Das Gewerbeobjekt bietet Arbeitsräume zum Wohlfühlen und sehr geringe Betriebskosten. Die Bauweise der Firma Staudenschreiner Holzbau GmbH wurde auf das Gewerbeobjekt angepasst. Dabei ist ein Gebäude entstanden, in dem sich die Mitarbeiter*innen heute richtig wohl fühlen. Der Stromverbrauch für den gesamten Betrieb konnte im Vergleich zum alten Standort um 62% gesenkt werden (von 26.400 kWh auf unter 10.000 kWh) und das obwohl das Objekt jetzt elektrisch über eine Wärmepumpe beheizt wird.

(1) Montage Massivholzelemente
(2) Ansicht: Freibereich vor dem Personalraum
(3) Innenansicht Werkstatt

Gebäudekonzept

Die Gebäudehülle ist als Holzkonstruktion auf einer Betonbodenplatte ausgeführt. Dazu wurden schnell montierbare Massivholzelemente außen diffusionsoffen mit Zellulose und Holzweichfaser gedämmt. Das ergibt im Innenraum eine sichtbare Holzoptik und eine Behaglichkeit, die im Gewerbebau seinesgleichen sucht. Die U-Werte liegen bei 0,12 W/m²K für das Dach und ca. 0,2 W/m²K für Außenwände und Bodenplatte. Die drei Temperaturbereiche Büro (21°C), Werkstatt (18°C) und das frostfreie Lager ermöglichen optimale Bedingungen für effizientes Arbeiten. Die Wärme wird als Strahlungswärme über die Betonkernaktivierung der Bodenplatte übertragen. Im Büro sind zusätzlich Decken- und Wandheizelemente installiert, um die Temperaturen präzise regeln zu können. Die Gebäudehülle wurde hinsichtlich der Wärmebrücken optimiert.

(1) Schemazeichnung des energetischen Konzepts mit Erdkollektor, Röhrenkollektoren, PV- und Lüftungsanlage | Quelle : Michael Sedlmeier
(2) Temperaturverlauf von 2016 bis 2018: Sandbett 8°C bis 23°C, Betonkern 22°C bis Spitzen von 27°C, Raumtemperatur 20°C bis max. 28°C
(3) Erdarbeiten Kollektor: Seitliche Dämmung und Sandbett für Soleleitungen
(4) Einbau der Soleleitungen im Sandbett, 29 Solekreise mit 100 m Länge
(5) Wärmedämmplatten unter der Bodenplatte (verhindern den Wärmeaustausch zwischen Erdspeicher und Bodenplatte)
(6) 25 Heizkreise in der Betonbodenplatte
(7) Betonieren der Bodenplatte mit Betonkernaktivierung
(8) Montage der 24 m² Vakuum Röhrenkollektoren an der Südfassade. Die Neigung von 75° ermöglicht bei niedrigem Sonnenstand hohen Ertrag
(9) „Herzstück “Wärmepumpe im Technikraum
(10) Nach dem Umzug in das neue Gebäude sank der jährliche Energiebezug von 26.400 kWh unter 10.000 kWh.

Technikkonzept

Das Technikkonzept basiert auf einer Wärmepumpe mit Erdkollektor. Der Erdkollektor (400m²) liegt unter dem Gebäude und wurde im Zuge der Erdarbeiten eingebaut. Dabei wurden 29 Solekreise mit 100 Meter Länge in ein Sandbett eingebaut. Seitlich wurde der Erdspeicher gedämmt, was gleichzeitig das Unterfrieren der Bodenplatte verhindert. Um den Erdkollektor zu regenerieren, wurden an die Südfassade Solarthermie-Röhrenkollektoren montiert, die das ganze Jahr Wärme liefern und den Erdkollektor vor allem im Sommer aufheizen. In den vergangen drei Winterperioden konnten Temperaturen von deutlich über 20°C erreicht werden, 2018 sogar bis 25°C. Am Ende der Heizperiode liegen die Temperaturen kaum unter 10°C. Das ist die Grundlage für die ausgezeichnete Arbeitszahl der Wärmepumpe > 7,5. Eine Lüftungsanlage reduziert den Wärmebedarf weiter und sorgt zudem für genügend Frischluftzufuhr. Die gesamte Beleuchtung basiert auf LED-Technik. Eine Photovoltaik-Anlage erzeugt Strom, der tagsüber im Betrieb direkt verbraucht werden kann.

Baudaten Firma Berger Werbung, Oberottmarshausen / Königsbronn (www.werbung-berger.de)

Baujahr2015
Nutzfläche ca. 400 m2
Außenwände (von innen nach außen)Massivholzwand 9 cm / Zellulosedämmung zwischen Stegträger 16 cm / Holzweichfaserplatten 3,5 cm / Hinterlüftung 4,0 cm / Holz- oder Blechverkleidung
Dachaufbau (von innen nach außen)OSB-Schalung zur statischen Aussteifung 2,2 cm / Zellulosedämmung zwischen Stegträger 36 cm / Holzweichfaserdämmung 3,5 cm / Hinterlüftung 4,0 cm / Dachhaut
InnenwändeMassivholzwand 9,0 cm / zum Teil mit Wandheizflächen (im Büro)
Bodenaufbau (von oben nach unten)Betonbodenplatte geglättet (mit Betonkernaktivierung) 30 cm / Dämmschicht 16 cm / Erdkollektor
Fenster und Türen Holzfenster Uw = 0,84 W/m2K / Zum Teil Festverglasungen ohne Rahmen in der Massivholzwand Uw = 0,60 W/m2K / Rolltor 1,37 W/m2K
Raumklima Massivholzwände + Speichermassen (BKT) im Nichtwohngebäude  
Energetisches Konzept● „Nichtwohngebäude“ KfW Effizienzhaus 55
● Jahres-Primärenergiebedarf Qp = 53 kWh/m²a
● Endenergie (Strom) 37 kWh/m²a
● Wärmeerzeuger: Wärmepumpe, Solarthermie-Kollektoren / PV-Kollektoren / Erdkollektor
● Wärmeverteilung: Betonkernaktivierung (BKT) / Wand-Deckenheizflächen im Büro  
● Lüftungskonzept: Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
● Solarthermie: 6 Module 24 m², 67° Südorientiert
Photovoltaik46 Module 12 KWp mit 5° Neigung
Planung / BauleitungGünter Wolf, Staudenschreiner Holzbau GmbH, 86830 Schabmünchen, www.staudenschreiner.de

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IBN-Zertifizierungen für Bauweisen, Gebäude und Räume:
zertifizierung.baubiologie.de

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