Suchen

Warum Ziele?

Definierte Ziele sind wichtig, denn „nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg“. [1] Diese Agenda wird von Baubiologen mitgetragen, die über viele Jahre viel geleistet und dem Baugeschehen damit im Interesse der Gesundheit und einer lebenswerten Umwelt neue und wertvolle Impulse gegeben haben. Damit haben sie kraftvolle Voraussetzungen geschaffen, um die hier definierten Ziele bis 2025 auch erreichen zu können.

Die „25 Leitlinien der Baubiologie“ sowie der „Standard der Baubiologischen Messtechnik“ bieten eine erste Verdichtung dieser Agenda. Im Folgenden haben wir daraus die wesentlichen 18 Ziele als Forderungen an die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gebündelt.

18 baubiologische Ziele bis 2025

  1. „25 Leitlinien der Baubiologie“ [2] sowie „Standard der Baubiologischen Messtechnik“ [3] mit seinen „Richtwerten für Schlafbereiche“ in Normung und Gesetzgebung rund um das Bauen und Wohnen berücksichtigen.
  2. Verwendung von Bauprodukten, deren Inhaltsstoffe bzw. Auswirkungen ein Risikopotenzial für den Menschen bedeuten, reduzieren. Bauprodukte auswählen nach dem Motto „Jede Risikoreduzierung ist anzustreben, Vorsorge ist besser als Nachsorge“.
  3. Forschung und Innovationen sowie die Verwendung von Bauprodukten, die für die Gesundheit und Umwelt unbedenklich sind, fördern.
  4. Ökobilanzen für Gebäude verpflichtend in das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) integrieren. [4]
  5. Volldeklaration für alle Bauprodukte. Darin enthaltene Chemikalien dürfen erst dann verwendet werden, wenn ihre Unbedenklichkeit zweifelsfrei nachgewiesen ist.
  6. Baubiologische Anforderungen an die Haustechnik berücksichtigen. Dies gilt im Besonderen für funkbasierte Anwendungen (z. B. Smart Home, Mobilfunktechnik) [5] sowie jegliche künstliche Beleuchtung.
  7. Baubiologische Richtwerte für Büro- und büroähnliche Arbeitsplätze. [6]
  8. Staatliche Hilfen und Stiftungen für Menschen, die schuldlos durch Gifte oder Mikroorganismen im gebauten Wohn- und Arbeitsumfeld krank geworden sind.
  9. Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für gesundheitlich relevante baubiologische Beratungen und Messungen.
  10. Den Energieverbrauch in allen Bereichen deutlich reduzieren. Insbesondere den Verbrauch von Strom zur Beheizung von Wohn- und Arbeitsplätzen vermeiden, solange die „Energiewende“ noch nicht vollzogen ist. Den Anteil erneuerbarer Energien aus der Region deutlich erhöhen.
  11. Die Verwendung regional verfügbarer Baustoffe und Bauprodukte, regionaler Bauweisen und Handwerksleistungen sowie die Kooperation von Land- und Forstwirtschaft mit Herstellern von Bauprodukten fördern.
  12. Umfassende und transparente Dokumentationen für alle öffentliche Bau- und Sanierungsmaßnahmen, die im Sinne der Baubiologie eine Vorbildfunktion wahrnehmen sollen.
  13. Umgang mit Bauland und Wohnraum nach ökologischen und sozialen Kriterien. Trend zu mehr Wohnflächenverbrauch stoppen und umkehren durch öffentlich geförderte flexible und neue gemeinschaftlich ausgerichtete Wohnformen. [7]
  14. Den Zuzug in große Metropolen dämpfen und umkehren durch ökologisch orientierte Infrastrukturverbesserungen im ländlichen Raum. [7]
  15. Das Versiegeln von Freiflächen jeglicher Art durch Ausgleichsgrünflächen (auch vertikal und auf Dächern) innerhalb der Städte und Kommunen kompensieren. Die Nahversorgung mit Lebensmitteln und damit auch urbanen Gartenbau fördern. [7]
  16. Baubiologische Aus- und Weiterbildungsangebote für alle Bau- und Heilberufe anbieten.
  17. Fachübergreifende Zusammenarbeit von Baubiologen und Fachleuten aus dem Gesundheitswesen intensivieren.
  18. Informationsangebote für private und gewerbliche Bauwillige, Planer, Bauhandwerker, Hersteller von Bauprodukten, Immobilienbesitzer und Mieter verbessern.

Diese 18 Ziele sind im Sinne des ganzheitlichen Ansatzes der Baubiologie unteilbar. Sie bedingen einander und fördern sich wechselseitig.

