ANTWORT

Die Küche ist ein Ort mit unterschiedlichen Tätigkeiten. Das Schneiden oder die Begutachtung von Lebensmitteln sind z.B. Aufgaben mit hohen Sehanforderungen. Deshalb sind sehr gute Lichtverhältnisse bezüglich Ausleuchtung, Helligkeit und Farbwiedergabe wichtig. Und dort wo gegessen wird, sollte die Beleuchtung auch Gemütlichkeit vermitteln. Daher reicht in der Regel eine Lichtquelle alleine nicht aus und es sollten mehrere Lichtquellen den einzelnen Aktivitäten angepasst sein.

Zu Ihrer Frage bezüglich Ersatz einer alten Leuchtstoffröhre durch eine LED-Röhre gibt es folgendes zu beachten:

In LED-Röhren sind im Allgemeinen einzelne kleine gelbliche Leucht-Chips in einer Linie hintereinander angeordnet (siehe Abbildung). Das von diesen LEDs abgegebene Lichtspektrum liegt bei einem von mir getesteten Hersteller (Valtavalo 150 cm, 28W, 5.000K) zwischen 400 nm und 700 nm (nm = Nanometer) und ist somit geringer, als das von Menschen wahrgenommene Lichtspektrum zwischen 380 nm und 780 nm. Dies bedeutet, dass LED-Röhren im Gegensatz zu allen Leuchtstoffröhren weder ultraviolette noch infrarote Strahlung abgeben.

Leuchtstoffröhren T5 und T8 und LED-Röhre (Bild: Adobe Stock, tubes néons t5 t5ho t8 DEL LED)

Ein wesentlicher Faktor in der Bewertung einer künstlichen Beleuchtung ist die Farbwiedergabe Ra. Dies ist ein Wert, der angibt, wie naturgetreu Farben wiedergegeben werden. Die Farben von Gegenständen und Oberflächen können nämlich nur dann farbgetreu wiedergegeben werden, wenn sie auch im Spektrum der Leuchtmittel vorhanden sind. Eine Tomate würde nie kräftig rot erscheinen, wenn kein Rot-Anteil im Licht der Lampe enthalten wäre.
Umgekehrt wird allerdings in Lebensmittelgeschäften z.B. an Fleischtheken oftmals Licht mit einem hohen Rot-Anteil manipulativ eingesetzt, um die Ware attraktiv und nicht blass erscheinen zu lassen.

Ein auf den Verpackungen der Leuchtmittel angegebener Wert von Ra = 90 sollte in keinem Fall unterschritten werden. Je höher der Ra-Wert, umso besser. Zum Vergleich: natürliches Licht besitzt den maximalen Wert von 100.
Die LED-Lampen haben sich in den vergangenen Jahren bezüglich der Farbwiedergabe immer weiter verbessert und übertreffen in der Regel die baubiologische Mindestanforderung von 90.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Farbtemperatur, die auf Verpackungen in der Einheit Kelvin (z.B. 2900 K bei Glühlampen) angegeben wird. Alternativ kann auch das Kürzel ww für warmweißes, nw für neutralweißes oder tw für tageslichtweißes Licht auf der Verpackung aufgedruckt sein.
Es gilt: ww für < 3300 K, nw für 3.300 K – 5.300 K und tw für > 5.300 K. Je niedriger die Farbtemperatur, desto rötlicher ist das Licht. Je höher die Farbtemperatur, desto größer ist der Blau-Anteil.

Zum Vergleich: Eine Glühlampe mit 2.900 K gibt ein warmes Licht ab, das in etwa dem Dämmerungslicht bei Sonnenuntergang entspricht. Sogenannte Tageslichtlampen haben eine Farbtemperatur von rund 5.500 K, was etwa dem Licht der Mittagssonne entspricht; der Blau-Anteil bei Tageslichtlampen ist relativ hoch, außerdem sind sie meist sehr hell.

Streng genommen ist der Begriff „Tageslichtlampe“ irreführend, weil die Leuchtmittel nur einen bestimmten Zeitpunkt des in Lichtfarbe und Helligkeit schwankenden Tageslichts wiedergeben. Sie wurden ursprünglich für solche Orte konzipiert, wo überhaupt kein Sonnenlicht vorhanden ist, wie z.B. in U-Booten, um die Besatzung vor Depressionen zu schützen und einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus zu ermöglichen. Ein Einsatz von Tageslichtlampen in der dunklen Jahreszeit kann daher durchaus sinnvoll sein, speziell dann, wenn ein Aufenthalt im Freien nicht möglich ist. Allerdings unterdrückt ein hoher Blau-Anteil die für den Schlaf wichtige Melatoninproduktion des Organismus. Helles und kaltweißes Licht am Abend wirkt wie Koffein und vermindert die Schlafqualität. Daher sollten Lichtquellen über 3.000K, also mit einem höheren Blau-Anteil, abends generell vermieden werden.

