Baubiologische Beratungsstelle IBN:
Innenraum, Gyan Schneider
69123 Heidelberg
Mehr Infos im baubiologie-verzeichnis.de

Gyan, du bist Farbgestalter, seit 1991 Baubiologe IBN, seit zirka 25 Jahren führst du eine Baubiologische Beratungsstelle IBN und gestaltest seit 15 Jahren mit Lehm und Kalk. Seit 2010 bildest du auch Baubiologischen Raumgestalter für das IBN weiter. Was sind die Eckpfeiler einer solchen Raumgestaltung?

Das Konzept für die Weiterbildungsseminare “Baubiologische Raumgestaltung IBN” habe ich gemeinsam mit dem Leiter des IBN Winfried Schneider entwickelt, der auch Schreiner und Architekt ist. Wir pflegen einen sinnlichen, praktischen und künstlerischen Ansatz auf der Grundlage von Farbenlehren, wie sie etwa am Bauhaus entwickelt wurden. Dabei geht es um physiologische, psychologische und räumliche Farbwirkungen in Verbindung mit Lichtgestaltung. Ende Mai 2022 laden wir beispielsweise zum Seminar ‘Licht, Farbe und Gestaltung’ ein. Mit dabei sind auch Tanja Knura, Innenarchitektin und Lichtplanerin und Jan de Boon, ein erfolgreicher anthroposophischer Farbgestalter.

Wer kommt zu solchen Weiterbildungen?

Hauptsächlich Handwerker und Architekten. Interessierte Laien, die zum Beispiel gerade ein gesundes Haus bauen oder sanieren, sind in der Regel auch willkommen.

Wie kann man eine gesundheitlich orientierte Architektur auch ästhetisch gestalten?

Durch einen geschickten Umgang mit Farbwirkungen, ansprechende Proportionen, eine gute Lichtplanung und die Verwendung natürlicher Materialien und Pigmente. Eine Gestaltung, die auf natürlichen Materialien und Pigmenten beruht, findet man lange schön, interessant und stimmig für den Menschen und den Raum. Ein mineralischer Aufbau hat Farbtiefe und changierende Farbstimmungen. Durch die Lichtbrechung zeigt er über den Tag und die Jahreszeiten unterschiedliche Charaktere. So eine Gestaltung spricht die Sinne auf unterschiedlichen Ebenen an.

Was ist das besondere an natürlichen Pigmenten?

Naturpigmente haben ein breites Farbspektrum mit vielen Unter- und Obertönen mit denen man auch mitschwingen kann. Anders sieht es mit künstlichen Pigmenten und Materialien aus. Diese hat man schnell satt. Ihr Schwingungsspektrum ist sehr reduziert und wenig kontrastreich. Eine Gestaltung mit Naturmaterialien ist nachhaltig. Man kann lange mit ihr leben. Viele Jahre habe ich die Farbigkeit mit Naturpigmenten selbst abgemischt. Inzwischen gibt es Firmen mit guten Farbfächern, mit denen ich arbeiten kann. Das vereinfacht auch das Nachmischen der Farbtöne.

Hugo Kükelhaus hat gesagt: ‘Sinne, die nicht in Anspruch genommen werden, verkümmern.’ Siehst du das auch so?

Ja, sicher. Wir brauchen sinnliche Anregungen auch in Innenräumen, damit es interessant und lebendig ist. Wenn wir keine sinnlichen Anregungen haben, wird das Gehirn nicht angesprochen und dadurch gestresst.

(1) Der einlagige Lehmstreichputz mit eigenhändig gemischtem Farbton wurde mit regelmäßiger Handschrift auf den vorbereiteten Untergrund aufgestrichen
(2) Feuer mit Feuer bekämpfen: Tiefenentspannend wirkt der holzkohlefarbige Lehmputz in der Souterrainwohnung, der im richtigen Augenblick geglättet wurde
(3) Feiner Lehmputz in einem Yogaraum, dessen glänzende Strohzuschläge freigewaschen wurden

Welche Sinne stimuliert eine baubiologische Raumgestaltung?

Alle. Nicht nur den visuellen, sondern auch die Haptik, den Gefühlssinn, den Ich-Sinn und die Körpersinnlichkeit. Zum Beispiel gibt es Farbrezeptoren dicht unter der Haut.

Wie erreichst du eine Identifikation der Nutzerinnen und Nutzer mit ihren Räumen?

Indem ich mich auf ihre Bedürfnisse einlasse. Ich helfe ihnen, herauszufinden, was ihre Bedürfnisse sind, was sie wollen und was ihnen gefällt.

Welche natürlichen Materialien verwendest du?

Ich verwende am liebsten Lehm oder Kalk, aber auch Silikatfarben oder gute Naturharzfarben.

Warum bevorzugst du mineralische Produkte?

Lehm ist einer der nachhaltigsten und ökologischsten Baustoffe. Es gibt aber Bereiche, in denen kann man ihn einfach nicht einsetzen, etwa wenn dauerhaft Feuchtigkeit da ist wie in Kellergeschossen. Kalk hat viele gestalterische und gesundheitliche Vorteile. Er ist zudem, je nach Produkt, alkalisch und schimmelresistent. Für Kalk gibt es viele Anwendungsbereiche, sowohl gesundheitlich als auch gestalterisch. Lehm und Kalk greifen gut ineinander.

