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Untersuchungen mit Schimmelspürhundensind in den letzten Jahren durchaus in Mode gekommen. Es dürfte aktuell schon mehrere Dutzend Schimmelspürhunde in Deutschland geben. Es sollte aber niemand denken, dass der zu Hause sowieso als Spielkamerad der Kinder vorhandene Wuffi so einfach etwas zur Aufbesserung der Haushaltskasse beitragen kann: Die Ausbildung dauert – zumindest wenn man es richtig macht – lange, kostet viel Geld und erfordert enormes Fachwissen auch des Hundeführers; zudem muss so ein Tier zeitlebens weiter trainiert und auf seine Aufgabe hin geprägt werden, um von einer ausreichenden Zuverlässigkeit ausgehen zu können. 

Vorteil gegenüber chemisch-analytischen Untersuchungen

Ein wesentlicher Vorteil gegenüber ebenfalls möglichen chemisch-ana­lyti­schen MVOC-Untersuchungen der Raumluft (MVOC = microbial volatile organic compounds, also mikrobielle flüchtige organische Verbindungen) besteht bei den Hunden sicherlich in der Möglichkeit der Lokalisierung von Pilzschäden – sie sind quasi ‚direktanzeigende Messgeräte’für diese, markieren bestimmte Stellen im Raum und überprüfen nicht nur die Raumluft (wie bei den technischen MVOC-Analysen, wo man nachher prinzipbedingtmeist nicht wissen kann, wo sich Schimmelquellen befinden). Das ist attraktiv, der Hund rennt umher und bellt oder scharrt an einem bestimmten Bereich, zeigt an wo die Schimmelpilze zu suchen sind, dient also der Quellensuche.

Beachtet werden muss allerdings, dass der Hund lediglich den Ort der Ausgasung mikrobieller Stoffwechselprodukte anzeigt, der aber nicht unbedingt mit der Schadensstelle, wo es feucht ist und wo Keime wachsen, identisch sein muss. So werden häufig Sockelleisten bzw. Randbereiche von Fußböden markiert, wo von irgendwo unter dem Bodenbelag oder unter dem Estrich wachsenden Mikroorganismen her MVOC austreten. Es muss deshalb nach dem Anschlagen des Hundes unbedingt noch weiter gesucht werden, Bauteile sind zu öffnen, per Auge, Nase und gegebenenfalls mit geeigneten mikrobiologischen Beprobungen und Laboranalysen sind Befallsort und -grad genau zu bestimmen. Aber immerhin, man erfährt die Richtung, kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit abschätzen, ob überhaupt ein Schimmelschaden vorliegt und wo – in welchem Raum oder wo etwa in einem Raum – man nach ihm suchen muss.

Ein weiterer großer Vorteil des Hundes gegenüber MVOC-Analysen ist, dass er – so er denn ordnungsgemäß geprägt und ausgebildet wurde – wohl tatsächlich sehr spezifisch die pilztypischen Substanzmischungen erkennt und nicht auf technische Lösemittel reagiert, wie ähnlich sie den mikrobiellen auch immer sein mögen. Vermutlich sind auch Verfälschungen wie bei den MVOC-Analysen durch z.B. Brat- und Kochvorgänge, Fette, Aromastoffe, ätherische Öle, Kohle, Kräuter und andere Lebensmittel, Getränke, Parfüme, Farben, Reinigungsmittel oder menschliche Bakterien nicht von sonderlicher Bedeutung. 

(1) Frau Anne-Kathrin Pley mit ihrem Schimmelspürhund beim Training…
(2) … und bei der Schimmelpilzsuche

Grenzen und Fehlermöglichkeiten

Hundeführer sprechen immer wieder von einer 100-prozentigen Treffsicherheit der Hunde beim Aufspüren mikrobieller Schäden, was allerdings nach unseren persönlichen Erfahrungen deutlich in Frage gestellt werden muss. Vermutlich nichts auf der Welt hat nur Vorteile, und auch beim Einsatz von Schimmelspürhunden gibt es sicherlich Fehlermöglichkeiten. Im Einzelfall kritisch zu hinterfragen ist z.B.:

