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Am 27. April 2018 veredelten zehn Finalisten bis zu 11 m2 große Wände in einem Baudenkmal mit grobem und feinem Putz sowie Lehmfarbe. Eine kompetente Fachjury vergab vier Preise im Warenwert von 10.000,– €.

Der Lehmhersteller Claytec hat 2018 zum ersten Mal zu einem Wettbewerb Oberflächenwerkstatt Lehmputz geladen. Knapp 80 Gestaltungsvorschläge kamen aus dem deutschsprachigen In- und Ausland. Alle leuchteten die vielfältigen Aspekte des Baustoffs Lehm leidenschaftlich aus. Interessant zu erleben war, auf wie viele unterschiedliche Art und Weise Plastizität, mineralische Farbigkeit und natürliche Zusatzstoffe kombiniert und akzentuiert werden können.

Eine kompetente Jury aus neun Spezialisten – Gestalter, Architekt, Handwerker, Unternehmer, Hersteller oder Publizist – bewertete ästhetische Qualität, innovative Technik und einfache Anwendbarkeit. Die besten Zehn der Vorrunde kamen weiter. Die meisten sind gestaltende Handwerker, aber auch eine Hochschulabsolventin, eine frisch gebackene Malermeisterin und ein Designer hatten es in die Endrunde geschafft. Sie wurden in das 110 Jahre alte Baudenkmal Zieglerhaus auf der Produktionsstätte am „Alten Ringofen“ in Viersen eingeladen.

Am 27. April war es dann für die Finalisten so weit, das zum Wettbewerb eingereichte kleine Muster raumhoch auf die bis zu 11 m2 großen Wandflächen zu bringen. Würden sie ihren Entwurf handwerklich unter Realbedingungen umsetzen können? Würde er ästhetisch auch im Raum überzeugen? Mit gegenseitiger Wertschätzung und große Kollegialität machten sie sich an die Umsetzung. Bei der Präsentation fragte die Fachjury zudem die gestalterische Intention, die anvisierte Zielgruppe und die Einsatzmöglichkeiten ab.

Schließlich vergab sie einen ersten und zwei zweite Preise sowie einen Sonderpreis für herausragende künstlerische Gestaltung im Warenwert von insgesamt 10.000,– €.

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Sieger mit archaischer Erdigkeit

Thomas Glück von der Firma Glück (Maler- und Stuckateur, lehmbau-glueck.de) sowie baubiologischer Fachbetrieb aus dem Schwarzwälder Lauterbach erhielt den ersten Preis.

Er realisierte eine raue, sehr lebendig wirkende Arbeit, mit einer Tendenz zum Rustikalen. Der auch mit massivem Stampflehm routiniert arbeitende Lehmbauer hatte eine sehr plastische Gestaltung gewählt. Mit grobem Lehmputz in einem ästhetischen Anthrazitton und goldgelben Strohfasern (Claytec Lehmfarbputz grob) gestaltete er die Längswand eines relativ kleinen, hellen Wintergartens. Dabei setzte er die rustikale Putzfläche von Seitenwänden und Decke ab. Er arbeitete mit einer Putzmaschine, aber betonte, er hätte die gut 5 m2 große Fläche auch von Hand anwerfen können. Er wolle jedoch zeigen, dass auch professionelles Werkzeug schnell einsatzbereit ist. Innerhalb von kürzester Arbeitszeit setzte er seinen Beitrag um. Allerdings hatte er die längsten Trocknungszeiten. Schon am Abend vorher spritzte er die erste Schicht auf. Insgesamt trug er im unteren Bereich der Wand zirka vier Zentimeter Material auf, zur Decke hin waren es etwa zwei Zentimeter weniger. „Das habe ich vom Stampflehm gelernt“, erklärt er. „Die Wand wirkt massiver, wenn sie oben etwas zurückweicht.“ Anders als die meisten übrigen TeilnehmerInnen hatte er einen Anschluss zu meistern.

(1) Archaische Kraft: erster Platz für Thomas Glück (links). Seine Klimawand veredelt den Wintergarten ästhetisch und klimatisch, Bild: Michael Willhardt / Mai
(2) Bei der Präsentation seines Entwurfs zeigte der Lehmspezialist auch eine Realisierung für den Verkostungs-Gewölbekeller einer Winzergenossenschaft auf 400 m2 Wandfläche, Bild: Michael Willhardt / Mai
(3) Detail des bis zu vier Zentimeter starken Lehmputzes, den Glück mit einer Maschine aufspritzte, Bild: Achim Pilz

Das kleine Fenster im Wintergarten hatte er abgeklebt und die Abklebung im noch feuchten Zustand entfernt, so dass er einfach nacharbeiten konnte. Mit dem Spachtel verprasste er den sich lösenden Putz wieder. Am nächsten Tag spritzte er weiteren Oberputz auf, stellenweise erhaben. Nach dem Antrocknen und Ansteifen des Putzes arbeitete er mit der Kelle nach und riss stärker erhöhte Bereiche ab um das Bild zu vereinheitlichen. So reduzierte er die Bewegung des Putzes in der Tiefe und egalisiert ihn.

Der dunkle, anthrazithfarbene Ton wirkt in dem hellen Raum kontrastreich und passt gut zu den historischen Verglasung. Wie ein Wandrelief ragt die Arbeit in den Raum, deutlich gerahmt von glatten, hellen Putzflächen. Auf dem Boden steht die Fläche und wirkt so wie eine Ablagerung, eine natürliche Setzung. Ihre Schwere und Massivität ist gut wahrzunehmen. Der zwischen zwei und vier Zentimeter stark aufgetragene Putz hat zudem ein großes Vermögen, Luftfeuchte zu puffern. Diese Klimaaktivität betonte der professionelle Lehmbauer bei der Präsentation. Diese klimaaktive Gestaltung hatte er für den Verkostungs-Gewölbekeller einer Winzergenossenschaft auf 400 m2 Wandfläche schon einmal realisiert.

(4) Florales Ornament: Tapete als Druckvorlage von Alexander Tuchofen
(5) Zurückhaltende Plastizität: Peter van Hemert kombiniert klassisches Malerwerkzeug
(6) Lässige Handschrift: Roland Klima öffnet raue Lagerspuren
Bilder: Achim Pilz

Weitere Finalisten

Die Arbeiten der übrigen drei PreisträgerInnen werden demnächst vorgestellt. Weitere Gestaltungen waren das florale Ornament des Vorarlberger Alexander Tschofen von „Alex Malerkiste“. Für seinen schnellen Vintagelook funktionierte er eine Textiltapete zur Druckform um.

Der Niederländer Peter van Hemert von Ecowohnen strukturierte einen Feinputz zuerst mit einer Musterwalze und verschlichtete nach dem Anziehen des Putzes die Oberfläche mit dem Besen. So stellte er eine harmonische, horizontale Rillenstruktur her.

Der österreichische Baumeister Roland Klima von KlimaBau schließlich gestaltete eine Fläche mit dunklem Feinputz indem er die Oberfläche nach dem Antrocknen mit der Kelle aufriss und so die Körnigkeit des Materials hervorhob.

Alle Gestaltungen zeigten, dass sich nachhaltiger Lehm mit seinen vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten geradezu für eine individuelle Ästhetik anbietet. Alle Arbeiten bleiben als Musterausstellung erhalten und können vor Ort besichtigt werden.

Aus Fachzeitschrift WOHNUNG+GESUNDHEIT Nr. 169 – mehr erfahren

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