Das Ecoquartier (EQ) in Pfaffenhofen an der Ilm, eine große Siedlung für ca. 450 Bewohner, wurde von Anfang an auch nach baubiologischen Kriterien geplant. So wird das Regenwasser in den gemeinschaftlichen Landschaftsräumen bewirtschaftet. Wasserrinnen und Speichermulden machen das Element Wasser immer wieder erlebbar. Auch Geomantie, Geobiologie und Feng Shui wurden berücksichtigt. „Im Vordergrund allen Planens und Bauens steht die Gesundheit von Mensch und Natur,“ sagt Architekt Joachim Eble. „Es gibt derzeit kein Projekt in Europa, bei dem ein so umfassendes ganzheitliches Stadtquartier unter baubiologischen Gesichtspunkten errichtet worden ist.“

Eines der markantesten Häuser im EQ ist das so genannte Planetenhaus, ein 4-geschossiger Holzbau mit 14 Eigentumswohnungen. Wer sich im EQ zuhause fühlen möchte, der zieht am besten in dieses aufwändig gestaltete Wohngebäude. Es liegt zentral im so genannten Solardorf, dem größten der drei „Dörfer“ des Quartiers. Nach Westen ist es umgeben von voluminösen Langhäusern, nach Osten von kleinteiliger gestalteten Einzel-, Ketten- und Reihenhäusern. Das markante Dach des hohen Gebäudes ist an vielen Stellen des Quartiers zu sehen und markiert so auch von fern das Solardorf.

Das Quartier wurde zu Beginn nicht nur nach den Kriterien der Baubiologischen Messtechnik (SBM) untersucht, sondern auch umfangreich geomantisch, geobiologisch und nach Feng-Shui analysiert

Geomantie

Dem Gebäude vorgelagert ist ein kleiner Platz im Süden. Er ist naturnah als Treffpunkt und Spielplatz gestaltet. Von hier geht es auch zur Haupterschließung des Hauses. Joachim Eble nennt den Platz „Anger“. Das ist ein kleiner, zentraler Grasplatz in einem Dorf, der als Treffpunkt dient. Da hier die Geomanten den Planetenpunkt Sternenraum muteten, wurde er für den Stadtplaner einer der wichtigsten Orte im Quartier. Geobiologisch wurden Wasseradern und eine Verwerfung gemutet. Die Verwerfung wurde als Störzone nicht überbaut.

Lebendige Fassade: sowohl Form, Öffnungen als auch die Farbe sind dynamisch

Begeisterte Bewohner

Heidrun und Johannes Reiling wohnen seit der Fertigstellung 2014 in der östlichen Wohnung im 1. Obergeschoss des Planetenhauses. Sie hat zwei Loggien – eine große nach Süden und eine kleinere nach Norden. Für sie gibt es viele Gründe, im Pfaffenhofener EQ zu wohnen: „Pfaffenhofen ist eine prosperierende Stadt. Wir haben nur 12 min. bis ins Zentrum“, erzählt Johannes Reiling. Auch die großräumliche Lage findet er ideal: „In einer halben Stunde sind wir in München.“ Wichtig ist für Heidrun Reiling, dass das Gebiet geomantisch vermessen wurde. „Und von der Kita sind wir von Anfang an begeistert“, erinnert sie sich. „Wo Kinder willkommen sind, da möchten wir wohnen“, fügt er hinzu. „Besonders angesprochen haben uns außerdem das altersübergreifende Konzept und die autarke Energieversorgung.“

Auch mit dem Planetenhaus und ihrer Wohnung sind beide rundum zufrieden. „Der viele Freiraum um unser Haus ist ein Traum“, ist er begeistert. „Das ist für Kinder heute absolut selten. Alle finden es wunderschön, dass die Kinder in der Natur aufwachsen.“ Wenn er an die spielenden Kinder auf dem Platz denkt, gerät er ins Schwärmen: „So ein friedliches Zusammenleben unter den Kindern habe ich als Lehrer noch nicht erlebt. Das ist richtig schön.“ Für seine Frau ist die Bauweise in Holz wichtig und das „wunderbare“ Raumklima.

Baubiologische Ästhetik

Durch den Grundriss in Form eines Winkels, ein Dach, das mit dem First die Spitze des Winkels betont und viele Loggien, ist das Gebäude eine lebendige Skulptur. Mit seiner Spitze weist es in Richtung Vorplatz. Seine Holzleisten-Fassade verbindet es mit den umgebenden Häusern. Durch seine blaue Farbe ist es gleichzeitig herausgehoben und steht in einem polarisierenden Kontrast zu ihren Rot- und Orangetönen. Die blaue Deckelund weiße Grundschalung des Planetenhauses werden um honigfarbene Platten ergänzt. Lasuveda hat die differenzierte Farbigkeit des gesamten Quartiers farbkünstlerisch gestaltet. Leider wurden nicht, wie im ursprünglichen Entwurfvorgesehen, lasierte Lärche Dreischichtplatten verwendet. So ist die Lebendigkeit etwas gedämpft.

