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Nach 14 Jahren Nutzung war es Zeit, die selbst gebastelte Garderobe durch eine professionell ausgeführte zu ersetzen und in diesem Zuge auch die Küche zu vergrößern. Der Tresen wurde versetzt und so kamen auf dem Industrieparkett aus Eichenholz die hellen Kreise zum Vorschein, Flächen auf denen die Füße des alten Tresen gestanden hatten. Zwei weitere Stellen des Bodens waren mit der Zeit unansehnlich geworden: es gab vereinzelt schwarze Flecken – hier waren Metallfüße von Stühlen durch Wischfeuchtigkeit und die holzeigene Gerbsäure korrodiert. Zudem war vor dem Austritt auf den Balkon die Eiche etwas angegraut. Dies war Anlass, das gesamte Parkett aufarbeiten zu lassen. In den Jahren der Nutzung hatten es die Eigentümer zweimal neu geölt. Jetzt sollte die Erneuerung grundlegender sein. Abschleifen wäre bei dem Vollholzparkett möglich gewesen. Allerdings sollte eine staubarme Methode zum Einsatz kommen. Zur Wahl standen damit eine Öl-Wäsche oder eine Öl-Reinigung.

(1) Wer die Arbeit selbst ausführt, kann Schleifmaschinen vom örtlichen Fachhandel leihen | Bild: Achim Pilz
(2) Sinnvoll ist auch eine kleine Maschine für Anschlüsse und Ecken, hier mit beigem Pad zum Auspolieren | Bild: Achim Pilz
(3) Die Fußpunkte der alten Küche waren deutlich sichtbar | Bild: Achim Pilz
(4) Die Übergänge zu den Schlafzimmern wurden abgeklebt und die Fußpunkte retuschiert | Bild: Achim Pilz
(5) Der Intensivreiniger wird mit dem roten Pad eingearbeitet und danach abgenommen | Bild: Auro

Wäsche oder Reinigung

Auf die Frage, welche Methode Frau Junghan von „Wohnart natürliche Raumgestaltung“ in  Stuttgart empfiehlt, antwortete sie: „Ich habe gute Erfahrungen mit der Öl-Reinigung gemacht. Ich finde, das Parkett wird damit sehr sauber. Die Öl-Reinigung ist gründlicher als die so genannte Öl-Wäsche, die mit weniger Arbeitsschritten auskommt.“ Bei der Öl-Reinigung wird einmal abrasiv mit der Einscheibenmaschine über das Holz gegangen, vergleichbar einem feinen Schliff, der bei der Öl-Wäsche entfällt. Dadurch ist eine Reinigung mitunter minimal teurer als  die Wäsche. Ein Abschleifen hingegen wäre fast doppelt so teuer geworden. Um Kosten zu sparen, wurden die gut erhaltenen Oberflächen in den Schlafzimmern nicht bearbeitet.

Arbeitsschritte ReinigungMaterial
Retusche einzelner RiemchenKlebeband, Schleifpapier 180er
Abkleben ÜbergängeKlebeband
Auftragen IntensivreinigerIntensivreiniger, Putztuch
Einpolieren IntensivreinigerEinscheibenmaschine, rotes Pad 
Aufnehmen IntensivreinigerMob
Abrasion (feines Schleifen)Einscheibenmaschine, lila Pad (entspricht ca. 300er Körnung)
Absaugen Staubsauger
Einpolieren Bodenöl, fusselfreies Baumwolltuch, Einscheibenmaschine, beiges Pad

Beratung und Verarbeitung: Wohnart natürliche Raumgestaltung GmbH, Stuttgart, www.wohnart-stuttgart.de
Fläche: 58 m²
Dauer: zwei Personen á ca. 4 h

Retusche und Reinigung

Die zu hellen und zu dunklen Stellen auf dem Holz sollten dem Gesamtbild angepasst werden. Eine Arbeit, die der Hausherr vorbereitete. Er klebte einzelne Riemchen ab und schliff sie in Faserrichtung mit einem 180er Schleifpapier an. Dadurch wurden sie deutlich heller, was die Übergänge zu den hellen Kreisen unauffälliger werden ließ.

