Holzhackschnitzelheizung sorgen so über ein Nahwärmenetz CO2-neutral und unabhängig von fossilen Brennstoffen für ausreichend Heizenergie. Ansonsten liefern die auf den Dächern installierten Photovoltaik-Anlagen im Zusammenwirken mit Akkuspeicher und Wechselrichter im Normalfall genügend elektrischen Strom für Beleuchtung und alle im Haushalt benötigten Elektrogeräte. Bei zu wenig Sonnenlicht ist die Versorgung mit Ökostrom über das örtliche Stromnetz gewährleistet, während überschüssiger Strom gegen Vergütung in das Stromnetz eingeleitet wird.

Eine Besonderheit stellt das umweltfreundliche Mobilitätskonzept der Siedlung dar. Dabei stehen den Bewohnern mit einem quartierseigenen E-Carsharing-Fahrzeug und einem E-Lastenfahrrad flexibel nutzbare Transportmittel für Besorgungen zur Verfügung. Für ihren Betrieb wird in naher Zukunft noch eine von Sonnenenergie gespeiste E-Ladestation unter einem speziellen Carport errichtet. Darüber hinaus erhalten alle Garagen und PKW-Stellplätze die notwendigen Anschlüsse, um eine E-Ladestation für das eigene Fahrzeug zu installieren.

Umweltgerechte Gebäudehülle dank Ton und Holz

In Bezug auf den Energieverbrauch wurde bei den Doppel- und Reihenhäusern ein Energieeffizienzhausstandard von KFW 55 und bei den Mehrfamilienhäusern von KFW 40 Plus vorgegeben. Der niedrige Energiebedarf beinhaltete zwangsläufig eine zum hohen baulichen Wärmeschutz beitragende Gebäudehülle. Außerdem war dem Bauträger angesichts seiner umweltschonenden Prioritäten eine werterhaltende Bauweise mit einem ökologisch absolut unbedenklichen Außenwandbaustoff besonders wichtig. Der gewählte Mauerziegel konnte dabei nicht nur mit seinen bauphysikalischen Eigenschaften, sondern auch mit seiner hervorragenden Ökobilanz überzeugen. Das Geheimnis des innovativen Ziegels ist seine Dämmstoff-Füllung aus nachwachsenden Nadelholzfasern. “Ton trifft Holz”, umschreibt kurz und prägnant Architekt Rudolf Heinz diese im nachhaltigen Sinne perfekte Kombination aus natürlichen Rohstoffen. 

Entsprechend den bauphysikalischen Erfordernissen wurde bei den Mehrfamilienhäusern eine Mauerwerkstärke von 42,5 cm und bei den Doppel- und Reihenhäusern von 36,5 cm gewählt. Die gewährleisteten niedrigen Wärmedurchgangswerte von 0,16 W/m²K beziehungsweise 0,18 W/m²K leisten damit ihren Beitrag zum energiesparenden Wärmeschutz.

(5) Die Räumlichkeiten der “Sonnenhäuser” in Moosburg sind weitläufig und offen gestaltet. Große Fenster lassen zudem viel Licht hinein, was die großzügige Raumwirkung noch unterstützt.
(6) Die Dachschrägen der “Sonnenhäuser” verfügen über einen hohen Neigungswinkel von 45 Grad. Dank großer Nordfenster lässt sich das Dachgeschoss aber dennoch als Wohnraum nutzen – hier sogar mit einer Galerie. Auf der Südseite ist hingegen der Technikraum für die Photovoltaik-Ausrüstung untergebracht.
Quelle Bildmaterial:
(5+6) Leipfinger-Bader / Christian Willner Photographie

Fertigstellung in drei Bauabschnitten

Angesichts des Projektumfangs gliederten die Bauverantwortlichen die Errichtung des Wohnquartiers in drei Bauabschnitte. Der erste Bauabschnitt konnte bereits bezogen werden. Die Fertigstellung der beiden anderen Bauabschnitte soll im Frühjahr sowie Sommer 2021 erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt sollen auch alle Bauvorhaben zur Infrastruktur, wie etwa eine Kinderkrippe und der Spielplatz, fertiggestellt sein. Große gemeinsame Aufenthaltsbereiche für die Bewohner und viel Grünfläche um die Gebäude herum sorgen spätestens dann für ein naturnahes familienfreundliches Wohnen. Dazu tragen außerdem hundert neu angepflanzte Bäume bei. Nicht zuletzt bietet das angrenzende Landschaftsschutzgebiet “Isarauen” ein besonders einladendes Umfeld, das sich für ausgedehnte Spaziergänge und Radtouren anbietet.

Bautafel

BauträgerCS Wohnbau UG & Co. KG
Planung und Bauleitung heinz pflüger partner architekten GmbH
Bauphysik und EnergiekonzeptCitrinSolar GmbH Energie- und Umwelttechnik
Anzahl Wohneinheiten6 Doppelhaushälften | 16 Reihenhäuser | 12 Eigentumswohnungen in 2 Mehrfamilienwohnhäusern
Wohnfläche insgesamtca. 4.025 m²
JahresheizwärmebedarfMehrfamilienwohnhaus: 5,5 kWh/m² | Doppelhaus: 29,2 kWh/m² | Reihenmittelhaus: 24,9 kWh/m² | Reiheneckhaus: 28,6 kWh/m²
AußenwandbaustoffUnipor W07 Silvacor-Mauerziegel
d = 36,5 cm bei Doppel- und Reihenhäusern
d = 42,5 cm bei Mehrfamilienhäusern
ZiegelherstellerZiegelwerke Leipfinger-Bader GmbH
Fertigstellung letzter BauabschnittSommer 2021

Autor: Dipl.-Ing. Hans-Gerd Heye
Quelle: Ziegelwerke Leipfinger-Bader (www.leipfinger-bader.de)
dako pr corporate communications (www.dako-pr.de)

Literaturtipps:

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