Auch die Grundrisse erzeugen organische Bewegungen, vor allem das großzügige Treppenhaus und einige der Wohnungen. Alle Wohnungen sind barrierefrei erschlossen, fünf sind gänzlich barrierefrei. Auch die Wohnung von Reilings ist altersgerecht. „Der Zuschnitt unsere Wohnung ist absolut genial“, betont der Hausherr. „Und die bodentiefen Fenster geben viel Licht. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Wohnung“, fasst er es zusammen. „Der einzige Nachteil, den ich benennen kann ist, dass es im Winter sehr trocken wird. Deshalb haben wir uns einen Luftbefeuchter gekauft.“ In allen Zimmern gibt es LAN, inden Schlafräumen Feldfreischalter.

Grundriss Erdgeschoss

Sinnliche Materialien

Die Konstruktion des Planetenhauses bestehtüberwiegend aus Holz: die Wände aus einem tragenden Holzsystem, die Decken aus einem Verbund von Brettstapeln und Beton. Das Holz der Brettstapeldecken ist von unten sichtbar und mit Wachs lasiert. Auch beim Dach sind die Brettstapel innen sichtbar. Die Holzfenster sind innen farblos lasiert, die Fensterbänke innen aus verleimten Massivholzstäben sind geölt. Beplankte Holzständer bilden die Innenwände. Baubiologisch zu bemängeln ist die Dämmung der Außenwände mit Mineralfasern. Dieses Detail ist dem Brandschutz des Holzbaus geschuldet. Bei Verwendung von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen wären Ausgleichsmaßnahmen, wie z. B. der Einbau einer Brandmeldeanlage, erforderlich gewesen.

Weitere Informationen zum Projekt:
ecoquartier.de

Soziales Potenzial

Sozial entwickelt sich das Quartier noch. „Wir Bewohner veranstalten etwa jeden Monat eine Versammlung“, erzählt Johannes Reiling und freut sich: „Wir sind inzwischen befreundet mit unseren Nachbarn.“ Es gibt Feste wie zu Nikolaus und im Sommer. Zu Weihnachten steht auf dem Platz vor dem Planetenhaus ein großer Christbaum. Doch Familie Reiling hatte mehr erwartet: „Es ist ein tolles Konzept“, bekräftigt er, „aber man konnte leider in der Praxis nicht alles durchhalten, wie es geplant war.“ Ursprünglich waren mehrere zentrale Gemeinschaftshäuser geplant gewesen. „Es wird aber jetzt so sein, dass wir kein soziales Zentrum bekommen“, ist er enttäuscht. Jetzt werden dort Wohnungen gebaut. Treffpunkt der Bewohner ist deshalb der Kindergarten. „Das ist aber keine Lösung, wie wir sie uns vorstellen.“, bemängelt auch Heidrun Reiling. „Weil hier Vieles mit großem Idealismus die sozialen Dinge anbelangt.“

Auch die Preisentwicklung macht das soziale Zusammenleben nicht einfacher. Das Planetenhaus hat 2014 schon 4,8 Millionen Euro gekostet. Vergleichbarer Wohnraum im Quartier kostet nach nur drei Jahren bereits 25 % mehr. Die Preise der Wohnungen sind jetzt auf Münchner Niveau. „In Pfaffenhofen sind inzwischen einige Einwohner gegen das Ecoquartier eingestellt“, erzählt sie „sie sagen: ‚Ihr habt uns die Preise kaputt gemacht.‘ Das finde ich schade.“ Noch ist das Quartier nicht fertig. Über den sozialen Zusammenhalt wird sich zeigen, ob es auch städtebaulich ein baubiologisches Vorbild für die Zukunft sein kann, wie etwa die Siedlung Schafbrühl in Tübingen von Joachim Eble.

Baudaten Planetenhaus Ecoquartier

Wohnungen14
Baujahr2014
AußenwändeSilikatfarbe, Gipsfaserplatte, tragende Holzsystembauweise, Mineralfaserdämmung, OSB/3-S-Platte, hinterlüftete Holzlamellenfassade
DeckenBrettstapel-Beton Verbund, unterseitig in Sichtqualität mit Wachslasur
DachWachslasur, Brettstapeldecke innen sichtbar, Mineralfaserdämmung mit unterseitiger Dampfbremse zwischen Sparren, raue Fichte-Holzschalung, Trennlage, Blechdach, Photovoltaik-Elemente vorgesehen
FensterHolz, innen farblos lasiert, außen Dickschichtlasur in Naturholzton, Dreifachverglasung, Wärmeschutzglas, thermisch optimierter Randverbund uw = 0,9 W/m2K. Teilweise fest verglast.
InnenwändeHolzständerkonstruktion, Gipsfaserplatte beidseitig, Silikatfarbe
EnergiestandardKfW Effizienzhaus 55
Heizung und
Warmwasser
Anschluss an Nahwärmenetz, Wärmeerzeugung Holzpellets und Biomethan, Wärmeverteilung über Flächenheizkörper
ElektroinstallationKabel halogenfrei, Feldfreischaltung in den Schlafräumen, LAN-Verkabelung
LüftungEntlüftungsgeräte in den Sanitärräumen mit Wärmerückgewinnung durch zentrale Luft-Wasser-Wärmepumpe (Einspeisung in Warmwasserbereitung). Außenluftnachströmung über Luftdurchlassventile in den Außenwänden.
Städtebauliche
Planung
Eble Messerschmidt Architekten und Stadtplaner, Tübingen
ProjektentwicklungBDZ, Eggolsheim

Literaturtipps:
StadtLandschaften
Baubiologie

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