ANTWORT

Bläue ist eine bläuliche oder blaugraue Verfärbung von Nadelholz durch einen Pilz, ein vergleichsweise harmloser Holzfehler, der die Tragfähigkeit und Beständigkeit von Holz nicht beeinträchtigt. Um solche Verfärbungen zu vermeiden, hat sich der Einsatz gesundheits- und umweltschädlicher Fungizide (Bläueschutz) von Fenstern und Fenstertüren mittlerweile zum Standard entwickelt. So gut wie kein Hersteller verzichtet darauf. Aus baubiologischer Sicht eine bedauernswerte und unnötige Entwicklung.

Laut DIN Norm 68800 Teil 3 ist zumindest die Außenseite der Fenster und Türen mit Bläueschutz zu versehen. Aus Produktionsgründen (Tauch- bzw. Spritzverfahren) werden Fenster aber nicht nur von industriellen Herstellern, sondern sehr oft auch von Mittelstandsbetrieben komplett, also auch innenseitig entsprechend grundiert. 

Häufig verwendete Bläueschutzmittel sind z.B. Propiconazol (eingestuft als H 360D: “kann das Kind im Mutterleib schädigen”) oder IPBC (H331 “giftig beim Einatmen”, H 372 “schädigt die Organe bei längerer oder wiederholter Exposition”). Gesundheitliche Gefahren bestehen vor allem für die Verarbeiter und Handwerker in den Betrieben, sowie beim späteren Abschleifen oder Entsorgen der Fenster.

Bild:  Bläuepilz am Rahmen einer Terrassentür | Dr. Kürsten, holzfragen.de

Die tatsächliche Innenraumbelastung durch Bläueschutz ist durch die in aller Regel durchgeführte Endbehandlung der Fenster mit Lasuren, Lacken oder Ölen gering. Dies bestätigt z.B. auch das Holzbauunternehmen Baufritz, das serienmäßig Raumluftmessungen in ihren fertiggestellten Gebäuden durchführt.

Dennoch: Sensitive wie z.B. MCS-Kranke reagieren nachweislich bereits auf niedrigste Konzentrationen, oftmals sogar unterhalb der analytisch mit üblichen Methoden erfassbaren Werte. Hier helfen nur vorab durchgeführte Verträglichkeitstests oder der komplette Verzicht auf Bläueschutz. Nicht vergessen werden sollten die bereits erwähnten gesundheitlichen Risiken beim Umgang (auftragen, abschleifen, entsorgen…) mit Bläueschutzmitteln sowie Gifteintrag in die Umwelt z.B. durch Verwitterung.

Kunden, die deshalb auf Bläueschutz verzichten wollen, haben häufig Probleme, überhaupt entsprechende Fenster zu bekommen, da die meisten Hersteller nicht auf die eingespielten und gewohnten Produktionsverfahren verzichten wollen und zudem bei Nichteinhaltung der DIN 68800 Teil 3 (siehe oben) Gewährleistungsansprüche fürchten. Nur wenige Handwerksbetriebe bzw. Baufirmen sind bereit, nach schriftlichem Gewährleistungsverzicht durch den Kunden auf Bläueschutz für Fenster zu verzichten.

Das Risiko der Bläuepilzbildung ist bei richtigem Umgang mit Holz i.d.R. sehr gering. Wichtig ist vor allem, für Fenster kein Splintholz zu verwenden und das Holz durchgängig, also auch während des Transports oder auf der Baustelle trocken zu halten. Bei Planung und Bauausführung sollte bestmöglich auf konstruktiven Holzschutz, also Schutz vor Bewitterung geachtet werden, also Dachüberstand, Fensterlaibung außen, Abtropfprofile… Zudem braucht die Oberflächenbehandlungvon Holzfenstern eine regelmäßige Kontrolle und Pflege. 

Bei Harthölzern wie z.B. Eiche entsteht Bläue erst gar nicht. Bei vielen Harthölzern könnte man sogar völlig auf eine Oberflächenbehandlung verzichten. Das Holz vergraut dann zwar außen, Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Lebensdauer hierdurch nicht gemindert wird.

Alternativ können auch unbehandelte Holz-Alufenster oder emissionsgeprüfte Kunststofffenster eingebaut werden. Diese können allerdings nicht den Charme eines Holzfensters bieten. Soweit Metalle und Kunststoffe recycelt werden, ist die Ökobilanz der verschiedenen Fenstermaterialien ähnlich, vor allem wenn man den höheren Pflegeaufwand für Holzfenster mit einbezieht.

Für Bauherren ist es ratsam, umfassende Emissionsprüfberichte für die geplanten Holzfenster zu fordern und bei den Fenstern zumindest auf der Innenseite auf Bläueschutz zu verzichten. 

