Jeder Einzelfall ist anders und erfordert eine individuelle Betrachtung. In diesem Sinne ist dringend davon abzuraten, ohne genaue Fachkenntnisse Eigendiagnosen zu stellen und selbst Sanierungen durchzuführen! Die eigene Gesundheit kann hierdurch leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Notwendig ist stets eine differenzierte Analyse durch Fachleute wie Baubiologische Messtechniker*innen IBN und daraus abgeleitete fachgerechte Sanierungen.

Häufige Ursachen der Schimmelbildung

Baumängel und -schäden

  • Feuchtigkeit aus dem Baugrund durch Grundwasser und/oder Regenwasser
  • Fehlende Abdichtung und/oder Sperrschicht im Keller oder anderen erdberührten Bauteilen
  • Konstruktive Mängel wie z.B. unkontrolliert eindringendes Wasser über das Dach
  • Leckagen an Rohrleitungen oder Regenrinnen

Bauphysikalische Ursachen

  • Zu geringe Temperaturen an Bauteiloberflächen oder innerhalb von Bauteilen – dadurch kann sich dort hohe relative Luftfeuchtigkeit oder sogar Kondenswasser bilden: flächig durch schlechten U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) und/oder punktuell durch Wärmebrücken (wie z.B. Hausaußenecken, Fensterlaibungen, auskragende Balkone, Heizkörpernischen)
  • Verwendung von Baustoffen, die nicht feuchteausgleichend (= hygroskopisch) sind
  • Falsch ausgeführte Innendämmung (z.B. zu dick, ungeeignete Materialien, Ausführungsmängel). Hinter Innendämmung werden Bauteile kälter und dadurch verschiebt sich die Taupunktebene, also die Ebene, an welcher Wasserdampf ausfällt, weiter nach innen.

Bewohner / Nutzer

  • Falsches Lüftungs- und/oder Heizverhalten:
    • zu geringe Luftwechselraten, also zu wenig bzw. zu seltenes Lüften
    • zu häufiges Herunterregeln der Heizung (z.B. Nachtabsenkung, während der Arbeitszeit, bei Abwesenheit an Wochenenden) und/oder Dauerkippen von Fenstern, dadurch zu starke Abkühlung von Bauteiloberflächen (vgl. „Bauphysikalische Mängel“ oben)
    • Belüften bzw. Beheizen kälterer Räume wie z.B. Schlafräume mit der Luft warmer und/oder feuchter Räume wie z.B. Bad oder Wohnzimmer
    • Belüftung kühler Keller- oder Souterrainräume im Sommer mit warmer (und feuchter) Außenluft, so dass dort die relative Luftfeuchtigkeit ansteigt
  • Überdurchschnittliches Feuchtigkeitsaufkommen durch Duschen, Baden, Kochen, viele Pflanzen (verdunstendes Gießwasser), Haustiere, zu viele Bewohner …

Bei Baumängeln und Bauschäden (vgl. „Baumängel und -schäden oben“) dringt in der Regel flüssiges Wasser in die Bausubstanz ein, was meist eindeutig festgestellt werden kann. Bei den anderen Ursachen führt der in der Luft enthaltende Wasserdampf zum Schimmelwachstum, hier gibt es meist ein Zusammenwirken bauphysikalischer Ursachen (vgl. „Bauphysikalische Mängel“ oben) mit dem Nutzerverhalten (vgl. „Bewohner / Nutzer“ oben): So kann z.B. manchmal Schimmel an wärmedämmtechnischen Schwachstellen erst durch ein zusätzlich falsches Nutzungsverhalten der Bewohner entstehen, in anderen Fällen durch darauf abgestimmtes Heiz- und Lüftungsverhalten aber auch verhindert werden. 

