Wer ein Haus baut oder saniert, möchte meist ein gutes Raumklima schaffen. Damit dies auch zuverlässig gelingt, müssen versteckte Schadstoffe rechtzeitig erkannt und neue Problemstoffe in Baumaterialien vermieden werden. 

Es ist inzwischen allgemein anerkannt, dass in Innenräumen zahlreiche Einflüsse auf die Bewohner einwirken. Neben den selbstverursachten Problemstoffen wie z.B. aus Kerzen, Kaminöfen, Kochdünsten oder auch nur eigenen Stoffwechselprodukten, können auch Emissionen aus Baustoffen oder elektrische Felder zu Beeinträchtigungen der Gesundheit und Lebensqualität im Gebäude führen.

Innenraumklima
Schaubild Innenraumklima

Achtung bei alten Häusern!

Bei Sanierungen von alten Häusern ist besondere Vorsicht geboten. Im Gebäude können sich an verschiedensten Stellen gesundheitsschädliche Schadstoffe verbergen, die erst durch Bauarbeiten freigesetzt werden. Wenn z.B. alte Holzbalken oder Dielenböden geschliffen, gesägt oder sandgestrahlt werden, können giftige Holzschutzmittel, wie z.B. Pentachlorphenol (PCP) freigesetzt werden. PCP wirkt auf den Menschen als Nervengift und wurde daher in den 80-er Jahren für den Einsatz in Holzschutzmitteln verboten. 

Aber auch mineralische Materialien, wie Fliesenkleber, Putze oder zementbasierte Platten können Schadstoffe enthalten. Hier findet sich oft Asbest, ein lungengängiges Mineral, welches Krebs und Lungenvernarbung auslösen kann. Um die Freisetzung von Asbestfasern zu vermeiden, braucht es vor Ort eine gewissenhafte Vorabklärung. Soweit asbesthaltige Bauteile nicht während eines Umbaus beschädigt werden, werden i.d.R. auch keine Asbestfasern freigesetzt. 

Weitere Schadstoffe, wie z.B. Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Schwermetalle können sich in Anstrichen (z.B. auf dem Kellerboden oder Metallteilen) oder in Schlackefüllungen von Holzbalkendecken finden. Auch hier gilt, dass meist erst das durch das Öffnen und Bearbeiten solcher Bauteile eine Belastung des Innenraumes erfolgt.

(1) In Hohldecken können sich schwermetallhaltige Schlacken verbergen
(2) Erst wenn die Bauarbeiten beginnen, wird Asbest aus Bauteilen freigesetzt
(3) Die alte Scheune war mit giftigem PCP-haltigen Holzschutzmittel getränkt
(4) Bitumenhaltige Kleber können vor allem auch bezüglich ihrem Geruch störend sein

Problem Dichtigkeit

Bei Modernisierungen alter Häuser steht meist eine energetische Verbesserung der Gebäudehülle im Mittelpunkt. Neue Dämmungen reduzieren die Wärmeverluste und eine bessere Dichtheit der Hülle reduziert das Risiko der Tauwasserbildung in den Bauteilen sowie die Zugluft. Durch die verbesserte Dichtheit können aber Ausdünstungen aus vorhandenen Schadstoffen im Innenraum, wie z.B. aus Teerklebern oder Abdichtungen (PAK) plötzlich schlechter ablüften und sich in der Raumluft anreichern. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, im Rahmen von energetischen Sanierungen immer auch die Belastungssituation der Raumluft zu erfassen. 

Neue Problemstoffe

Aber es müssen nicht unbedingt nur die „alten“ Schadstoffe sein, die den Bewohnern das Leben schwer machen. Oft genug werden erst mit einer Sanierung oder durch neue Materialien Schad- und Problemstoffe in das Gebäude gebracht. Gerade in der Fertigstellungszeit von Baumaßnahmen wird das Raumklima sehr stark durch flüchtige Verbindungen (VOC) aus z.B. aus Lacken, Farbanstrichen, Klebern und Kunststoffen belastet. Wenn also mit geruchs- und schadstoffhaltigen Materialien gearbeitet wird, sollte unbedingt eine mehrmonatige Auslüftungszeit eingeplant werden. Doch in der Regel wollen die Bauherren bereits wenige Tage nach der Fertigstellung in das Gebäude einziehen und setzen sich so ausgerechnet der intensivsten Schadstoffbelastung aus. Wissen sollte man zudem, dass einige Schadstoffe auch über viele Jahre auftreten können. 

