ANTWORT

Sie können grundsätzlich davon ausgehen, dass in Gebäuden aus den 60er, 70er und Anfang der 80er Jahre eine Vielzahl unterschiedlicher Schadstoffe verbaut sind, das betrifft besonders die Fertighäuser. Durch die Möglichkeit der Vorfertigung einzelner Bauelemente wurden herkömmliche massive Baustoffe gegen behandeltes Holz und künstlich hergestellte Plattenwerkstoffe ersetzt. Die Fassaden wurden häufig mit Asbestzementplatten verkleidet. Weiterhin fand dieses kanzerogene (krebserzeugende) Material seinen Einsatz im Bereich der Abdichtungsmaterialien, Fußbodenbeläge, Kleber und Leichtbauplatten. Asbest ist in Deutschland seit 1993, in der EU seit 2005 verboten.

Durch den Einbau von Spannplatten, die unter Verwendung eines Bindemittels (Kunstharze auf der Basis von Harnstoff-, Melamin-, Phenol-Formaldehydharzen) hergestellt wurden, können auch nach mehreren Jahrzehnten deutlich erhöhte Raumluftkonzentrationen von Formaldehyd in der Innenraumluft nachgewiesen werden.

Durch die mit Holzschutzmitteln behandelten statischen Holzbauteile, Wandverkleidungen und Holzvertäfelungen können sich eine Vielzahl von Holzschutzmittelwirkstoffen wie PCP (Pentachlorphenol), Lindan, DTT und Permethrin in der Raumluft oder im Hausstaub anreichern. Die Liste der potenziellen Schadstoffe in Fertighäusern ist lang. Weitere typische sind: Weichmacher, Flammschutzmittel, PCB (Polychlorierte Biphenyle), Pyrethroide und PAK´s (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). PAK´s können in Anstrichen, Abdichtungen sowie in Klebern für Parkett enthalten sein.

Durch Undichtigkeiten sowie einer unzureichenden Luftdichtigkeitsschicht der Gebäudehülle kommt es häufig zu einem mikrobiellen Befall durch Schimmelpilze und Bakterien.

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Zunehmend häufen sich die Probleme durch geruchsintensive Stoffe (z.B. Chloranisole). Die Stoffgruppe der Chloranisole sind Verbindungen, die bisher hauptsächlich als Verursacher des Korktons in Wein einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden. Werden sie in die Luft freigesetzt, machen sie sich durch einen schimmelig-muffigen Geruch bemerkbar. Dieser hat dazu beigetragen, dass Chloranisole seit kurzem auch mit dem teilweise intensiven Eigengeruch von Fertighäusern älterer Bauart in Verbindung gebracht werden.

Dieser typische „Fertighausgeruch“ ist oftmals so penetrant, dass er in der Kleidung der Bewohner “hängen bleibt” und noch längere Zeit nach Verlassen des Hauses an der Person wahrnehmbar ist. Ein solcher unangenehmer Geruch kann von den Bewohnern als Belastung empfunden werden und Unwohlsein auslösen, auch wenn eine toxikologisch basierte Gesundheitsgefährdung nicht gegeben ist.

Auf Grund dieser Aspekte sollte der Kauf eines älteren Fertighauses reiflich überlegt werden, da die Sanierungskosten den eigentlichen Wert des Gebäudes schnell übersteigen können. Eine Gebäudediagnostik inkl. aller notwendigen Raumluftuntersuchungen wird vor dem Erwerb der Immobilie dringend empfohlen. 

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Diese Frage beantwortete Ihnen René Werner, Baubiologe IBN in 21357 Bardowick

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