Unter Beachtung der regionalen Möglichkeiten wurde eine Bauweise aus mit gestampftem Lehm gefüllten Reissäcken entwickelt. Das örtliche Ithaka-Institut erstellte hierfür die Anleitungen (siehe Infokasten unten). Auf diese Weisen konnten von Juni bis August 2015 22 Bauernfamilien, deren Häuser vollkommen zerstört worden waren, unter fachlicher Anleitung neue Häuser errichten. Die ursprüngliche Idee war, jedes Haus von zehn Leuten errichten zu lassen und jeweils Helfer aus Nachbardörfern mit bauen zu lassen, damit das Wissen um die Technik sich nach dem Schneeballprinzip verbreiten kann. Diese Idealvorstellung ließ sich aber nur teilweise realisieren, denn je mehr Häuser gebaut wurden, umso weniger Helfer fanden sich ein.

Stabile Rundbauten

Aufgrund der traditionellen Bauweise und der Beratung durch lokale Ingenieure, die nie zuvor ein rundes Haus gesehen hatten, entstanden zunächst Häuser mit rechteckigem Grundriss. Die Grundrissform hat jedoch einen entscheidenden Einfluss auf die Erdbebensicherheit der Gebäude. Je kompakter der Grundriss, umso stabiler das Haus. Ein quadratischer Grundriss ist stabiler als ein rechteckiger, ein runder stabiler als ein quadratischer. Nachdem unter Leitung des Ithaka-Instituts exemplarisch ein rundes Haus errichtet worden war und die Bauern sahen, wie viel schneller und einfacher das ging, entschieden sich alle weiteren Familien, runde Häuser zu errichten.

(1) Die Reste des alten Hauses kurz nach dem Erdbeben
(2) Das Fundament besteht aus eingestampften Feldsteinen
(3) Erdbebensicher ist auch der Bauplatz. Hier wird die Grube für das Fundament in den Lehm gegraben
(4) Die tragende Außenwand besteht aus Reissäcken, die mit gestampftem Lehm gefüllt sind
(5) Innen wird mit Lehm, außen mit einer Lehm-Kalk-Mischung verputzt
(6) Nach der Ernte wird das Dach noch gedämmt
(7) Noch vor dem Monsun ist das Haus regensicher

Handwerkliche Baustelle

Jedes dieser Häuser hat einen Durchmesser von ca. 6 Meter und reicht für die Unterbringung einer Familie von bis zu acht Personen. Der Hauptaufwand bestand im Füllen, Zunähen und Transportieren der Säcke. Diese wurden auf dem Fundament, das aus losen, eingestampften Steinen besteht, aufgeschichtet und durch Stampfen bis zu einer Höhe von ca. 10 cm verdichtet. Die Verbindung der Lagen untereinander geschah durch Einschlagen von 30 cm langen Bambusnägeln. Diese Verbindung ist effektiver und billiger als das Einlegen von Stacheldraht, wie es bei der Superadobe-Technik üblich ist. Alle zwei Meter wurde zusätzlich ein 50 cm langes Bewehrungseisen eingeschlagen. Das wichtigste Stabilisierungselement ist der Stahlbeton-Ringbalken, der über die eingeschlagenen Bewehrungseisen mit den obersten Schichten verbunden ist. Für die Dachkonstruktion fanden alte Balken aus den zusammengestürzten Häusern Verwendung, welche provisorisch mit ebenfalls vorhandenen Wellblechen abgedeckt wurden. Die Herstellung des Rohbaus dauerte sieben Tage. Später, nach dem Monsun, wurden die Dächer mit Stroh und trockenen Blättern abgedeckt.

Einfacher Ausbau

Innen verputzen drei Personen die Wände in vier Tagen mit Lehm. Der Außenputz besteht aus Lehm mit 10 % Kalk-Zusatz, der bei einigen Häusern mit einem Kalkanstrich versehen wurde. Für den fertigen Bau wurden (ohne endgültiges Dach) insgesamt 14 Tage benötigt. Die Baukosten betrugen ca. 900 Euro pro Haus, davon gingen 100 Euro an den angestellten Handwerker, der die Bauleitung übernommen hatte.

Ergänzende Publikationen:
Richtlinien zum Bau erdbebensicherer Wohnbauten aus Lehm (auch in nepalesischer Landessprache): Minke G, Schmidt HP (2015): Building earthquake resistant clay houses, Ithaka-Journal for biochar materials, ecosystems and agriculture (IJ), Arbaz, Switzerland, ISSN 1663-0521, pp. 349-355, www.ithaka-journal.net/87
Anleitungen für eine Bauweise aus mit gestampftem Lehm gefüllten Reissäcken unter Beachtung regionaler Möglichkeiten: Schmidt HP, Minke G (2015): Guidelines for the building of earthquake resistant earthbag clay houses, Ithaka-Journal for biochar materials, ecosystems and agriculture (IJ), Arbaz, Switzerland, ISSN 1663-0521, pp. 356ff, www.ithaka-journal.net/9

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