Jahrelang stand das viergeschossige Haus in Berlin-Mitte leer, seine einst schmuckvolle Fassade bot ein trauriges Bild. Nach circa anderthalbjähriger Sanierungsphase hat es sich nun in eine Perle der Gründerzeitarchitektur zurückverwandelt.

Eine der größten Herausforderungen lag in der denkmalgerechten Gestaltung der Fassade unter Berücksichtigung der Auflagen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Was weder mit herkömmlichen Wärmedämmverbundsystemen (WDVS), noch mit Sanierputzen zu schaffen war, gelang mit einem Sanier- und Dämmputzsystem aus Kalk. Damit konnten die Fassade plastisch gegliedert und die Anforderungen an den Wärmeschutz erfüllt werden. In die ehemaligen Ladengeschäfte im Erdgeschoss sind inzwischen zwei Galerien eingezogen, die Wohnfläche in den Obergeschossen wurde teilweise zu hochwertig ausgestatteten Lofts umgebaut.

Reiche Fassadengestaltung

Doch zunächst war eine grundlegende Sanierung nötig. Zwar war das Backsteinmauerwerk – abgesehen von den partiell zu erneuernden Fugen – weitgehend intakt, dennoch erwies sich die Fassadengestaltung als besonders heikel. Das Denkmalamt machte die Auflage, die Laibungen so wenig wie möglich zu vertiefen und gestalterisch Bezug zum abhanden gekommenen Fassadendekor zu nehmen. Das erforderte eine prismatische Prägung, vertikale Gliederung und Akzentuierung von Faschen. Da bei solchen Fassaden oft große Putzspannungen und damit Risse auftreten, kamen herkömmliche Sanierputze mit viel Zementanteil nicht infrage. Man fand die Lösung in einem mineralischen Sanierputzsystem auf Kalkbasis aus fünf Komponenten. Der verwendete Dämmputz der ersten Lage enthält weniger als 5 % Weißzement. Der Zement macht den sonst sehr weichen Dämmputz etwas härter, verringert die Wasseraufnahme und beschleunigt die weitere Verarbeitung. Grundsätzlich kann dieser Dämmputz auch mit hydraulischem Kalk geliefert werden, was hier nicht gewünscht war. Entstehende Schwindrisse überbrückt eine Spachtelung von Einbettmörtel mit Armierung. 

Mit dem darauf folgenden Modellierputz waren auch die für den Altbau typischen Fassadenprägungen mit bis zu zwei Zentimetern Tiefe möglich. „Mit einem konventionellen WDVS hätte man sich bestenfalls im Millimeterbereich bewegt“, resümiert Thomas Bühler von Haga. Der abschließende Kalkfeinputz ist leicht eingefärbt und verleiht dem Gebäude eine leicht wolkige Lebendigkeit.

(1) Mit dem Kalksystem war eine plastische Gestaltung möglich
(2) Heute ist die Fassade des Berliner Gründerzeithauses wieder repräsentativ
(3) Auch die Faschen sind besonders gestaltet. Der abschließende Kalkfeinputz ist leicht eingefärbt und wirkt lebendig

Sanierputzsystem für Gründerzeitfassade

  • Grundputz als Spritzbewurf
  • Dämmputz: bis 5 cm in einem Arbeitsgang, Wärmeleitzahl λ ca. 0,060 W/mK (Biotherm, Haga)
  • Einbettmörtel mit Armierungsgewebe
  • Modellierputz (mit Prägungen) 2 cm in zwei Lagen
  • Feinputz eingefärbt (Calkosit, Haga)

Literaturtipp:

Weitere Beiträge, die Sie interessieren könnten:


Seminare und Qualifizierung: 
➔ Baubiologische Raumgestaltung IBN
Baubiologische Beratungsstellen IBN – auch in Ihrer Nähe!
beratungsstellen.baubiologie.de

Leser-Interaktionen

Ihre Meinung ist uns wichtig

Kommentarregeln: Wir freuen uns auf Ihre Meinung, Stellungnahme oder ergänzende Informationen.
Bitte platzieren Sie hier keine Werbung und keine Fragen. Falls Sie Fragen haben, können Sie diese direkt an die Autoren stellen - deren Kontaktdaten finden Sie im Autoren-Infokasten.
Bitte bleiben Sie konstruktiv und höflich! Alle Kommentare (max. 3.000 Zeichen) werden von der Redaktion geprüft und erscheinen nicht sofort. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.