Fallbeschreibung einer Patientin mit Herzschrittmacher

von Frau Dr. med. Christine Aschermann aus 88299 Leutkirch:

Dass Mobilfunk Herzschrittmacher beeinflussen können, ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch Störungen der Elektroinstallationen z.B. durch mangelhafte Erdung zu gefährlichen Rhythmusstörungen am Herzen – trotz Herzschrittmacher! – führen können. Ich wurde von einer Betroffenen dazu angeschrieben. Sie hatte durch eigene Recherche herausgefunden, dass sie mehrfach in alten Häusern mit mangelhafter Erdung der Elektroinstallation gelebt hatte und deshalb wiederholt im Krankenhaus aufgrund lebensbedrohlicher Zustände behandelt werden musste. Hintergrund war, dass die Erdung über die vorhandenen Wasserleitungen aus Metall erfolgte. Nach deren Austausch durch Wasserleitungen aus Plastik bestand jedoch keine Erdung mehr. In diesen Häusern müsste also dringend eine nachträgliche Erdung erfolgen.

In Gesprächen mit verschiedenen Elektrikern stellte ich fest, dass, zumindest in meiner Region, meine Fragen zur Erdung nicht beantwortet werden konnten. 

ANTWORT

Herzschrittmacher-Trägern würde ich generell zur Vorsicht bei allem raten, was mit starken magnetischen Wechsel- oder auch Gleichfeldern, aber auch elektromagnetischen Wellen z.B. durch Mobilfunk zu tun hat. Der von Frau Dr. med. Christine Aschermann geschilderte Fall fällt in diese Kategorie. Bei schlecht geerdeten Elektroinstallationen bzw. solchen mit sogenannten PEN-Leitern (also kombinierten Schutz- und Neutralleiter) kann es zu massiven Magnetfeldern kommen. 

Eine mangelhafte Erdung bzw. zu starke magnetische Wechsel- oder auch Gleichfelder (wie z.B. bei manchen Induktionsherden) bzw. elektromagnetische Wellen werden durch eine messtechnische Untersuchung entdeckt. Weisen z.B. Heizkörper magnetische Fehlströme auf, liegt das i.d.R. an einer mangelhaften Gesamterdung.

Menschen mit Herzschrittmacher sollten vor allem einen ungestörten Schlaf- und Arbeitsplatz haben. Im Standard der Baubiologischen Messtechnik SBM heißt es unter anderem: „Vorsichtshalber und mit besonderer Rücksicht auf empfindliche oder kranke Menschen sollten Verbesserungen umgesetzt werden, wann immer es geht.“

Herzschrittmacher
Bild: Röntgenaufnahme mit Herzschrittmacher | AdobeStock, angkhan

Auszüge zum Thema „Herschrittmacher“ aus dem Buch „Stress durch Strom und Strahlung“ von Wolfgang Maes:

Herzschrittmacher bewirken über die Elektrizität einer Batterie die Kontraktion des Herzmuskels und funktionieren mit  winzigen Spannungen im Bereich weniger Millivolt und mit winzigen Strömen im Bereich weniger Mikroampere. Sie sind, je nach Abschirmung und Bauart, mehr oder minder empfindlich gegen äußere Störungen, so auch gegen elektrische Wechselfelder. Deshalb müssen Herzschrittmacherträger wissen, mit welchen Elektrogeräten sie vorsichtig umgehen sollten, um Störung mit gefährlichem Ausgang zu vermeiden. Bei unserer alltagsüblichen Frequenz von  50 Hertz ist mit einer Herzschrittmacherstörung ab etwa 2.000 Volt pro Meter zu rechnen. Sie finden diese Feldstärke z.B. unter Hochspannungsleitungen, auf Heizdecken oder -kissen, im Solarium oder bei Körperkontakt mit Leuchtstoffröhren. Bei höheren Frequenzen im Bereich einiger Kilohertz ist eine Schrittmacherstörung noch eher wahrscheinlich, nach DIN/VDE ab etwa 300 V/m. 

Bei unserer alltagsüblichen Frequenz von 50 Hertz ist mit einer Herzschrittmacherstörung bei einem magnetischen Wechselfeld ab etwa 10.000 Nanotesla zu rechnen. Sie finden diese Feldstärke z.B. direkt unter den größten Hochspannungsleitungen, auf Heizdecken und über elektrischen Fußbodenheizungen, manchmal im Intercity und immer im Transrapid, in einigen wenigen Autos, im Solarium oder bei Körperkontakt mit Leuchtstoffröhren, ganz nah an Kleintrafos und Elektrouhren, an Bohrmaschinen und Haartrocknern, ganz nah an Mikrowellenherden und Niedervolt-Beleuchtungen, an Küchenherden speziell Induktionsherden, bei mancher medizinischer Anwendung (Magnetresonanz-Tomographie, MRT, Kernspin…). Bei höheren Frequenzen einiger Kilohertz ist eine Schrittmacherstörung noch eher wahrscheinlich. Deshalb sollte man vorsorglich mehr Abstand zu möglichen Emittenten halten.

Diese Frage beantwortete Ihnen Dr. Manfred Mierau, Dipl.-Biologe und Sachverständiger für Baubiologie

Literaturtipp:

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