(1) Extrem hohe Luftfeuchte, Tauwasser an den Fensterscheiben – hier ist Schimmel vorprogrammiert
(2) Typische Schimmel-Situation im Bereich einer Gebäudeaußenecke (= Wärmebrücke) hinter den Sockelleisten
(3) Fachgerechte Schimmelsanierung in Schutzkleidung, Feinstaubmaske und Industriestaubsauger mit HEPA-Filter
(4) Schimmel hinter nicht fachgerecht angebrachter Innendämmung aus Polystyrol
Quelle Bilder 1 bis 3: Klaus Methner, Baubiologischer Messtechniker IBN

Mögliche Folgen

  • Gesundheitsrisiko durch giftige Pilze, deren Sporen, Allergene und Gifte (= Mykotoxine). Mögliche Krankheitsbilder sind insbesondere Atemwegserkrankungen, Asthma, Allergien, Haut- und Schleimhautschäden, unter Umständen auch Lungeninfektionen, Mykosen, Organschäden, Beeinträchtigungen des Immun- und zentralen Nervensystems oder Krebs. Auch ein schlechtes Raumklima mit z.B. kalten Wänden kann Krankheiten auslösen, z.B. Rheuma, Gicht, Erkältungskrankheiten oder Sinusitis (oft auch chronisch)
  • Unangenehme Gerüche – deren negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden werden meist unterschätzt
  • Günstige Bedingungen für Insekten, Bakterien, Milben (ebenfalls Krankheitserreger)
  • Zerstörung von Bausubstanz (Aktivierung von Salzen, Frost, Pilze, Korrosion, Insekten), auch von Möbeln, Bücher, Akten, Kleidung u.a.
  • Höherer Heizbedarf, da sich durch erhöhte Mauerwerksfeuchtigkeit die Wärmedämmung verschlechtert

Wichtige Tipps

  • Schimmel ist insbesondere für Laien oft nicht sichtbar und kann nur durch bestimmte von Fachleuten angewandte Methoden (z.B. Mikroskopie, Bauforensik) sichtbar gemacht werden. Oft sind zur Einschätzung von Schadensausmaß und Sanierungsaufwand mikrobiologische Untersuchungen nötig
  • Feuchtigkeits- und Schimmelprobleme sind nicht selten sehr komplex und können oft nur durch unabhängige Sachkundige ( z.B. Baubiologische Messtechniker*innen IBN, Bausachverständige, erfahrene Fachfirmen) hinreichend beurteilt bzw. saniert werden. Geeignete Adressen sind bei Baubiologischen Beratungsstellen IBN oder beim IBN direkt erhältlich
  • Ursachen möglichst immer langfristig wirksam beheben. Kurzfristige Bekämpfung des Schimmels (z.B. mittels sog. „Schimmelentferner“) führt auf Dauer selten zum Erfolg und birgt das Risiko bleibender Gesundheitsschäden 
  • Oft ist es sinnvoll, schrittweise vorzugehen, d.h. zunächst einfache und preisgünstige Maßnahmen zu ergreifen, wie z.B. ein besseres Lüftungs- und Heizverhalten (siehe Maßnahmen durch Bewohner). Sollten diese nicht zum gewünschten Erfolg führen, sind bauliche Maßnahmen meist unabwendbar. Eine Außendämmung kombiniert mit dem Einbau neuer Fenster reduziert nicht nur das Schimmelbildungsrisiko erheblich, sondern mindert auch den Heizenergieverbrauch und verbessert das Raumklima
  • Der Befall durch Bausubstanz zerstörende Pilze wie den Hausschwamm erfordert besondere Maßnahmen, auch aus statischen Gründen; dafür sind spezialisierte Fachleute bzw. hierfür zugelassene Firmen zuständig
  • Immer sollte geklärt werden, ob bei einer Schimmelpilzsanierung eine medizinische Begleittherapie und -betreuung erforderlich ist. Behilflich sind bei der Vermittlung von z.B. Umweltmedizinern u.a. Baubiologische Messtechniker*innen IBN

Möglichkeiten bzw. Maßnahmen der Sanierung und Vorbeugung

Um die Verbreitung von Schimmel zu vermeiden, sollte man generell rasch sanieren.