(4) Für den Ort entwickelte Gestaltung mit Feng Shui Elementen, welche den hohen Raum unten mit der Empore verbindet. Die kalte, graue Stahltreppe ist jetzt kein Fremdkörper mehr
(5) Der glänzende Kalkspachtel wurde mit der Stucco-Kelle vorgelegt, zweimal aufgespachtelt und poliert. Durch seine Alkalität ist er schimmelwidrig
(6) In Zusammenarbeit mit der Europäischen Bildungsstätte für Lehmbau selbst entwickelter Lehmputz mit klein geschnittenem Schilf. Seine Oberfläche ist mit dem Holzbrett gerieben
(7) Lehmfeinputz zweilagig mit der Kelle aufgezogen, noch leicht feucht mit einer weichen japanischen Kelle behutsam geglättet. So können Sandkörner sichtbar glänzen

Wie wirken Lehm und Kalk auf das Raumklima?

Über gute Feuchtepufferung und antistatische Oberflächen. Der Kalk schafft auch ein alkalisches Raummilieu, was gesundheitliche Vorteile hat. Was die Feuchtepufferung anbelangt, ist Lehm natürlich ein bisschen besser. Er kann Feuchtigkeit zwischen seinen Schichtsilikaten einlagern, wieder abgeben und dadurch den menschlichen Feuchteeintrag in Räumen gut puffern. Man sagt dem Lehm auch nach, die Raumluft über elektrostatische Prozesse während der Feuchteeinlagerung und -abgabe mit gesundheitsfördernden negativen Kleinionen anzureichen.

Wie ist deine Zusammenarbeit mit dem IBN?

Sehr gut. Ich freue mich, dass sie langfristig ist. Als freier Mitarbeiter bin ich gerne als Seminarleiter und Referent für das IBN tätig. Am IBN-Gebäude durfte ich beratend und ausführend mitwirken (siehe Fotos 8, 9, 10). Als Baubiologische Beratungsstelle IBN schätze ich informative Rückendeckung und Unterstützung durch das Institut sehr. Ich bedanke mich für das Vertrauen.

Was sind deine Einsatzgebiete als Baubiologische Beratungsstelle IBN?

Da ich auch Fachkraft für Schimmelsanierungen bin, sind es seit 15 Jahren überwiegend Schimmelsanierungen und die Durchführung von Elektrosmog-Abschirmungen in Räumen in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen.

Was ist ein spannendes Projekt von dir?

Aktuell schirme ich eine komplette Wohnung in einem Gebäude aus Beton von den anderen 450 Wohnungen mit all ihren Routern und Funktelefonen ab. Die Miteigentümerin ist elektrosensibel. Deshalb bekommen Wände, Decken und der Estrich eine zweilagige Abschirmfarbe ohne Konservierungsmittel. Für ein gutes Raumklima sorgt am Ende ein zweischichtiger Lehmfeinputz. Wir werden etwa 2,5 Tonnen auf die Wände und Decken auftragen.

Du hast eine sehr ruhige Internetseite, die viel schlanker ist, als deine vorherige. Warum hast du sie so reduziert?

Die Dinge verändern sich und mit ihnen auch meine Webseite. Mir gefällt sie jetzt so. Sie ist schlanker, einfacher und mit weniger Text. Ich verstehe sie als Visitenkarte. Ich kümmere mich nicht mehr um Ranking oder dergleichen.

Wie sprichst du neue Kunden an?

Ab und zu über Vorträge. Kürzlich habe ich einen Vortrag für einen befreundeten Naturbaumarkt gehalten, woraus sich als neuer Kunde die benachbarte Waldorfschule meldete. Neue Kunden bekomme ich auch über mein großes berufliches Netzwerk, etwa über die Baubiologischen Beratungsstellen IBN. Zudem arbeite ich seit vielen Jahren mit einem Naturbaustoffhandel zusammen, der mich gerne empfiehlt. Außerdem empfehlen mich zufriedene Kunden. Marketing mache ich nicht.

Wie haben sich deine Kunden in den letzten Jahren geändert?

Zu uns kommen immer mehr Menschen u.a. auch aus der IT-Branche, die den ökologischen Grundgedanken verstehen und aus innerer Überzeugung umsetzen.

(8) Im Erdgeschoss Silikatfarben für die Fassade des IBN-Gebäudes
(9) Lehmfeinputze mit und ohne Strohzuschläge im Besprechungs- und Vortragsraum des IBN
(10) Kalkpresstechnik im Gäste-WC des IBN

Was meinst du mit ökologischen Grundgedanken?

Dass sie handeln müssen und dass sie selbst nicht getrennt sind von dem, was sie tun.

Was ist deine Vision zum ökologischen Grundgedanken?

Es ist noch so viel zu tun. Wir haben gerade erst angefangen. Konventionelle Baustellen sind immer noch Sondermüllhalden – außen und innen. Mit Mikroplastik ohne Ende. Ich habe erkannt, dass der Mensch nicht getrennt lebt von dem, was um ihn herum ist. Alles, was wir tun, kommt zu uns zurück. Es geht mir um Respekt vor der Erde, um Gestaltung als eine Achtung der Natur. Über die Achtung der Natur können wir Liebe lernen, weil Natur Liebe immer zurückgibt.

Vielen Dank für das Interview!

Quellen Abbildungen: (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7) Gyan Schneider | (8, 9, 10) Maximilian Mutzhas (mutzhas.com)

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Thema: Menschen + Visionen


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