ANTWORT

Braunfäule entwickelt sich durch längerfristig hohe Feuchtigkeit im Holz. Dafür gibt es drei mögliche Ursachen, die theoretisch auch alle gleichzeitig auftreten können: eindringendes Wasser, fehlende Sperrschicht zwischen Balkenkopf und Auflager oder Tauwasserbildung.

Möglichst umgehend sollte die Feuchtigkeit des noch intakten Holzes geprüft werden und ggf. Trockenmaßnahmen eingeleitet werden. Bei eindringendem Wasser muss die Ursache schnellst möglich repariert werden. Fehlt eine Sperrschicht gegen aufsteigende Feuchtigkeit, sollte diese nachträglich eingebaut bzw. von Fachleuten geprüft werden, ob darauf verzichtet werden kann. Häufig ist Tauwasser die Hauptursache. Es bildet sich, wenn im Winter die Feuchtigkeit der warmen Innenraumluft an Wärmebrücken (z.B. Außenwände oder Dach) kondensiert.

Im Balkenauflagebereich ist die Außenwand dünner, somit ist die innenseitige Oberflächentemperatur hier kälter, es kann Tauwasser entstehen. Um dies im Balkenkopfbereich zu vermeiden oder zumindest ausreichend zu reduzieren, empfehle ich Folgendes: die Balkenköpfe mörtelfrei und luftumspült mit statisch genügender Auflagefläche einbauen. Die Balkenstirn muss durch eine ausreichende Wärmedämmschicht (ca. 50 mm z.B. aus Kork) vor Tauwasserbefall bewahrt werden. Eine gute Belüftung ist durch einen seitlichen Balkenabstand vom Mauerwerk von 6 cm gewährleistet. Falls Luftumspülung nicht möglich ist, sollte innenseitig z.B. mit Kompribändern abgedichtet werden, sodass die warme Innenluft den Balkenkopf nicht erreichen kann. Die Wärmedämmung zwischen Balkenstirn und Mauerwerk kann im Zuge einer Sanierung nur eingebaut werden, falls Platz dafür vorhanden ist. Andernfalls muss das Mauerwerk im Außenwandbereich durch Wärmedämmung ersetzt werden oder die gesamte Wand mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) versehen werden. Alternativ lassen sich die Balkenköpfe moderat temperieren (ca. 15 Grad), dafür muss z.B. im Bereich der Balkenauflager ein Heizrohr verlegt werden.

„Braunfäule“ ist ein Überbegriff. Damit wird der Prozess der Holzzerstörung durch verschiedene Pilze, wie z.B. dem echten Hausschwamm, dem braunen Kellerschwamm oder Porenschwamm bezeichnet. Davon befallenes Holz wird morsch und zerfällt. Dies reduziert erheblich die Tragfähigkeit, zudem entwickelt sich ein unangenehmer Fäulnisgeruch. Bei der Bekämpfung eines Befalls ist die DIN 68800 Teil 4 zu beachten.

Vorrang hat immer die Substanzerhaltung des Holzes. Aus Sicherheitsgründen sollten jedoch erfahrene Fachleute wie Statiker oder Zimmerer stets prüfen, ob betroffene Balkenteile noch ausreichend tragfähig sind oder Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind. Sollten dafür Holzteile ausgetauscht werden müssen, können Zimmerer je nach statischer Erfordernis bzw. gewünschter Optik u.a. folgende Optionen anbieten: Keilzinkungen zwischen altem und neuem Balkenanteil / Balkenverstärkungen aus Holz ggf. in Kombinationen mit Stahlprofilen / Kunstharzprothesen / Balken kürzen und auf die Wände montierte Balkenschuhe oder Winkelauflager aus Metall auflegen / sind mehrere Balken betroffen, Streichbalken (= Balken parallel zur Wand) einbauen und Deckenbalken damit verbinden.

Aus den genannten komplexen Gründen rate ich Ihnen dringend, umgehend geeignete Fachleute, wie z.B. eine Baubiologische Beratungsstelle IBN hinzuzuziehen! Auch an den Deutschen Holz- und Bautenschutzverband e.V. (DHBV) können Sie sich wenden. Beauftragte Fachleute sollten u.a. auch Folgendes abklären und die erforderliche Sanierung fachlich begleiten: 

  • Sind auch andere Balken bzw. tragende Holzteile betroffen und ist die Statik noch gewährleistet?
  • Ist die Ursache für die Braunfäule der echte Hausschwamm? In diesem Fall sind deutlich weitreichendere Maßnahmen erforderlich, zumal er die gesamte Bausubstanz gefährden kann.
  • Befinden sich im Haus weitere evtl. gesundheitsgefährdende Schimmelpilze?

Diese Frage beantwortete Ihnen
➔ Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN

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Literatur rund um das gesunde Bauen und Wohnen: 
➔ Literaturtipps

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