Behebung von Baumängeln, Bauschäden und bauphysikalischen Schwachstellen

  • Abdichten gegen drückendes Wasser (z.B. Sperrschicht, Dichtungsschlämme, Drainage, wasserführende Rollkiesschicht, Behebung konstruktiver Mängel, Sanierputz)
  • Sanierung von Rohrleckagen
  • Verbesserung der U-Werte von Außenbauteilen und Fenstern, Wärmebrücken vermeiden.Vorsicht: Ohne Klärung durch kompetente Baufachleute nicht einseitig Fenster abdichten oder neue Fenster(scheiben) einbauen! Dadurch kann sich der Taupunkt auf andere Schwachpunkte (z.B. Fensterlaibungen, Hausecken) verlagern und dort zu Schimmel führen. I.d.R. wird es immer sinnvoll sein, Fenster nur dann auszutauschen, wenn zugleich die Wärmedämmung der Außenwände und gegebenenfalls auch der Dächer verbessert wird
  • Innendämmung (auch sog. Thermotapeten) entfernen, sofern nicht hygroskopisch und diffusionsfähig; abdichtende Farben/Tapeten entfernen

Schimmelbeseitigung

  • Schimmelbefallene Materialien fachgerecht beseitigen (z.B. Tapeten, Gipskarton, je nachdem Putz, porös gewordenes Mauerwerk) und leicht ausbaubare Bauteile (z.B. Fußböden, Holzverschalungen, Innendämmung) komplett entfernen. Nicht ausbaubare Materialien oberflächlich abtragen/abhobeln; dabei auf Personenschutz (z.B. FFP2-Atemschutzmaske) achten und Verteilung von Pilzgeweben und -sporen vermeiden (z.B. durch Folienabschottung, bei kleinen Befällen auch durch dauerhaft begleitendes Absaugen mit Mikrofilter-Staubsauger)
  • Falls nicht zeitnah saniert werden kann, schimmelbefallene Flächen mit Folien abkleben oder bei größeren Schäden Räume nicht mehr nutzen
  • Oft ist nach Schimmelentfernung eine zügige und fachgerechte Trocknung durchfeuchteter Bauteile empfehlenswert/nötig (dabei Saugverfahren bevorzugen; wegen Freisetzung erheblicher Mengen an Wasserdampf keine gasbetriebenen Bautrockner und wegen unkontrollierter Verteilung von Schimmelsporen keine Gebläseheizungen einsetzen)
  • Begleitend zu Schimmelbeseitigung und Trocknung u.U. Einsatz von HEPA-Luftfiltergeräten
  • Ablagerungen von Schimmelsporen, -allergenen, -toxinen, -reizstoffen… (so genannte Sekundärkontaminationen) im betroffenen Raum oder Gebäude durch Feinreinigungsmaßnahmen beseitigen: Absaugen mit geeignetem Staubsauger mit HEPA-Filter oder H-Klasse-Industriesauger bzw. Abwaschen mit gut fettlösenden Reinigungsmitteln (Wischwasser und Tücher häufig wechseln). Durch Staubsauger ohne entsprechende Mikrofilter können Pilzsporen verwirbelt und im ganzen Haus verteilt werden! 
  • Desinfektionsmaßnahmen sind in aller Regel überflüssig und unsinnig, da es nicht darum geht, Schimmelpilze abzutöten, denn auch abgetötete Schimmelpilze können allergische und reizende Wirkung haben – entscheidend ist das Entfernen aller Schimmelgewebe, -sporen, -allergene, -toxine, -reizstoffe… Falls vorübergehend bis zu fachgerechten Sanierungen oder an feuchtetechnisch nicht sanierbaren Stellen doch desinfiziert werden soll, ist 70-80 %iger Alkohol (bei großen Mengen und schlechter Belüftung Feuer- und Explosionsgefahr!) oder 10-30 %iges Wasserstoffperoxid geeignet (Schutzbrille und –handschuhe tragen!). Die Verwendung fungizider, also pilztötender Wirkstoffe aufgrund gesundheitlicher Risiken hingegen unbedingt vermeiden. Essig oder Essigessenz ist allenfalls zum Abwischen glatter nicht hygroskopischer, also saugender Oberflächen geeignet. An mineralischen Baustoffen wird Essig durch chemische Reaktionen neutralisiert und unwirksam