Die weitere Arbeit übernahmen zwei Mitarbeiter von Wohnart mit einem emissionsarmen System der Firma Livos (Latis Intensivreiniger Nr. 551 und Kunos Naturöl-Siegel Nr. 244 – lösemittel- und butanoximfrei). Bei Arbeiten im bewohnten Bereich ist eine Reduktion von Emissionen aus den Oberflächenbehandlungsmitteln sehr wichtig, speziell wenn wie hier ein Kind zur Familie gehört.

Zuerst klebten die Mitarbeiter die Übergänge zu den Schlafzimmern ab, die nicht gereinigt wurden. Während ein Mitarbeiter auf die übrigen Flächen mit dem Lappen den intensiven Reiniger auftrug, arbeitete der andere ihn mit der Einscheibenmaschine und dem blauen Pad in den Boden ein. Das Einarbeiten in allen Richtungen – diagonal, kreuz und quer – löst das alte Öl und öffnet die Poren. Mit dem Mob nahmen sie die verschmutze Emulsion ab und wuschen ihn in Wasser aus, das sie mehrmals erneuerten. Danach musste der Boden einige Stunden trocknen. Günstig war, dass dazu quergelüftet werden konnte. An dem trockenen Frühlingstag war er schon nach 3 Stunden trocken genug.

(1) Mit dem violetten Pad wird die Oberfläche nach dem Trocknen abrasiv angeschliffen | Bild: Achim Pilz
(2) Nachdem mit dem beigen Pad geölt wurde, zeichnen sich die hellen Kreise kaum noch ab | Bild: Achim Pilz
(3) Der fertige Boden. Durch händisches Arbeiten an den Rändern gibt es keine Spuren auf dem empfindlichen Linoleum der neuen Küche | Bild: Achim Pilsz
(4) Auch der Lehmputz ohne Sockelleiste ist unversehrt | Bild: Achim Pilz

Abrasion und ölen

Mit dem lila Pad, dessen Nylonfäden etwa einer 300er Körnung entsprechen, fuhren die Arbeiter trocken über den Boden. Der Hersteller nennt dieses Schleifen „Abrasiv“. Dabei entsteht nur sehr wenig Staub, der allerdings sehr fein ist. Mit dem Staubsauger saugten sie das meiste auf. Die übrigen Oberflächen wurden später feucht abgewischt. Nun trugen sie das Öl auf. Herausforderung war hier, die empfindlichen umgebenden Oberflächen nicht zu verschmutzen: eine stark saugende Lehmwand ohne Sockelleiste und Linoleum auf den Oberflächen der Küchenmöbel. Deshalb trugen sie das Öl an den Rändern mit einem Baumwolltuch von Hand auf. Auf den restlichen Flächen gossen sie eine Portion Öl auf den Boden, stellten die Maschine mit dem Pad darauf, schalteten sie an und massierten das Öl mit der Maschine in den Boden. Wenn man alleine ist, kann man das Öl auch mit dem Rakel (= Abstreifholz für überschüssige Farbe) auftragen. Auf keinen Fall zu viel Öl auf den Boden gießen und dann erst mit der Maschine auf die Lache fahren. Das kann spritzen. Die Arbeiten wurden vormittags ausgeführt. Am späten Abend konnten die Eigentümer schon vorsichtig strumpfsockig über den Boden gehen. Sie sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Frau Junghan ermahnt: „Am besten während der Nutzung den Boden regelmäßig pflegen. Dazu eignet sich beispielsweise das Finishöl Nr. 240 oder das Pflegeöl Nr. 1878 von Livos.“

Sicherheit beachten

Das mit Öl getränkte Baumwolltuch und die Pads können sich selbst entzünden. Deshalb luftdicht in einem Glas oder Metallbehälter aufbewahren. Zum Trocknen vorher in Wasser tauchen. Beim Arbeiten für ausreichend Lüftung sorgen.

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