Weitere Informationen zur Bläueschutz

Diese Frage beantwortete Ihnen Josef Frey, Innenarchitekt, Baubiologe und Mitarbeiter im Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN

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  1. Ich verarbeite seit über 15 Jahren Ölfarbe/Lasuren auf Holzoberflächen, an Fenstern und Türen im Außen- und Innenbereich einschl. der erforderlichen Vorarbeiten.
    Von Tischlern gebaute Rahmen und Flügel werden vor der Verglasung mit rohem Leinöl unverdünnt zweimal grundiert. Danach mit einem auf Wunsch farbigen Anstrich vorgestrichen. Dann erst gehts zum Glaser und dem Einbau auf der Baustelle mit der Endbeschichtung in Ölfarbe (z.B. von Kreidezeit, Ottoson, Leinölpro, Livos etc.). Der technologische Ablauf ist immer der gleiche. Ich habe bis heute keine einzige Reklamation oder Beanstandung erhalten, weder von Fenstern in Wohnräumen, noch in Nassräumen.
    Eine wichtige und entscheidene Eigenschaft von Leinölfarben ist deren Diffusionsoffenheit. Die Fähigkeit, diffusionsoffen zu sein, wird im sd-Wert ausgedrückt. Der sd-Wert für Leinölfarben liegt zwischen 0,879 und 1,584. Das heißt, Leinölfarben sind dicht genug, kein Wasser bis ans Holz zu lassen, aber sie sind gleichzeitig offen genug, um Wasserdampf passieren zu lassen. Entscheidend für einen niedrigen sd-Wert ist die Schichtdicke des Anstriches. Kaltgepresstes Leinöl trocknet langsamer, es hat damit mehr Zeit, tiefer in den Untergrund (bis zu 2 cm) einzudringen. Dies wird durch die geringe Molekülgröße im Gegensatz zu Wasser zusätzlich begünstigt. Gerade Holzsorten, wie z.B. Eiche, die besonders lange brauchen, bevor sie Öl aufnehmen, lassen sich vorteilhaft mit kaltgepresstem Leinöl grundieren.
    Der häufig von der Industrie empfohlene Leinölfirnis ist ein gekochtes, mit Sikkativ versetztes Leinöl. Hier wurde die Trocknung schon angekurbelt und es haben sich schon Molekülketten gebildet. Daher kann er schlechter und vor allem nicht tief genug ins Holz eindringen (nur ca. 2 mm). Dazu kommt, dass Leinölfirnis bereits nach ca. einer Stunde beginnt, auszuhärten.
    Chemisches und physikalisches Verständnis ist leider auch bei Architekten und Planern oft nicht verbreitet. Was man braucht, ist Geduld und Sachverstand für Naturprodukte. Den hatte man vor 500 Jahren bei Kathedral-, Dom-, Kirchen- und Schlossbauten auch und diese Bauten halten bis heute.
    Mit freundlichen Grüßen
    Malermeister
    Olaf Kirsten

  2. Das Thema Fenster interessiert mich schon seit Längerem. Ich bin immer auf der Suche nach neuen und interessanten Artikeln und Blogs zu diesem Thema. Es ist super, dass ich diesen Blog gefunden habe. Hier findet man echt viele hilfreiche Informationen.

  3. Fenster ohne Bläueschutz – Holz-Alu Fenster nur geölt
    Zum Holzschutz bin ich gerne Ihrer Meinung, daß nicht jede Holzart beim Fenster einen Bläueschutz benötigt und daß Holz-Aluminium Fenster auch geölt oder gewachst ausgeführt werden können. Dann aber bitte beim Kunden das schriftliche Einverständnis einholen.
    Wir haben Eiche Fenster in Holz-Aluminium angefertigt, geölt. Dann kam der Gutachter und ist der Meinung, das ist nicht der Stand der Technik, Schaden ca 20.000 € + ca 25.000 € Zusatzkosten für die Baubegleitung eins Planers. Es müssen die großen Festverglasungen ausgebaut und in den Fälzen allüberall nachgearbeitet werden mit einem Alkydharzlack. Der Gegenbeweis ist schwer.
    Problematisch sind auch die Wohnverhältnise: Lärchenfenster im Bad mit der tollen bodenebenen Dusche, ohne Abtrennung. Das ganze Bad schwitzt und die Lärchenfenster haben sich im Falz blau verfärbt. Auf der Fläche dunstet die Feuchte ab und selbst beim gekippten Fenster bleibt noch Restfeuchte im unteren Querbereich stehen. Die anderen Fenster sind unproblematisch.
    Schreinerei Ziegelmeier
    ö.b.u.v. Sachverständiger für das Schreiner Handwerk

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