Die letzten Monate war ich die meiste Zeit im oder um unser neues Ownhome. Meine Frau ist als Yogalehrerin viel unterwegs. Etwa die Hälfte der Zeit leben wir zu zweit im Haus.

Wasserkreislauf und Gleichstrom

Der Badeofen war bis zu einer Außentemperatur von 0 °C ausreichend. Allerdings war es dann schon nicht mehr ganz so gemütlich, da schaffte er noch zwischen 18 °C und 20 °C Innenraumtemperatur. Seit Anfang Januar habe ich deshalb einen Heizkörper zentral im Raum und einen im Bad mit dem Wärmetauscher des Ofens verbunden. So kann ich auch bei Minusgraden auf bis zu 25 °C Wohlfühltemperatur hochheizen. Das Phase-Changing-Material (PCM) im Wärmepuffer speichert die Wärme bei 21 °C. Es besteht aus zwei unterschiedlichen Salzhydraten, die bei 21 °C auskristallisieren. Wenn ich morgens für eine Stunde den Badeofen anheize, dann reicht das nicht nur für eine warme Dusche, es hält auch den Innenraum bis zum nächsten Tag angenehm warm. Plötzlich geht es nicht mehr darum, Wasser zu sparen. Ganz im Gegenteil, mit bestem Gewissen kann ich bis zu 20 min. langes Duschen genießen, da ja die 100 l Wasser aus dem Boiler nicht verbraucht werden. Sie werden nur gebraucht und bleiben im kleinen, übersichtlichen Kreislauf. Eine gewisse Menge an Wasserdurchsatz ist sogar erwünscht, um die feuchte Wohlfühlatmosphäre für die Bakterien in der Pflanzenkläranlage auf der Westseite des Hauses aufrecht zu erhalten.

Beim Strom sieht es bisher ganz ähnlich aus. Da wir uns von der Erzeugung über die Speicherung bis zu den Verbrauchern für ein Gleichstromkonzept entschieden haben und nur wenige Geräte mit geringem Verbrauch nutzen, haben wir selbst bei bewölktem Himmel zur Zeit täglich noch Überschuss. Unsere Dauerverbraucher sind die Teichpumpe mit 50 Watt, die Lüftung mit 6 Watt und die UV Entkeimung mit 21 Watt. Dazu kommen dann der Kühlschrank, die Wasserpumpen, die Beleuchtung und die elektronischen Geräte. Wenn ich den Schnee von den Modulen räume, kann ich selbst an kurzen, sonnenfreien Wintertagen noch ca. eine kWh Strom ernten. Für den Notfall gibt es auch unser Notstromaggregat, das per Fahrrad angetrieben wird.

(1) Selbst gezogenes Gemüse aus der aquaponischen Anlage
(2) Blick aus dem Wohnzimmer in die Küche
(3) Einmal Anfeuern beschert 20 min. Duschvergnügen
(4) Ganz ohne Wasser kommt die Trocken-Trenn-Toilette aus
(5) Platz spart die Kombination aus Treppe und Schrank
(6) Beleuchtung mit selbst geerntetem Gleichstrom – ein zur Realität gewordener Traum

Trocken-Trenn-Toilette

Da wir ein Null-Abwasser-Konzept umsetzen wollten, haben wir uns für eine Kompost-Toilette oder auch Trocken-Trenn-Toilette (TC) entschieden. Wenn wir das Wort Kompost-Toilette hören, dann assoziieren wir das oft mit dem penetrant riechenden „Plumps-Klo“ aus vergangenen Tagen. Eine moderne Kompost-Toilette hat damit aber gar nichts zu tun und ich glaube, dass nur durch neue Erfahrungen diese alten Eindrücke verändert werden können. Zumindest ging es mir so. Die TC ist deutlich angenehmer und geruchsärmer als jedes WC. In Verbindung mit dem wohltuenden Wissen, die Kreislauf zerstörende Technologie des WC’s wieder gesundend zu schließen, können selbst banale Verrichtungen richtig Freude bereiten. Über das feste Material wird eine Mischung aus Pflanzenkohle und Pflanzenfasern gestreut, um dadurch den Fermentationsprozess noch etwas zu beschleunigen. Alle ca. vier Wochen tausche ich den Behälter aus. Nach weiteren vier Wochen Fermentierzeit im Behälter landet der Inhalt bei uns auf einem separaten Kompost, um dort für mindestens ein Jahr zu verweilen, bevor er wieder in den natürlichen Kreislauf zurückkommt. An dieser Stelle möchte ich alle, die mit dem Gedanken einer Kompost-Toilette spielen, zu diesem Schritt ermutigen.

Essenzielle Ausstattung

Beim Einzug habe ich mir vorgenommen, dass mich bis zu 200 Gegenstände begleiten dürfen. Da ich vorher in einem riesigen Bauernhaus lebte, war das eine gewaltige Veränderung mit spürbaren Folgen. Nach dem Spülen der gläsernen Teekanne stellte ich diese etwas unachtsam in das Trockengitter. Sie stürzte ab und ging kaputt. Das machte mich richtig traurig und ich wunderte mich, dass es mich mehr berührte, als ich das bisher von mir kannte. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich zu den wenigen ausgewählten Dingen eine besondere Beziehung aufgebaut habe. Meine Wertschätzung für die einzelnen Gegenstände ist mit dem Sinken der Anzahl der Dinge deutlich gestiegen. Auch die Wertschätzung für die selbst angebauten Lebensmittel ist natürlich eine ganz besondere. In unserem Folienhaus mit der kleinen aquaponischen Anlage gediehen die unterschiedlichsten Tomaten, Gurken und Kräuter auf ca. 18 m2 Fläche. Zusammen mit den Hochbeeten im Garten kann ich so ca. 50 % meines Verbrauchs selbst abdecken. Mein bisheriges Fazit. Das Leben im ownhome hat nichts mit Verzicht zu tun, ganz im Gegenteil ist es eine Bereicherung in Bezug auf Lebensqualität und Lebenszeit. Die Unabhängigkeit im Bereich von Energie und Wasser und der Anbau von eigenen Lebensmitteln sind ideale Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben. Ich fühle mich richtig wohl.

Literaturtipps:

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