  • Wie gut ist ein Hund ausgebildet und wie umfassend wird er ständig weitergeprägt?
  • Wie groß ist der Einfluss des Hundeführers und wie gut kann er seinen Hund interpretieren?
  • Wie geht der Hund mit Schäden an der Zimmerdecke um?
  • Erschnüffelt der Hund wirklich alle Schimmelschäden (immerhin können die Pilze je nach Art und befallenen Materialien sehr unterschiedliche MVOC bilden)?
  • Ist alles, was ein Hund meldet, auch gesundheitlich relevant, werden vielleicht nicht auch einmal minimale Pilzbefälle oder sogar normale Hintergrundmengen angezeigt?
  • Werden nur aktive Befälle, also aktuell wachsende bzw. Stoffwechsel-treibende Schimmelpilze angezeigt oder auch (z.B. schon längst abgetrocknete) Altschäden?
  • Wie genau lässt sich ein Schadensausmaß durch Hunde abschätzen?
  • Welche Erkenntnisse gewinnt man über notwendige Sanierungsmaßnahmen?

Zudem kann auch ein Hund einmal einen schlechten Tag haben, sich vielleicht doch auch von Mülleimern oder Biotonnen irritieren lassen; in manchen Fällen hatten wir den Eindruck, dass schon Altstaubablagerungen z.B. in Sockelleisten den Hund zum Anschlagen brachten – selbst Polizisten verlassen sich im Übrigen bei ihren Sprengstoffhunden nicht immer hundertprozentig auf sein Anschlagen. Wir haben einige Fälle erlebt, wo sich nach Bauteilöffnungen und umfangreichen geeigneten mikrobiologischen Untersuchungen der vom Hund ‚geäußerte‘ Verdacht auf Schimmelbefälle nicht bestätigte.

Fazit

Ob mit Hund oder anderswie, es ist immer abzuschätzen, mit welchen Methoden sich schimmelverdächtige Situationen am sichersten, genauesten sowie effizientesten erfassen und bewerten lassen. Es ist sehr wünschenswert, noch mehr praktische Erfahrungen mit dem Einsatz von Schimmelspürhunden zu gewinnen und die traditionellen Methoden, wenn notwendig und sinnvoll, ohne allzu viel Scheu hierdurch zu ergänzen. Wie bei den technischen MVOC-Analysen sollten auch Schimmelpilz-Spürhunde in der Regel aber nur in Ergänzung zu anderen Methoden oder nach diesen eingesetzt werden. Wir schätzen den Einsatz von Schimmelspürhunden beim jetzigen Kenntnistand zwar meist aufschlussreicher ein als die technischen MVOC-Analysen, meist erbringen die klassischen mikrobiologischen Untersuchungen von Luft-, Oberflächen- oder Materialproben per Kultivierung oder Mikroskopie im Kontext angemessener raumklimatischer und biophysikalischer Messungen tiefere Erkenntnisse sowie genauere Bewertungen und Sanierungsempfehlungen.

Literatur rund um gesundes Bauen und Wohnen: 
➔ Literaturtipps
Seminare und Qualifizierung: 
➔ Baubiologische Messtechnik IBN

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  1. Sehr guter Artikel, vor allem das Fazit. Mir lag genau das beim Lesen des Textes auf der Zunge. Dass ein Hund an Randfugen und Bauteilöffnungen anschlägt, ist ja auch kein Wunder. In den Fällen, in welchen ich nach einem Schimmelspürhund gerufen wurde, wäre eine Vorabuntersuchung mit einem Hund unnötig gewesen. Er zeigte jeweils nur an, dass etwas da ist. Durch eine Partikelsammlung wurde dann klar, was und in welcher Konzentration in der Luft war. Mit Erfahrung in Bauwerksdiagnostik und Bauphysik ist es dann kein Hexenwerk, den Schimmelpilz zu lokalisieren. Wichtig ist dann der tatsächliche Nachweis, die Sporenkonzentration und Bestimmung der Gattung und Spezies. Das kann der Hund nicht leisten.

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