(5) Alte Dielenböden sind schön, können aber hohe Belastungen mit Holzschutzmitteln aufweisen
(6) Beim Ausbau wurde belastetes Holz entfernt oder versiegelt und es wurden neue unbelastete Hölzer eingebaut

Umsicht statt Panikmache

Laien können angesichts der Vielzahl an Schad- und Problemstoffen am Bau schnell den Überblick verlieren. Immerhin bietet die chemische Industrie weit über 100.000 synthetische Verbindungen, die nicht nur in Baustoffen, sondern auch in Putz- und Reinigungsmitteln, Hygiene- und Körperpflegeprodukten anzutreffen sind. Dennoch muss niemand in Alarmismus oder Panik verfallen.

Es benötigt lediglich einen aufmerksamen Blick und den ernsthaften Willen, im Bestandsgebäude vorhandene Schadstoffe frühzeitig zu erkennen und gewissenhaft zu sanieren. Bei Neubauten und Modernisierungen kann es helfen, Produkte nicht nur in Hinblick auf ihre technischen Eigenschaften, ihre Verarbeitbarkeit und den Preis auszuwählen, sondern auch ökologische Auswirkungen (Umwelt, Gewässer, Flora, Fauna) und gesundheitliche Risiken (im Gebäude und/oder bei der Verarbeitung) im Blick zu haben. 

Im Zweifelsfall sollten nur Produkte zum Einsatz kommen, bei welchen ALLE Inhaltsstoffe bekannt sind und somit unangenehme Überraschungen ausgeschlossen werden können. Auch sollten allfällige Emissionen nicht erst NACH der Baumaßnahme am unangenehmen Geruch erkannt werden, sondern bereits im Vorfeld. Es empfiehlt sich daher, niedrige Emissionen im Innenraum bereits bei der Auftragsvergabe als Ziel der Baumaßnahme verbindlich zu vereinbaren. Nur so ist es möglich, rechtzeitig alle Problemstoffe, wie z.B. Montageschäume, elastische Fugenmaterialien, Anstriche und Kleber mit leicht- und/oder schwerflüchtigen Lösemitteln aus der Baustelle zu verbannen.

Gesundheit im Gebäude

Bei der Beurteilung und Erkennung von Schadstoffen im Gebäude sowie bei der Vermeidung problematischer Baumaterialien helfen ausgebildete Baubiolog*innen. Durch geeignete planerische und bauleitende Begleitung kann die Gesamtbelastung maßgeblich reduziert werden. Zur Bewertung allfälliger Belastungen können messtechnische Untersuchungen und die Richtwerte des „Standard Baubiologischer Messtechnik“ (SBM) zu Rate gezogen werden.

Es ist längst an der Zeit, dass neben Optik, Kosten und Terminen auch die Gesundheit (im Gebäude) zu einem planerischen Ziel beim Bauen wird.

FaGeWo+

Dieser Beitrag wird Ihnen zur Verfügung gestellt von:
Fachvereinigung Gesundes Wohnen Schweiz FaGeWo+
8000 Zürich, Schweiz
gesund-wohnen.ch
sekretariat@gesund-wohnen.ch

Literaturtipp:

Ökologische Altbausanierung

Weitere Literaturtipps:

Weitere Beiträge, die Sie interessieren könnten:

Fernlehrgang Baubiologie IBN – jetzt informieren
fernlehrgang.baubiologie.de
Baubiologische Beratungsstellen IBN – auch in Ihrer Nähe!
beratungsstellen.baubiologie.de
Seminare und Qualifizierung:
Baubiologische Messtechnik IBN

Leser-Interaktionen

Ihre Meinung ist uns wichtig

  1. fundiert und angenehm zu lesen, wie immer bei Christian Kaiser 🙂
    Auch die gezeigten Bilder seiner umgesetzten Projekte sind schön und informativ beschrieben.

    Danke.

Schreibe einen Kommentar zu Achim+Pilz Antworten abbrechen

Kommentare (Meinungen, ergänzende Informationen und Hinweise, max. 3.000 Zeichen) werden moderiert und erscheinen nicht sofort. Bitte bleiben Sie konstruktiv und höflich. Bitte platzieren Sie hier keine Werbung. Bitte richten Sie Ihre Fragen direkt an die Autoren (siehe Autorenfeld). Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.