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ANTWORT

Die Situation ist so, wie Sie es beschreiben. Vor rund 15 Jahren ließen sich die Anbieter von Gipsprodukten noch in die Karten schauen und man konnte auch Produkte aus Naturgips bekommen. Mittlerweile ist es für den Verbraucher sehr schwierig, zu erfahren, welche Produkte aus Naturgips und welche aus REA-Gips sind und für welche Produkte Natur- und REA-Gips gemischt wird.

Im Jahr 2014 wurden in Deutschland von 11 Mio. Tonnen Gips 7 Mio. Tonnen durch die REA gewonnen, während 4 Mio. Tonnen aus Naturgips gewonnen wurde (Quelle: BGR).

REA-Gips entsteht in den Rauchgasentschwefelungsanlagen von Kohlekraftwerken. Die in den Rauchgasen enthaltenen Schwefelverbindungen werden mit Kalk gebunden und auf diese Weise entsteht Gips (Calciumsulfat-Dihydrat). Baubiologisch betrachtet sind uns für REA-Gips keine Mängel bekannt, es ist weder mit toxischen Ausgasungen zu rechnen, noch mit erhöhter radioaktivität.

Die Fa. Knauf hatte uns auf Anfrage geantwortet, dass vom Werk Rottleberode (Harz) Platten aus Naturgips lieferbar sind (z. B. „Knauf Piano GKF“) und diese Platten auf der Plattenrückseite mit der Bandstraßennummer …66 markiert werden.

REA-Gips gerät zunehmend unter Kritik, weil damit indirekt auch die Verbrennung von Kohle unterstützt wird. Voraussichtlich wird mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Abschalten von Kohlekraftwerken der Anteil von REA-Gips in Zukunft zurückgehen. Allerdings steht auch der Abbau von Naturgips unter Kritik. Schließlich wird dadurch im Tagebau Natur zerstört. Alternativ können u. a. Lehmbauplatten, Vollholzplatten (z. B. GFM-Diagonalplatte), Holzwerkstoffplatten (z. B. Holzwolleleichtbauplatten, Holzweichfaserplatten, zementgebundene Holzfaserplatten) oder mineralische Platten verwendet werden.

Diese Frage beantwortete Ihnen das Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN

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