Ausblick

Die weitgehende Umsetzung dieser Ziele bis 2025 ist realistisch. Die Baubiologie soll ein gesundes, nachhaltiges und ästhetisch gestaltetes Lebensumfeld im Einklang mit der Natur schaffen und bietet das hierfür nötige Hintergrundwissen.

Möge diese Agenda 2025 mit Ihrer Mithilfe und Unterstützung dazu beitragen, eine nachhaltige und lebenswerte Welt mit positiver Sicht auf die Zukunft aufzubauen!

„Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“
Aphorismus aus Afrika

Baubiologische Ziele bis 2025 aus Sicht von Studenten

Im Rahmen eines Lehrauftrags konnte Winfried Schneider (Geschäftsführer des Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN) ca. 80 Studenten der Hochschule Augsburg (Fakultät für Architektur und Bauwesen, Studiengang Energie Effizienz Design – E2D) zu ihren Zielen bis 2025 befragen:

  • Mehr Forschung vor allem bezüglich Entwicklung von Baustoffen aus natürlichen Rohstoffen.
  • Baustoffe aus natürlichen Rohstoffen fördern, synthetische Materialien begrenzen. Verbundwerkstoffe vermeiden.
  • Vom Gesetzgeber definierte Mindestanforderungen an Baustoffe, Bauteile und Einrichtungsgegenstände bzgl. Schadstoffe und Ökobilanz.
  • Genaue Angaben zu Schadstoffen in Baustoffen und Möbeln.
  • Kosten für die Sanierung von Schadstoffen können steuermindernd geltend gemacht werden.
  • Steuern auf Bauweisen mit schlechter Ökobilanz.
  • Lebenszyklusanalyse für jedes Gebäude verpflichtend einführen.
  • Staatliches Zertifikat zur Vermeidung von Greenwashing.
  • Öffentlich einsehbare Baustoffdatenbank.
  • Einsehbare Daten zu allen öffentlichen Bauten – diese sollen eine Vorbildfunktion erfüllen.
  • Investitionen zum Bauen und Sanieren nach baubiologischen Kriterien fördern.
  • Engere Kooperation zwischen Land-, Forst- und Bauwirtschaft.
  • Bei Versiegelung jeglicher Art Ausgleichsgrünflächen (auch vertikal und auf Dächern) innerhalb der Stadt/Kommune schaffen.
  • Maximal zulässige Raumtemperaturen festlegen.
  • Lichtverschmutzung reduzieren.
  • Mehr Aufklärung.

Diese Rückmeldungen der Studenten flossen in diese Baubiologische Agenda 2025 mit ein. Vielen Dank an alle Studenten, die sich daran beteiligt haben!

Baubiologische Weiterbildungen und Qualifizierungen
weiterbildung.baubiologie.de

„In der Baubiologie geht es darum, Ordnung und Harmonie in unserer nächsten Umwelt zu schaffen, das Gleichgewicht herzustellen zwischen der Natur, der gebauten Zivilisation und dem Menschen, ohne Fanatismus mitzuwirken an der Gestaltung einer menschenwürdigen, ökosozialen Bau- und Siedlungskultur, Brücken zu bauen zur Realisierung einer ökologisch orientierten Umwelt.“
Prof. Dr. Anton Schneider, Gründer des IBN, ✝ 2015

[1] – Laozi, chinesischer Philosoph, 6. Jhdt. v. Chr.
[2] – 25leitlinien.baubiologie.de
[3] – sbm.baubiologie.de, siehe auch „Leitsätze der Messtechnik“
[4] – vgl. Beitrag: Gebäude-Energie-Gesetz (GEG)
[5] – vgl. Beitrag: Smart Home ohne Funk
[6] – in Ergänzung zu den bereits vorhandenen „Richtwerten für Schlafbereiche“, sbm.baubiologie.de
[7] – ergänzender Beitrag: Wie wollen wir in Zukunft leben und wohnen?

AUTOREN
Prof. Karl Albert Fischer
Dr. Hermann Fischer
Pamela Jentner
Holger König
Dr. Manfred Mierau
Prof. Dr. Gernot Minke
Karlheinz Müller
Winfried Schneider
Ulrich Steinmeyer
Mehr zu den Autoren (u. a. auch Tonmitschnitte) und zum IBN-Kongress 2018: kongress.baubiologie.de

Aus Fachzeitschrift WOHNUNG+GESUNDHEIT Nr. 170 – mehr erfahren

Leser-Interaktionen

Ihre Meinung ist uns wichtig

Kommentare werden moderiert und erscheinen nicht sofort. Bitte bleiben Sie konstruktiv und höflich. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.