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Wangelin liegt eine Stunde nördlich von Berlin. Der Ortsteil der Gemeinde Ganzlin ist wegen seines naturnahen, ökologischen Lehr- und Erlebnisgartens bekannt. Im Wangeliner Garten wachsen mehr als 900 Planzenarten. Zudem werden hier seit Jahren experimentelle, ökologische Bauten realisiert. Zuletzt wurde 2015 das Gartencafé nach einem Entwurf von Prof. Gernot Minke eröffnet. Die Wände des Holzbaus bestehen überwiegend aus Strohballen, die außen mit Kalk bzw. mit Lehm verputzt sind. Verschiedene Künstler zeigten in dem Gebäude ihr Können.

Die französische Kalkspezialistin Solène Delahousse vermittelte in ihrem Kurs die Grundlagen und Anwendungen von Kalkputzen, Freskomalereien und Kalkanstrichen. Untergrund für ihre lebensecht dargestellten Schmetterlinge und Libellen sind die Strohwände mit einem Kalkunterputz. Der Kurs dauerte insgesamt fünf Tage, in denen auch im Inneren des Gebäudes ein Kalkglanzputz und ein Kalkterrazzoboden ausgeführt wurden. So konnten die Trocknungszeiten gut genutzt werden.

Unterputz

Der Unterputz aus Kalk war zu Beginn des Kurses vorbereitet gewesen. Nach mehrmaligem Wässern des Putzes und Einziehen des Wassers wurde ein frischer Kalk-Oberputz aufgetragen. Mit einem Diaprojektor übertrugen die Teilnehmerinnen dann die Motive auf Papier und pausten sie mit Rädchen auf den Oberputz. Den folgenden Malgrund aus einem Kalk CL 90 und Marmormehl trugen sie mit kleinen Spachteln und Kellen in die umrandeten Flächen auf. Damit der Körper der Schmetterlinge die gewünschte erhabene Wirkung zeigt, erhielt er zwei weitere Schichten des Kalkputzes, die zum Karbonatisieren immer wieder mit einem Schwamm befeuchtet wurden.

(1) Das Team der Kalkkurse
(2) Beim Café des Wangeliner Gartens bestehen die Wände aus Strohballen, die außen mit Kalk verputzt sind. Der vorbereitete Grundputz wird gewässert und der Deckputz aufgetragen, Bild: Uta Herz
(3) Auftragen der Motive mittels Rädeln auf den Malgrund

Kalkfarbe

In der Zwischenzeit lasierten die TeilnehmerInnen lebendige Schatten mit einer stark verdünnten, blauen Kalkfarbe (Kalkpulver : Wasser ca. 1 : 10) auf die Wand. Erneut rädelten sie Details auf den Malgrund. Auf einige Stellen putzten sie dann stark gefärbte Putze auf (Kalkpulver : Marmorpulver 0/0,2 : Pigment ca. 2 : 2 : 1). An anderen Stellen malten sie die Details al fresco mit Kalkfarbe (Kalkpulver : Wasser ca. 1 : 2) auf den noch feuchten Putz. Teilweise mussten die Motive beschattet werden, damit sie nicht direkt von der Sonne beschienen wurden und zu schnell austrockneten. Einzelne Stellen erhielten hellblaue Reflexe aus Glanzputz.

(4) Als Malgrund dient ein weißer Feinputz
(5) Die Kalkfarbe wird fresco auf den feuchten Putz aufgetragen
(6) Einzelne Bereiche erhalten Reflexe aus Glanzputz

Glanzputz

Auch die Fensterrahmen wurden in Glanzputz ausgeführt. Dazu erhielten sie drei immer feiner werdende Schichten. Die erste Schicht bestand aus Kalk CL 90 : Marmorpulver 0/0,6 ca. 1 : 2. Die zweite Schicht aus Kalk CL 90 : Marmorpulver 0/0,2 ca. 1 : 1. Die dritte Schicht aus Kalk CL 90 : Marmorpulver 0/0,1 ca. 2 : 1. Die Schichten wurden aufgespachtelt und geglättet. 2015 veranstaltete Solène Delahousse einen weiteren, ganz ähnlichen Kurs. Auch die angrenzende Fassade des Gartencafés wurde mit Schmetterlingen gestaltet und dabei u. a. eine Kratztechnik (Art Sgraffito) ausgeführt. Über den Kurs gibt es auch einen kleinen, anschaulichen Film. Durch die vielfältigen Arbeiten der Künstler und der Teilnehmer ist das Café zu einem handwerklich außerordentlichem Ort geworden.

FAL e.V., www.fal-ev.de, Verein zur Förderung angemessener Lebensverhältnisse westlich des Plauer Sees ist der Trägerverein mehrerer Projekte:

  • Wangeliner Garten – ökologische Experimentalbauten, großer angelegter Kräutergarten: www.wangeliner-garten.de
  • Europäische Bildungsstätte für Lehmbau – ökologische Aus- und Weiterbildungsseminare. Themen: Gestalten mit Lehmputzen, Bauen mit Kalk, Tadelakt, Strohballen, Naturfarben: www.earthbuilding.eu / www.lernpunktlehm.de/wp3
  • Lehmmuseum Gnevsdorf – erstes Museum zum traditionellen und modernen Lehmbau in Europa: www.lehmmuseum.de
  • Wangeliner Workcamps – für Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren. Themen: ökologisches Bauen, Nachhaltigkeit, „grüne Berufe“: www.wangeliner-workcamps.de
Solène Delahousse

Solène Delahousse lernte als junge Frau Freskomalerei und Kalkstuckarbeiten in Italien bei der Restaurierung von historischen Gebäuden. Seit 1990 arbeitet sie in der „L’Ecole d’Avignon, Centre des Ressources sur le bati ancien“, der „Schule von Avignon, Zentrum für alte Baustoffe“. In Marokko lernte sie Tadelakt kennen. Heute unterrichtet sie an einer Hochschule in Paris und an vielen Orten in Europa. www.solenedelahousse.com


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Leser-Interaktionen

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  1. Es ist schon eine Weile her, als die Schmetterlinge sich am Cafè nieder ließen. Sie leuchten immer noch in frischen Farben.
    Ich freue mich, dass ich Solène Delahousse bei den Arbeiten persönlich kennen lernen durfte.

  2. Der Wangeliner Garten ist ein wunderbarer Ort, an dem es viele Dinge zu entdecken gibt! Ein Besuch lohnt immer. Ich bin im Sommer wieder dort.

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