Schimmelvorbeugung

  • Luftfeuchtigkeit mit Hygrometer regelmäßig kontrollieren. Je niedriger die Raumluftfeuchte ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit von Kondensationsproblemen und Schimmelbildung. Spätestens ab 60 % relativer Luftfeuchte stärker lüften, bei Vorhandensein kühle Bauteile im Winter auch schon bei 40-50 %. Reicht Lüften nicht aus (was vor allem im Sommer in unterirdischen Räumen der Fall sein kann), Luftentfeuchter einsetzen (aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs sollten diese nur vorübergehend eingesetzt werden) 
  • Je wärmer Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen (10 °C: 9,4 g/m³, 20 °C: 17,3 g/m³, 25 °C: 23,1 g/m³). Beim Aufheizen kalter Außenluft wird Feuchtigkeit aus Baustoffen etc. aufgenommen. Hieraus resultierendes richtiges Lüftungsverhalten: Bei kühler Witterung öfter am Tag einige Minuten mit weit geöffneten Fenstern und Türen querlüften – je kälter und trockener die Außenluft ist, desto kürzer können die Lüftungszeiten sein. Im Sommer ist es an schwülheißen Tagen insbesondere in Keller- und Souterrainräumen sinnvoll, nicht tagsüber, sondern vorrangig spätnachts bzw. frühmorgens zu lüften 
  • Wichtig ist das Lüften vor allem nach dem Duschen, Baden, Kochen, Putzen…
  • Vor allem nachts im Schlafzimmer für Luftaustausch sorgen (z.B. Fenster kippen oder Tür zu ausreichend temperierten Nebenräumen auf – vgl. „Bewohner / Nutzer“ oben), da der Mensch durch Atmung und Schweiß viel Feuchtigkeit abgibt (~ 0,5 Liter je Person!) 
  • Zuluftelemente in Fenster, dezentrale oder zentrale Lüftungsanlage bzw. Dunstabzug/Abluftventiltor in Bad und Küche einbauen
  • Im Winter ausreichend heizen, idealerweise mit Strahlungsheizungen wie Wandheizungen, Fußleistenheizungen oder „echten“ Kachel- und Grundöfen.
  • Hinterlüftung von Inneneinrichtungen, Schränken usw. an Außenbauteilen wie Außenwänden ermöglichen (Abstand ≥ 10 cm); ggf. Wandbilder etc. entfernen

Autoren dieses Beitrags:

  • Winfried Schneider, Architekt und Leiter des IBN
  • Wolfgang Maes (✝), Baubiologischer Messtechniker IBN, Journalist DJV
  • Dr. Manfred Mierau, Dipl.-Biologe, Sachverständiger für Baubiologie

Weitere Informationen:

Literaturtipps:

Baubiologische Beratungsstellen IBN – auch in Ihrer Nähe!
beratungsstellen.baubiologie.de
Wie werde ich Baubiologe/in IBN?
fernlehrgang.baubiologie.de

Leser-Interaktionen

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  1. Sehr geehrter Herr Schneider!
    Diesen Artikel würde ich gerne meinen Mietern in gedruckter Form geben. Gibt es eine Möglichkeit diesen Artikel auszudrucken?
    Vielen Dank.
    Mit freundlichen Grüßen
    Bernhard Schels

  2. Es wäre falsch, den Essig bei der Schimmelsanierung komplett zu verteufeln. Essig ist in einigen Bereichen und bei anschließendem ,richtigen‘ Materialaufbau durchaus erfolgreich einsetzbar.

  3. Bitte KEINEN Essig gegen Schimmelpilze einsetzen !!!!
    Dieser falsche Tip ist offensichtlich unausrottbar.
    Schimmelpilze lieben es sauer. Denken sie an
    verschimmelte Zitronen/Orangen, die man im
    Kühlschrank vergessen hat.

    • Liebe Frau Anne Dietz,
      vielen Dank für Ihren Kommentar, zu dem wir Ihnen vollkommen recht geben. Er hat uns gezeigt, dass die entsprechende Textstelle nicht klar genug formuliert war und so konnten wir nun entsprechend nachbessern.

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