Ein wichtiger Punkt bei der Bewertung ist auch das Licht-Flimmern, das durch die Versorgungsspannung, Vorschaltgeräte oder Elektronik in den Leuchtmitteln entsteht. Flimmern bedeutet Lichtschwankungen z.T. mit niedrigen, z.T. mit hohen Frequenzen und kann zu gesundheitlichen Beschwerden führen. Die Frequenz und Intensität dieser Lichtschwankungen wird von den Herstellern nur selten angegeben. Besonders stark ist das Flimmern bei dimmbaren LED’s, die durch die sogenannte Puls-Weiten-Modulation (PCM) in ihrer Helligkeit gesteuert werden. Daher sollten vorsorglich keine Dimmer eingesetzt werden.

Einige grundlegende Bemerkungen noch zum Schluss: 

Glüh- und Halogenlampen sind unter baubiologischen Gesichtspunkten nach wie vor die empfehlenswertesten Leuchtmittel, da ihr Licht in ihrer Zusammensetzung als thermische Strahler dem natürlichen Sonnenlicht am ähnlichsten ist. Kompaktleuchtstofflampen und Leuchtstoffröhren sollten in jedem Fall wegen des in Ihnen enthaltenen gesundheitsschädigenden Quecksilbers vermieden werden.

LED-Leuchtmittel können sich auch bei gleichen Artikelnummern und gleichen Preisen in ihren Eigenschaften hinsichtlich Lichtspektrum, Zusammensetzung und Flimmereigenschaften von Charge zu Charge durchaus unterschiedlich verhalten. Daher ist eine konkrete Produktempfehlung problematisch und es sollte im Zweifelsfall immer ein/e baubiologische/r Lichttechniker/in zu Rate gezogen werden.

Diese Frage beantwortete Ihnen Dipl.-Ing. Joachim Gertenbach, Baubiologischer Messtechniker IBN und Umweltanalytiker in Wuppertal

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  1. Aus meiner Erfahrung der Messungen von elektromagnetischen Feldern muss ich auf die starken elektrischen Wechselfelder der LED Leuchten, insbesondere der LED Leuchtröhren hinweisen. Diese sollten im Schlafbereich vermieden werden. Auch sind LED Leuchten mit Bewegungssensor Ein/Aus problematisch, da diese quasi immer unter Spannung stehen und damit Energie verbrauchen! und die Steuer-Elektronik der LED Leuchtstäbe starke elektrische Wechselfelder erzeugen.

  2. Das würde mich auch sehr interessieren, diese doch sehr konkrete Frage “Ich suche für meine Küche eine gute LED-Röhre, die möglichst wenig flimmert…” wurde leider kaum beantwortet (nur “keine dimmbaren..” und “von Charge zu Charge unterschiedlich…”), hier wären wirklich konkrete Angaben und Tipps nötig gewesen. Vielleicht könnten diese ja noch ergänzt werden.

    • Mit Produktempfehlungen sind wir generell sehr zurückhaltend, weil wir als Institut Verbrauchern Unabhängigkeit und Neutralität versprechen. Konkrete Produktempfehlungen dagegen werden schnell als einseitig oder sogar als Werbung missverstanden.
      Hinzu kommt bei LED-Lampen das Problem, dass sich die Eigenschaften angebotener Produkte oft sehr schnell ändern. Es kann also sein, dass wir LED-Lampen empfehlen, deren Eigenschaften sich aber zwischenzeitlich schon wieder geändert haben. Man müsste deshalb eigentlich jede Charge/Produktionseinheit messen. Das würden wir gerne tun, können wir jedoch finanziell und personell nicht leisten, da wir als unabhängiges privates Institut keinerlei Förderungen erhalten.
      Trotz dieser Hintergründe möchten wir bzgl. LED-Röhren eine Ausnahme machen und unter Beachtung der genannten Probleme eine LED-Röhre nennen, die laut Messungen des Autors Joachim Gertenbach im Jahr 2020 vergleichsweise gute Eigenschaften bzgl. Flimmern (< 10 %) und Farbwiedergabe Ra > 90 %) hatte: Valtavolo LED-Röhre. Die gibt’s z.B. bei memo.
      Es gibt unseres Wissens folgende Anbieter von baubiologisch empfehlenswerten LED-Lampen und -Leuchten; diese bieten aber leider noch keine LED-Röhren an:
      • Lampen: BioLicht
      • Abgeschirmte Leuchten mit Lampen von BioLicht: Biologa Danell
      Wer bzgl. anderer Anbieter auf Nummer Sicher gehen möchte, müsste gewünschte Lampen oder Leuchten z.B. von einem/einer Baubiologischen Messtechniker*in IBN messen lassen.

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